Mülheim

„Einer der Tiefpunkte unserer Nachkriegsgeschichte“ - Jüdische Gemeinde sagt Chanukka-Fest in Mülheim aus Sicherheitsgründen ab

In diesem Jahr wird das Chanukka-Fest nicht stattfinden.
In diesem Jahr wird das Chanukka-Fest nicht stattfinden.
Foto: Foto: Carsten Walden / FUNKE Fotoservices
  • Die Jüdische Gemeinde hat das Chanukka-Fest in Mülheim abgesagt
  • Hintergrund ist eine Warnung des Zentralrats der Juden
  • Mülheims Oberbürgermeister Ulrich Scholten (60) reagiert schockiert

Mülheim. Seit Jahren feiert die Jüdische Gemeinde Duisburg-Mülheim/Ruhr-Oberhausen das Chanukka-Fest auf dem Synagogenplatz in Mülheim. Doch wegen Sicherheitsbedenken verzichtet die Gemeinde in diesem Jahr auf ihr Lichterfest, das für Donnerstag geplant war.

Hintergrund ist laut Stadtsprecher Volker Wiebels eine Warnung des Zentralrats der Juden, in Deutschland derzeit keine Feste unter freiem Himmel zu feiern.

Ulrich Scholten (60) reagierte schockiert: „Dass eine öffentliche Jüdische Versammlung aus Sicherheitsgründen abgesagt werden muss, hätte ich mir im Leben nicht mehr vorstellen können“, so der Oberbürgermeister der Stadt Mülheim.

-------------------------------------

• Mehr Themen:

„Antisemitische Gewalt im Internet macht mir Angst“ - Mitglied der jüdischen Gemeinde in Essen prangert Übergriffe gegen Kinder an

Brand in Mülheimer Lackiererei: Zwei Personen erleiden schwere Rauchvergiftungen

Der ultimative Vergleich: Welche Stadt ist cooler - Mülheim oder Oberhausen?

-------------------------------------

Das bedeutet das jüdische Neujahrsfest
Das bedeutet das jüdische Neujahrsfest

Ein Tiefpunkt der Nachkriegsgeschichte

Alexander Drehmann (38) sagte gegenüber der BILD: „Wir fühlen in erster Linie Trauer, denn Chanukka ist doch ein Fest der Freude. Wir haben sämtliche Veranstaltungen unter freiem Himmel gestrichen. In Duisburg gehen wir, statt vor dem Stadttheater zu sein, in unser Gemeindehaus mit gesicherten Einlasskontrollen. Es gab leider Warnungen, auch von nicht-jüdischen Stellen, wobei ich keine Namen nennen kann. Es ist ein mulmiges Gefühl, sicherlich einer der Tiefpunkte unserer Nachkriegsgeschichte“, so der Geschäftsführer der örtlichen Jüdischen Gemeinde.

Stadt lehnt die Verlegung ins Rathaus ab

In den letzten Tagen hatten alle Beteiligten noch nach einer Alternative gesucht, um das Fest nicht ausfallen lassen zu müssen. „Die Jüdische Gemeinde hatte vorgeschlagen, im Rathaus zu feiern“, so Volker Wiebels.

Doch dem Wunsch konnte die Stadt in der Kürze der Zeit nicht nachkommen. Zwar habe weder die Stadt noch die Polizei gesonderte Erkenntnisse über eine akute Gefahrenlage, „aber wenn es die geben sollte, können wir die Sicherheitslage im Rathaus im Vergleich zum Synagogenplatz auch nicht erhöhen“, sagte der Sprecher der Stadt zu DER WESTEN.

Antisemitische Gewalt nimmt zu

Erst in der letzten Woche hatte ein Mitglied der jüdischen Gemeinde in Essen Übergriffe gegen Jüdische Kinder an Schulen angeprangert. Auch im Internet nehme die antisemitische Gewalt laut Schwalwa Chemsuraschwili drastisch zu.

 
 

EURE FAVORITEN