Bücher für die Heimat

„Die Bibliotheken sind die Universitäten der armen Leute. Lesen ist wichtig. Denn durch Bücher wird man gebildet und Wissen ist Macht.“ Das haben die Schwestern Johanna, Hanni (beide 45) und Cecilia Sekyi-Yorke (51) immer wieder von ihren Eltern gehört, als sie in der Hauptstadt des westafrikanischen Ghana, Accra, aufwuchsen und dort die Adenta Community School besuchten.

Vor 20 Jahren kamen die Schwestern nach Deutschland, der Liebe wegen. Die Liebe zu ihren damaligen Männern kam und ging, aber die Liebe zum Lesen blieb. Deshalb engagieren sich Johanna Schubert und Cecilia Mölter, die beide in Mülheim leben mit ihrer inzwischen in New York wohnenden Schwester Hanni Schroers dafür, dass mehr Grundschulkinder in Ghana ein Buch in die Hand bekommen.

Bücher sind wertvoll

„Früher hatte Bildung in Ghana keinen so großen Stellenwert, obwohl es seit 1957 eine Schulpflicht gibt. Der Schulbesuch kostete Geld. Erst seit 2005 ist der Besuch öffentlicher Schulen kostenlos. Doch öffentlichen Schulen sind bei weitem nicht so gut mit Büchern ausgestattet wie die Privatschulen, für deren Besuch man Geld bezahlen muss. Und anders, als hier, gibt es noch lange nicht in jedem Stadtteil eine Bücherei. Als Kinder mussten wir in Accra so weit, wie von Mülheim nach Essen fahren, um eine Bibliothek besuchen zu können“, beschreibt Cecilia Mölter die Entwicklung in ihrem englischsprachigen Herkunftsland.

Das hat nach Angaben des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit inzwischen eine Alphabetisierungsquote von 66 Prozent erreicht. Es bleibt also noch einiges zu tun. Und die Schwestern aus Ghana packen an. Mit Freunden, Bekannten und ihrem Volkshochschullehrer Paul Raasch, bei dem sie einmal pro Woche einen Deutschkurs besuchen, haben sie vor einem Jahr den Verein „Dear“ gegründet. Dear ist das englische Wort für „Liebe(r)“, steht aber hier als Abkürzung für „Dream everything about Reading“, zu deutsch: „Traum von allem rund ums Lesen.“

Johanna, die zuletzt als Küchenhilfe in der Kantine der Max-Planck-Institute gearbeitet hat, sich jetzt aber ganz auf einen Deutschkurs bei der Diakonie konzentriert, um später eine Ausbildung als Köchen schaffen zu können und Cecilia, die bereits als Köchin bei einem Telekommunikationsunternehmen arbeitet, haben einen Traum. Denn sie sind von der hiesigen Bibliotheksdichte begeistert und wollen ihren Teil dazu beitragen, dass es eines Tages auch in Ghana so viele lesende Kinder und Büchereien, wie in Deutschland gibt.

„Wir wollen das, was wir hier mitbekommen haben, auch weitergeben und helfen, mehr Kinder für Bücher zu interessieren. Denn wer schon als Kind liest, wird auch später als Erwachsener lesen und mehr wissen können, um anderen Menschen helfen zu können“, beschreibt Johanna Schubert ihre Motivation.

Mit Hilfe der Mitgliedsbeiträge, Spenden und den Erlösen eines Trödelmarktes haben die Schwestern in einem Jahr via Internet 4200 englischsprachige Bücher zusammengekauft und im September per Schiff nach Accra geschickt. Dort haben Cecilia und Johanna mit Unterstützung ihres heutigen Ehemannes Klaus Mölter und ihres Lebensgefährten Heinrich Leisch in ihrer alten Grundschule, der Adenta Community School, eine Schulbücherei eingerichtet.

„Vorher hatte unsere alte Schule nur 600 Bücher für ihre derzeit 910 Schüler. Jetzt hat sie eine frisch gestrichene Bibliothek mit neuen Regalen und 4200 Büchern. Die Kinder und Lehrer waren hellauf begeistert und haben uns auf der Straße angesprochen und gesagt: Vielen Dank für die Bücher. Gott segne euch“, erzählt Cecilias stolz vom ersten Büchertransfer nach Ghana, dem weitere folgen sollen. „Wir können etwas ändern, wenn wir etwas machen und dafür sorgen, dass mehr Kinder in Ghana lesen und dadurch eine bessere Zukunft haben werden“, beschreiben Johanna Schubert und Cecilia Mölter ihr Erfolgserlebnis, dem (siehe Kasten) weitere folgen sollen.

 
 

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