Bündnis läuft Sturm gegen Trödelmärkte in Mülheim

Trödelmarkt im Rhein-Ruhr- Zentrum in Mülheim. Viele Einzelhändler klagen, dass die vielen Trödelmärkte in der Stadt der Wirtschaft schadeten. Foto: Christoph Wojtyczka
Trödelmarkt im Rhein-Ruhr- Zentrum in Mülheim. Viele Einzelhändler klagen, dass die vielen Trödelmärkte in der Stadt der Wirtschaft schadeten. Foto: Christoph Wojtyczka
Foto: Christoph Wojtyczka / WAZ FotoPo
Ein Bündnis aus Vertretern des Einzelhandels, der Kirchen, der Gewerkschaft Verdi, der IHK und des Bundesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute macht mobil gegen die vielen Trödelmärkte in der Stadt. Sie schadeten der Wirtschaft vor Ort.

Mülheim. Stoppt die Flut an „Billigkaufhäusern unter freiem Himmel!“ Mit dieser Forderung wendet sich jetzt ein breites Bündnis aus Vertretern des Einzelhandels, der Kirchen, der Gewerkschaft Verdi, der IHK und des Bundesverbandes der Schausteller und Marktkaufleute an die Stadt. Sie soll die Zahl der so genannten Trödelmärkte deutlich reduzieren.

Die Stadt Mülheim, so Marc André Heistermann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes, leiste sich hier – auch im Vergleich zu anderen Kommunen – eine sehr große Großzügigkeit gegenüber den Trödelmärkten, zum Schaden der heimischen Wirtschaft. „Hier werden Arbeitsplätze gefährdet“, warnt Günter Wolf, stellvertretender Geschäftsführer von Verdi.

Unmut wächst seit Jahren

Seit Jahren wächst unter den Einzelhändlern der Unmut über immer mehr Trödelmärkte, insbesondere an Sonntagen. An die 50 sind es inzwischen im Jahr in Mülheim, Tendenz steigend. Doch mit Trödel habe das alles nichts mehr zu tun. Wolf machte sich am 1. Mai beim „Antik-Markt“ am Rhein-Ruhr-Zentrum ein aktuelles Bild: „CDs, Obst, Wurst, Baumarktartikel, Sommerkleidung – es waren fast alle Warengruppen vertreten, und zwar als Neuwaren.“ Heistermann, ebenfalls vor Ort, berichtet von Markenartikeln, die um bis zu 80 Prozent günstiger verkauft würden. Heinz-Wilhelm Paschmann, Einzelhändler und Vorstand im Einzelhandelsverband, wird deutlich: „Auf diesen Märkten werden Waren verkauft, die zuvor bei mir gestohlen wurden.“

„Wir haben es hier mit einem rechtsfreien Raum zu tun“

Die Verkauf von Trödel, der keiner ist, trifft den heimischen Handel massiv, selbst so große Häuser wie Karstadt im Rhein-Ruhr-Zentrum: „Wenn sonntags Trödelmarkt war, haben wir am folgenden Montag bis zu 20 Prozent weniger Umsatz“, berichtet Ulrich Braune, Betriebsrat. Von zerstörten Wettbewerbsbedingungen sprechen daher Gewerkschaft und Einzelhändler und von einer sehr unterschiedlichen Behandlung durch die Ordnungsbehörden. „Wenn ich mein Fleisch so verkaufen würde wie die Händler auf den Flohmärkten, man würde mich verhaften“, sagt Paschmann. „Wir haben es hier mit einem rechtsfreien Raum zu tun“, empört sich Einzelhändler Hartmut Buhren und wünscht sich wie alle in dem Bündnis, dass die Stadt ihre rechtlichen Möglichkeiten nach der Gemeindeordnung mehr ausschöpft, um nicht noch weiter die Existenz von Einzelhändlern aufs Spiel zu setzen. Die Verödung der Innenstadt hat aus Sicht der IHK zum Teil auch in diesen Märkten ihren Grund.

Kirche sieht Gefährdung der Sonntagsruhe

Unterstützung bekommen die Einzelhändler von den Kirchen. „Die Sonntagsruhe wird noch weiter gestört als ohnehin schon. Und eine Gefährdung der Arbeitsplätze kann ebenfalls nicht im Interesse der Kirchen sein“, klagt Wolfgang Feldmann vom Katholikenrat. Sein Kollege Paul Heidrich sieht in der derzeitigen Genehmigungspraxis gar eine Verletzung des Grundgesetzes.

Die Stadtverwaltung hat die Bezirksregierung angeschrieben, um Klarheit für das weitere Vorgehen zu bekommen: Können Trödelmärkte eingeschränkt, abgelehnt werden? Sind mehr Kontrollen möglich und nötig, auch mit Hilfe der Polizei? Darum geht es. Von einer zum Teil „organisierten Mafia“ auf den Märkten ist im Bündnis die Rede. Nun soll mit der Politik Druck auf die Stadt ausgeübt werden. Paschmann gibt sich skeptisch: „Ich kann bei der Verwaltung keinen ernsthaften Willen erkennen, das Problem anzugehen.“

 
 

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