Bürger wollen nicht doppelt zahlen

Immer wieder sorgen Kanalbauarbeiten für Diskussionen. Diese Aufnahme zeigte eine Maßnahme an der Ruhrorter Straße.
Immer wieder sorgen Kanalbauarbeiten für Diskussionen. Diese Aufnahme zeigte eine Maßnahme an der Ruhrorter Straße.
Foto: WAZ

Mülheim-Holthausen. Die Arbeiten laufen, die Straße ist aufgerissen, es gibt kein Zurück: Der Kanal an der Gracht wird zwischen Rathenau- und Annabergstraße erneuert. Doch wenn es nach den Anwohnern geht, ist das letzte Wort über die Maßnahme – oder vielmehr über deren Finanzierung – noch nicht gesprochen.

Denn die Stadt will die Kosten auf die Anlieger umlegen. Doch die wurden erst 2007 zur Kasse gebeten, als die Gracht zuletzt saniert wurde. Seit Monaten schwelt der Ärger bei den Betroffenen, nun wird der wohl institutionalisiert: Eine Bürgerinitiative ist in Planung.

Eine kleine Bürgerinitiative

Andreas Juncker nennt es eine „kleine Bürgerinitiative“, die er und seine Nachbarn starten wollen. Dabei haben sie bereits großen Einsatz bewiesen und das Gespräch mit zahlreichen Stellen gesucht: Mit Umwelt- und Tiefbauamt, Rechnungsbehörde, Medl und Bezirksbürgermeister Arnold Fessen haben sie gesprochen und dabei laut Andreas Juncker vor allem ein „Kompetenz-Wirrwarr“ erlebt.

Ihre zentrale Frage jedenfalls konnte niemand beantworten: Wie kann es sein, dass die Gracht 2007 von Kattowitzer bis Essener Straße saniert und im Zuge dessen nur der Kanal im unteren Teil (zwischen Annaberg- und Essener Straße) wegen „hydraulischer Probleme“ erneuert wurde? Warum hat man nicht gleich auch die oberen Rohre ausgetauscht?

Medl muss "Haltungsbericht" liefern

Viele Informationen haben die Anlieger gesammelt. Sie wissen nun etwa, so Juncker, dass die Medl der Stadt inzwischen einen „Haltungsbericht“ liefern muss, der „hydraulische Probleme“ belegt. 2007 war dies unnötig. Damals konnten die Kosten aufgrund dieser hydraulischen Probleme nicht umgelegt werden. 2013 können sie es. Das wissen die Anwohner nun – eine Antwort auf ihre Ausgangsfrage ist es trotzdem nicht. „Die Stadt redet sich raus“, sagt Juncker. Für ihn ist der Umgang mit dem Bürger auch „eine Frage der politischen Kultur“. Entscheidungen wie diese könne die Verwaltung nicht mehr glaubhaft vermitteln. [kein Linktext vorhanden]

Was bleibt, sind die finanziellen Fakten, und die flatterten den Anliegern schon ins Haus: Eine Rechnung über 1300 € erhielt etwa Andreas Juncker, von seinem Nachbarn Günter Heinz werden 4400 € gefordert. Beide zahlten, wie viele andere auch, bereits 2007. „Wir zahlen zweimal“, sagt Andreas Juncker, und am Ende „haben wir eine geflickte Fahrbahn“.

Deshalb wollen die Betroffenen sich zusammenschließen. 30 bis 40 Leute, schätzt Juncker, werden wohl Mittwoch, 17. April, 19 Uhr, in die Fünte kommen, um sich dort zu besprechen. Ein Gespräch mit der Stadt ist am Dienstag, 23. April, 18.30 Uhr, in der Wertstadt, Kohlenkamp 35, geplant. In dieses Treffen, betont Jucker, gehe er „hoffnungsfroh“. Sollte aber auch das nichts ändern, werde man „rechtliche Schritte prüfen“.

 
 

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