Brass-Bläser mit scharfen Balkan-Beats

Wer als Gast auf einer schlappen Party Langeweile empfindet, der sollte still und heimlich den „Asfalt Tango“ der rumänischen Roma-Band „Fanfare Ciocarlia“ auflegen. In nur wenigen Minuten dürfte diese unglaubliche Gipsy-Brass-Band mit ihrem wahnsinnigen Tempo und ihren rasanten Rhythmen alle Leute auf die Tanzfläche bringen.

Das zwölfköpfige Ensemble aus dem rumänischen Dorf Zece Prajini, das mit treibenden Paukenschlägen, einem mächtigen Bass-Groove und wilden Soli auf den Blasinstrumenten inzwischen weltweit gefeiert wird, war jetzt erstmals bei den Klanglandschaften im Theater an der Ruhr zu Gast.

Das begeisterte Publikum erlebte einen vor Energie berstenden Balkan-Funk einer virtuosen Band, die früher für fieberheiße Stimmung auf den dörflichen Hochzeiten ihrer Heimat sorgte und jetzt mit ihren orientalisch und jazzig klingenden Liedern zwischen Tradition und Moderne auch westliche Konzerthallen füllt.

Die 1996 von einem deutschen Toningenieur in einem abgelegenen Dorf in Moldawien entdeckte Band, deren Gründer und Bandleader Ioan Ivancea bereits 2006 verstarb, gab hier auf ihren Trompeten, Klarinetten und Bass-Tuben auf Anhieb Vollgas. So luden die Solisten und Sänger in der ersten Reihe des gut gelaunten Ensembles sofort zur großen Party ein.

Leider rannten dann einige offenbar nicht mehr ganz nüchterne Jugendliche selbstdarstellerisch wie aufgezogen immer wieder unmittelbar an den Musikern vorbei, die sich aber nicht beirren ließen. Immerhin bringt diese famose Band auch den Nachwuchs auf die Beine und ins Theater.

Angetrieben von den groovenden Bass-Tuben bewiesen die inzwischen auch schon gesetzten Herren, dass sie über ein riesiges Repertoire verfügen und auch rhythmisch und solistisch noch immer gut in Form sind. Die Sänger erzählten heitere und melancholisch stimmende Geschichten, darunter den auch schon von ihrer rumänischen Kollegin Sanda Weigl so wunderbar gesungenen Song „Lume, Lume“. Zwischen rumänischer Volksmusik glaubt man Zitate von Kurt Weill sowie aus Jazzmusik und Rock zu hören, die im konditionell verblüffenden Kraft-Akt dieses Bläser-Gewitters miteinander verschmelzen.

Dann verließen immer mehr der begeisterten Zuhörer ihre Plätze und suchten sich, auch ohne die Musiker zu stören, einen Platz zum Tanzen. Viel Beifall für ein großartiges Konzert im Rahmen der Klanglandschaften-Reihe.

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