Bürger beklagen „Hammer-Gebührenerhöhung“ bei der Biotonne in Mülheim

Andreas Heinrich
Die Entsorgung der Bio-Abfälle hat sich für zahlreiche Bürger verteuert. Ökologisch unsinnig, sagen dazu Umweltschützer. Foto: Ole Heyer
Die Entsorgung der Bio-Abfälle hat sich für zahlreiche Bürger verteuert. Ökologisch unsinnig, sagen dazu Umweltschützer. Foto: Ole Heyer
Foto: NRZ
Vielen Bürger schwillt der Hals, wenn sie den aktuellen Gebührenbescheid für die Abfallentsorgung überprüfen. Die Gebühren sind zwar nur leicht gestiegen. Aber bei der Entsorgung des Biomülls wird es richtig teuer.

Mülheim. So wie Wilfried Fohrmann staunen in diesen Tagen viele Bürger nicht schlecht, die ihren aktuellen Jahresgebühren-Bescheid von der Stadt erhalten haben. Auf den ersten Blick sieht alles wie immer aus: Die Gebühren klettern um ein paar Prozentpunkte. Doch wer dann wie Fohrmann genauer nachrechnet und vergleicht, macht mitunter bei der Entsorgung des Biomülls mehr als eine Verdoppelung der Gebühr aus.

Die Erhöhung der Gebühren für die Biotonne um bis zu über 100 Prozent empört die Bürger. Von einer Unverschämtheit ist die Rede oder auch von „Hammer-Erhöhung“. Mehr noch: Manche fühlen sich hinters Licht geführt, da ihnen in der Informationsschrift der Stadt zu den Gebühren auf den ersten Blick etwas ganz anderes vorgerechnet wird. Ist den Politikern eigentlich bewusst, fragt Christian Kärcher, welcher Satzung und Erhöhung sie da zugestimmt haben?

Steigerung um 113 Prozent

Auch die neue Gebührenberechnung, sagt der Leiter des städtischen Umweltamtes, Dr. Jürgen Zentgraf, biete den Bürgern durchaus noch Vorteile. Kernpunkt der Kostensteigerung ist die Erhöhung der Kappungsgrenze. Danach galt bisher: Wer etwa eine 80-Liter-Restmülltonne besitzt, die 14-tägig geleert wird, zahlte bisher dafür im Jahr 104 Euro. Für seine Biotonne mit 240 Litern Volumen waren maximal 50 Prozent davon fällig, also 52 Euro. Diese Kappungsgrenze hat die Politik auf 100 Prozent angehoben mit der Folge, dass statt 52 Euro jetzt für den Biomüll 104 Euro plus die Steigerung der Grauen Tonne um einige Prozentpunkte gezahlt werden müssen. Kärcher hat es genau ausgerechnet: Die Steigerung betrage bei ihm 113,6 Prozent.

Bisher, so Zentgraf, profitierte derjenige, der eine kleine Restmülltonne hatte, aber eine große Menge an Biomüll produzierte. Das sei vorbei. Dennoch machten weiterhin auch Bürger bei der höheren Kappungsgrenze ein gutes Geschäft, betont Zentgraf, und meint all die Haushalte mit großen Restmüll-Tonnen. Die Biotonne steige auch dann nicht über den Wert von 111,85 Euro.

Umweltverein fordert Rücknahme der Erhöhung

Umweltschützer sprechen von einem „ökologischen Unsinn“. Der Saarner Umweltverein fordert daher die Rücknahme der Anhebung auf 100 Prozent. So werde die Mülltrennung verteuert, beklagt Detlef Habig, der Vorsitzende. „Mehr Einnahmen für die Stadt sind kaum zu erwarten, weil die Bürger die Anzahl und das Volumen der Biotonen verringern werden.“ So könnte, fürchtet Habig, wieder mehr Biomüll in der Restmülltonne landen und damit in der Müllverbrennungsanlage, was die Emissionen hochtreibe. Mehr noch: Der Saarner Umweltverein fürchtet sogar wieder eine verstärkte illegale Entsorgung in Grünanlagen oder Wäldern.

Rund 150 000 Euro Mehreinnahmen aus dem Biomüll verspricht sich die Stadt in diesem Jahr. „Hätten wir den Biomüll nicht verteuert, hätten wir die Gebühren für den Restmüll noch stärker erhöhen müssen, um die Entsorgungskosten für den gesamten Müll kostendeckend zu betreiben“, sagt Zentgraf. Er betont außerdem: Eine Entsorgung des Biomülls über die Graue Tonne werde in jedem Fall teurer sein.

Umweltpolitiker Dr. Wolf-Jürgen Richter von den Grünen wünschte sich vor allem mehr Transparenz bei den Gebührenberechnungen: „Wie sich die Kosten für den Biomüll zusammensetzen, ist weiterhin unklar.“ Sollten aufgrund der höheren Gebühren die Bürger vermehrt Abstand von der Biotonne nehmen, plädiert Richter dafür, neue Anreize zu schaffen – aus ökologischer Sicht.