Chance für den Einzelhandel

Claus Boving, Geschäftsführer von Enerson Telecommunication, ist davon überzeugt, dass flächendeckendes WLAN über kurz oder lang zu einem Standardangebot werden wird. Wenn Kommunen oder auch Einzelhändler diesen Service allerdings schon jetzt anbieten würden, dann, so ist Boving überzeugt, würden sie sich einen Standortvorteil verschaffen, der sich auch finanziell auszahlen würde.

Enerson Telecommunication hat seinen Sitz an der Luxemburger Allee. Das Unternehmen hat verschiedene Konzepte für öffentliches WLAN entwickelt, die es als Generalunternehmer mit lokalen Partnern in ganz Deutschland umsetzt. Gerne würde es auch an seinem Firmensitz in Mülheim Pilotprojekte durchführen. Geschäftsführer Boving hat hier vor allem die Einzelhändler an den Einkaufsstraßen in den Stadtteilen oder in der Innenstadt im Blick. Denn ein WLAN bietet viele Möglichkeiten, mit den Kunden in direkten Kontakt zu treten.

Werbung

Zunächst gibt es immer eine Startseite, auf der sich die Nutzer einloggen müssen. Dort können bereits Werbeanzeigen geschaltet werden. Aber auch wenn der Kunde sich dann im Bereich des Netzwerkes bewegt, können ihn genau auf seinen Standort zugeschnitten gezielte Werbeangebote erreichen. Kommt er beim Metzger vorbei, blinken gleich die Angebote des Tages auf. Was früher auf einer Tafel im Schaufenster stand, erscheint dann auf dem Smartphone-Display.

Aber klassische Werbe-Anzeigen sind nicht alles – es gibt auch Platz für Gewinnspiele, Rabatt-Aktionen und vieles andere. „Der Kreativität sind keine Grenzen gesetzt“, ist Boving überzeugt. „Den Einzelhandel hat schon immer die besondere Nähe zum Kunden ausgezeichnet“, erläutert er. Nur leider hätten noch nicht alle Händler erkannt, dass das WLAN ihnen viele neue Möglichkeiten biete, neue Kunden-Bindungen zu knüpfen. Boving weiß, wovon er spricht, denn der studierte Wirtschaftswissenschaftler stammt aus einer Einzelhandelsfamilie und kann am Beispiel des Familienunternehmens beobachten, wie die Digitalisierung das Kaufverhalten der Menschen verändert: „Wir verkaufen Textilien. Zum Beispiel Kleider für den Abi-Ball. Es ist heute vollkommen üblich, dass die Mädchen, wenn sie ihr Kleid anprobieren, erst einmal ein Selfie davon machen und es bei Facebook posten. Kommen dann nicht in einer gewissen Zeit viele Likes, kaufen sie es eben nicht.“ Das bedeutet: Der Einkauf wird immer mehr zu einem Ereignis, das auch im Netz, eben bei Facebook, dokumentiert wird.

Aufklärungsarbeit

Da wirkt es auf Kunden natürlich besonders attraktiv, wenn sie im Geschäft unbegrenzt kostenlosen Zugang zum Netz haben. Aber Boving weiß auch, dass viele Einzelhändler noch skeptisch sind. Sie kennen die neue Technik nicht und befürchten, sie nicht handhaben zu können. „Wir müssen deswegen am Anfang vor allem auch immer Aufklärungsarbeit leisten“, berichtet er. Mittlerweile sind die Angebote so zugeschnitten, dass man kein Computer-Freak sein muss, um mit ihnen arbeiten zu können.

Claus Boving sieht in Unternehmen wie der Medl oder dem RWW auch potenzielle Betreiber solcher WLAN-Netze. Perspektivisch sei dies eine gute Investition. Zumal die Betreiber das Netz wiederum weitervermieten können, also nicht selbst betreiben müssen. Auch sei davon auszugehen, dass Telekommunikationsunternehmen wie etwa die Telekom irgendwann einmal Geld dafür zahlen würden, wenn ihre Kunden kostenfrei solche Netze nutzen könnten. Denn dadurch werde deren Netz entlastet. Angesichts des immer größeren Datenvolumens, das im Netz hin und her gesendet wird, keine unrealistische Erwartung. Auch wenn es in Mülheim so schnell noch kein flächendeckendes WLAN geben wird, zumindest als Wirtschaftsstandort profitiert es von der Entwicklung. In der nächsten Zeit, so Boving, werde Enerson Telecommunication rund zehn neue Mitarbeiter einstellen und damit seine Belegschaft verdoppeln. Denn das Geschäft laufe gut.

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