Coaching fürs Berufsleben

Beim Blinde-Kuh-Spiel lernten die Schüler zu führen und entscheiden und auch, wenn mal was schief geht, nicht nachzulassen.
Beim Blinde-Kuh-Spiel lernten die Schüler zu führen und entscheiden und auch, wenn mal was schief geht, nicht nachzulassen.
Foto: WAZ FotoPool
Zehntklässler der Realschule Mellinghofer Straße ließen sich vom Businesstrainer Henryk Lüderitz coachen, um die richtige Berufswahl treffen - und ihr Wissen weitergeben zu können. Unter anderem lernten sie bei einem Blinde-Kuh-Spiel zu führen, dirigieren und entscheiden.

Mülheim.. Als Businesstrainer hat es Henryk Lüderitz in der Regel mit erwachsenen Abteilungsleitern zu tun, die sich beruflich verändern und weiter entwickeln wollen. Diesmal hat er es mit acht Zehntklässlern von der Realschule an der Mellinghofer Straße zu tun, die mit ihm zusammen herausfinden wollen, welcher Berufsweg für sie der Richtige ist.

Was ist der Unterschied, wenn man Schüler oder Führungskräfte coacht? „Die Fragen sind eigentlich gleich: Wo stehe ich? Wo will ich hin? Wie sehe ich mich selbst und wie sehen mich die anderen?“, sagt Lüderitz. Doch gerade bei der Diskussions- und Reflexionsrunde fällt ihm auf: „Jugendliche gehen lockerer an die Sache heran, als Erwachsene, weil sie offner für Neues sind.“ So hat Manuela zum Beispiel kein Problem in der überschaubaren Mitschülerrunde von den Problemen mit ihrem Selbstbewusstsein zu sprechen, freut sich aber, als sie von ihren Seminarkollegen hört: „Du kannst doch unheimlich gut mit Menschen umgehen.“ Das Gefühl hat sie auch und fühlt sich jetzt bestärkt: „Ich würde gerne mit Kindern arbeiten. Vielleicht wäre Sozialpädagogin oder Kinderkrankenschwester das Richtige für mich.“

Viel lockerer als in der Schule

Lucca erzählt davon, dass er sich für Technik interessiert und gerne reist. „Pilot wäre da schon der richtige Beruf für dich“, bestärken ihn seine Mitschüler in seinem Wunsch, mit dem er sich schon länger trägt. Die Schüler, die sich am Samstag freiwillig im Hotel Thiesmann an der Dimbeck treffen, genießen die für sie neue Seminar- und Workshopatmosphäre an einem für sie ungewohnten Ort. Die finanzielle Unterstützung der Spardabank und des Schulfördervereins machen es möglich.

„Es ist viel lockerer, als in der Schule und man lernt sich intensiver kennen, weil man keinen Notendruck hat und nicht überlegen muss, was man sagt, weil ein Lehrer im Raum ist“, finden Pia und Christoph. Sie wird durch das gemeinsame Coaching in ihrem Wunsch bestärkt, Innenarchitektin werden zu wollen, „weil ich da kreativ sein kann und die Arbeit abwechslungsreich ist.“

35-seitiger Kriterienkatalog

Und Christoph weiß nach den Gesprächen mit Lüderitz und seinen Mitschülern mehr denn je, dass er Informatiker werden möchte, „weil ich Spaß an Technik habe und gerne an der Entwicklung von Problemlösungen arbeite.“ Unter der Überschrift „Meine Zukunft - Meine Entscheidung“ arbeitetet Lüderitz einen 35-seitigen Kriterienkatalog durch. Schritt für Schritt geht es um Fragen, wie: Welche Berufe gibt es eigentlich? Und welche könnten warum für mich interessant sein?

„Denkt nicht nur an Euch und den Traumberuf, den ihr vielleicht gerade im Kopf habt“, ermutig Lüderitz, die Zentklässler, ihren Horizont zu erweitern. Die Schüler, die ihr Workshopwissen später in einer Zukunfts AG an Neuntklässler weitergeben sollen, überlegen, was ihnen am zukünftigen Beruf wichtig sein könnte. Sie entwickeln auf der Basis einer Kriterienliste und einer Punkteskala eine Top-5-Liste ihrer möglichen Berufsalternativen. Die Jugendlichen denken dabei nicht an den Verdienst. Statt dessen fallen beim Brainstorming Stichworte, wie: Mit Menschen arbeiten, frei arbeiten und entscheiden können, Aufstiegschancen bekommen, etwas von der Welt sehen und: eine abwechslungsreiche Arbeit haben.

Selbst entscheiden

„Die Zeit war gut investiert. Das hat mich wirklich weitergebracht“, sagt Marina, die Lehrerin werden will, „weil ich gerne Wissen weitergebe und mit Jugendlichen arbeiten will.“ Auch das aus dem Rahmen fallende Blinde-Kuh-Spiel, bei dem Jugendliche Mitschüler führen und dirigieren müssen, damit sie auch mit verbundenen Augen Holzfiguren sicher von einem wackeligen Brett herunterholen können, zeigt: „Man muss immer wieder die Ruhe bewahren, erklären und zuhören und am Ende selbst eine Entscheidung treffen.“

 
 

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