Buchsbaumzünsler lässt Mülheimer Gärtner verzweifeln

Julia Blättgen
Der Buchsbaumzünsler stammt ursprünglich aus Asien, wird zu einem schwarz-weißen Schmetterling und nagt Buchsbäume ratzekahl.
Der Buchsbaumzünsler stammt ursprünglich aus Asien, wird zu einem schwarz-weißen Schmetterling und nagt Buchsbäume ratzekahl.
Foto: Funke Foto Services
Eine ostasiastische Raupe sorgt derzeit für Kahlschlag in vielen Mülheimer Gärten. Sie nagt Buchsbäume in kürzester Zeit ab.

Mülheim. Gärtner Markus Holdack sagt es aus tiefster Überzeugung: „Buchsbaum möchte man im Moment nicht sein. Der krieg’s von allen Seiten.“ Da ist er Buchsbaumpilz, gegen den es kein Mittel gibt und der die Erde auf Jahre verseucht. Für den Fachmann ist er die „größere Gefahr“. Mülheims Hobbygärtner kämpfen derzeit jedoch mit einem anderen, offensichtlicheren Gegner: Eine Buchsbaum fressende Raupe sorgt für Kahlschlag in heimischen Gärten.

Die Raupe trägt ihr Lieblingsessen im Namen. Der Buchsbaumzünsler ist grün mit schwarzen Markierungen, mehrere (bis zu fünf) Zentimeter groß und in ihrem Dümptener Gartencenter „täglich, ja im Grunde stündlich“ Thema, sagt Iris Blotz. Auch Wolfgang Tebbe hat die Tiere in letzter Zeit oft gesehen. „Die Kunden bringen Zünsler in Gläsern mit, um zu fragen, was das ist“, sagt der Inhaber von Wolfgangs Staudengarten. Doch auch das Sortiment seiner Heißener Gärtnerei ist befallen. „Mülheim und Umgebung hat es in diesem Jahr voll erwischt“, sagt Tebbe.

Raupen lassen sich gut erkennen

Gärtner Markus Holdack erklärt gar das ganze Ruhrgebiet zum Zünsler-Revier und hat beim Großhändler erfahren, dass Mittel gegen die Raupe „kaum noch zu haben“ sind. Beim Blick nach Mülheim hat er in Styrum beste Bedingungen für Buchsbaumfresser ausgemacht. Als er zu einem Kunden kam, „war die ganze Straße entlang jeder Buchsbaum betroffen“. Doch nur die. „In einem Garten stand unter befallenen Buchsbäumen ein Ilex crenata – der schmeckt ihm wohl nicht.“ Der Zünsler frisst die Blätter und legt dabei ein ganz schönes Tempo vor, weiß Wolfgang Tebbe: „In einem Strauch können 15, 20 Raupen sitzen. Da kann die Pflanze über Nacht kahl sein.“

Die Raupe lasse sich gut erkennen, sagt Iris Blotz vom Gartencenter Dobirr-Blotz. Noch auffälliger sei der Kot in Form von „grünen Kügelchen an den Pflanzen. Später sieht man auch ein Gespinst. Wir raten, täglich die Pflanzen abzusuchen.“ Und wenn man was findet? Iris Blotz berichtet von Kunden, die dann mit einem Dampfstrahler an ihre Pflanzen gingen. Ob das etwas bringt, weiß sie nicht. „Ich empfehle zu spritzen. Aber mit einem systemischen Mittel, das in die Leitungsbahnen der Pflanzen geht.“ Wer keine Chemie im Garten haben will, dem bleibt laut Wolfgang Tebbe nur Handarbeit und die Raupen abzusammeln. Ist der Baum bereits kahl, rät Markus Holdack zur Geduld. Das sei zwar nicht schön, doch schädigten die Raupen weder Äste noch Wurzeln. Sein Tipp: „Ruhe bewahren, ein bisschen düngen – am besten organisch – und auf das nächste Jahr warten.“ Ob der Buchsbaumzünsler dann wieder so wütet, muss man abwarten, sagen die drei Fachleute. Hobbygärtner können also hoffen: auf einen kalten Winter und einen verregneten Frühling.