Chemiker Nuno Maulide öffnet sein Herz am Piano

Foto: TESKE
Nuno Maulide ist Wissenschaftler und Konzertpianist. Bis 2013 hat er am Max-Planck-Institut für Kohlenforschung in Mülheim gearbeitet. Für ein Konzert kehrt der 35-jährige Portugiese jetzt zurück nach seiner alten Wirkungsstätte. Wir haben im Voraus mit ihm gesprochen.

Wie schafft dieser Mann das nur alles? Viele Leute werden sich diese Frage stellen, wenn sie Prof. Dr. Nuno Maulid e begegnen. Der 35-jährige Portugiese ist erfolgreicher Chemiker, ausgebildeter Konzertpianist und Kosmopolit, der in den USA, Belgien, Portugal, Österreich und Deutschland geforscht hat. Derzeit lehrt Maulide an der Universität Wien, bis Oktober 2013 war er viele Jahre im Max-Planck-Institut für Kohlenforschung tätig. Für einen Konzertabend kehrt Maulide jetzt zurück zu seiner alten Wirkungsstätte. Gordon Wüllner hat vorher mit ihm gesprochen.

Wie erleben Sie Wien im Unterschied zu Mülheim?

Mülheim ist viel ruhiger. Für die Wissenschaft ist es ein idealer Ort. Hier kann man sich gut konzen­trieren. In Wien gibt es viel mehr Gelegenheiten, Klavier zu spielen.

Lenkt Sie das nicht zu sehr von der Wissenschaft ab?

Es wird nie zu viel! Es ist mehr ein Genuss – auch wenn die Vorbereitung oft sehr stressig sind. Oft denke ich mir: Warum tust du dir das nur wieder an?

Gibt es für Sie Parallelen zwischen der Chemie und der Musik?

Sehr viele sogar. Die Sprache der Chemie ist sehr künstlerisch, sehr visuell – so wie die Sprache der Musik. Genau wie beim Aufschreiben von Noten komme ich beim Zeichnen von Molekülen mit wenig Worten aus. Sowohl in der Musik als auch in der Chemie hängt viel von Kreativität ab, denn die Möglichkeiten sind in beiden Bereichen unendlich. Auch hat beides viel mit Performance zu tun. Als Musiker sind Sie nur so gut wie ihr letztes Konzert, als Wissenschaftler nur so gut wie ihr letzter Vortrag. Ein Konzert ist aber viel schwieriger. Beim Klavierspielen öffne ich mein Herz, die Leute blicken in meine Seele. Als Wissenschaftler habe ich eine Distanz zum Publikum.

Wie sind Sie zur Musik gekommen?

Es hat viel mit Glück und Zufall zu tun, so wie vieles in meinem Leben. Unsere Schule in Lissabon wurde damals für ein Pilotprojekt ausgewählt. Uns wurde professioneller theoretischer Musikunterricht ab der 6. Klasse angeboten. Mein Vater hat mich dann bei einer Musikschule angemeldet, weil es hieß, dass ich sehr begabt sei. Dabei konnte ich noch gar kein Instrument spielen. An der Musikschule standen dann drei Instrumente zur Auswahl: Cembalo, Orgel oder Klavier. Mein Vater dachte: Kannst du Klavier spielen, beherrscht du auch die anderen Instrumente. Also habe ich Klavier gelernt.

Spiegeln sich ihre portugiesischen Wurzeln in der Musik wider?

Ja, der Portugiese ist gut im Improvisieren. Das hat mir bei der Musik weitergeholfen. Ein Profi übt, bis er ein Stück immer gleich spielen kann – egal, ob er traurig oder glücklich ist. Als Amateur kann ich diese Sicherheit nicht haben, weil ich nicht genug Zeit zum Üben habe. Deswegen muss ich auf meine Improvisationsfähigkeit vertrauen.

 
 

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