Bürgersteig für Radler freigegeben

Speldorf.  „Über Nacht war direkt vor meiner Haustür ein Fahrradweg“, wundert sich Günther Schmalz. Der Speldorfer wohnt seit 38 Jahren an der Duisburger Straße nahe der Einmündung Akazienallee. Schmalz’ Haus steht von Mülheims Stadtmitte aus gesehen auf der rechten Seite der Duisburger Straße, also in Fahrtrichtung Duisburg. Seit kurzem ist der Bürgersteig dort – in Abständen – versehen mit Fahrrad-Piktogrammen. Ebenso sind die Einmündungen der Querstraßen mit einem rotem Fahrradweg markiert.

Was hinter den frischen Markierungen steckt, erläutert Helmut Voß, der Fahrradbeauftragte der Stadt: „Bislang hatten wir auf der Duisburger Straße linksseitig, also stadteinwärts in diesem Bereich einen Zwei-Richtungs-Radweg.“ Radfahrer waren also gehalten, diese Spur sowohl Richtung Mülheim als auch in Richtung Duisburg zu befahren.

Diese Regelung aber habe sich als problematisch erwiesen. „Hier ist es zu Unfallhäufungen gekommen“, sagt Voß. Kritisch sei die Benutzung des Zwei-Richtungs-Radweges vor allem für diejenigen, die darauf in der vermeintlich falschen Richtung fahren. „Das führt zu Problemen mit Autofahrern, die aus den Seitenstraßen einbiegen. Die gucken nur nach links und rechnen nicht damit, dass von rechts auch Radfahrer kommen können.“ Die Unfallkommission der Stadt verzeichnete für das Jahr 2014 in dem Bereich an Kreuzungen drei Unfälle mit Radfahrer-Beteiligung, was bereits als Häufung eingestuft werde.

Generell rücke man vom Zwei-Richtungs-Radweg ab und suche Alternativen, so Voß. An der Duisburger Straße im Abschnitt von der Karlsruher Straße bis zur Akazienallee (von dort bis zur Stadtgrenze gilt die neue Regelung bereits seit fünf Jahren) wird daher der Bürgersteig in Fahrtrichtung Duisburg für den Radverkehr freigegeben. „Der Radfahrer kann künftig selbst entscheiden, ob er auf der Fahrbahn oder auf dem Bürgersteig fährt“, so Voß. Er betont: „Auf dem Bürgersteig aber darf nur in Schrittgeschwindigkeit gefahren werden.“ Der Radfahrer habe Rücksicht zu nehmen. Wird es eng, müsse er abstiegen. „Um Platz zu schaffen für die querenden Radler“, kündigt Voß an, „werden Wartehäuschen an den Straßenbahnhaltestellen verschmälert. Im Zentrum von Speldorf bleibt – was die Radwege anbelangt – alles beim Alten.“

Eine andere Möglichkeit für die Streckenführung des Radverkehrs auf dem Abschnitt der Duisburger Straße sieht die Stadtverwaltung derzeit nicht. Voß begründet: „Wir haben durch die Straßenbahngleise auf der Fahrbahn keinen Platz, um noch eine zusätzliche Radspur einzuziehen.“ Anwohner Günther Schmalz bleibt skeptisch: „Die Lösung ist katastrophal.“

 
 

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