Bob Geldof rockt das Schloß Broich in Mülheim

Volles Haus bei Bob Geldof am Samstagabend. Die Karten waren bereits kurz nach Vorverkaufsbeginn vergriffen.
Volles Haus bei Bob Geldof am Samstagabend. Die Karten waren bereits kurz nach Vorverkaufsbeginn vergriffen.
Foto: FUNKE Foto Services
  • Ruhrbühne lockt an drei Tagen knapp 3000 Besucher ans Schloß Broich
  • Höhepunkt ist Auftritt des Punk- und Polit-Rockers Bob Geldof am Samstag
  • Der 65-Jährige spielte seine größten Hits

Mülheim. „Nigel Farage – du bist ein Schwindler“, hat er dem umstrittenen Brexit-Befürworter der britischen Independence Party noch lauthals vom Themsenboot aus zugerufen. Auf dem Brentwood Festival in Essex neulich beschimpfte er das Publikum, weil es Primark-Klamotten trug. Und wie kommt die Ruhrstadt weg? „Ich hab’ gelesen, Mülheim ist das deutsche Zentrum des Drogenkonsums. Ich will, dass ihr am Ende dieser Nacht alle stockbesoffen nach Hause geht!“ Das verspricht doch eine rauschende Samstagnacht zu werden – mit Bob Geldof auf der Ruhrbühne im Schloß Broich.

40 Jahre „Bier- und Beischlaf-Lieder“ hat der irische Punk- und Polit-Rocker auf dem Menüplan, vorweg serviert Geldof schon mal eine wahrlich satte Variante seines „Great Song of Indifference“ gefolgt von schwerem Blues-Rock. Die nahrhafte Vorspeise ist auch nötig, denn der Sänger und Gitarrist hat seine Fans bis 21.30 Uhr warten lassen.

Die Stimme ist kratziger geworden

Akkordeon und Geige haben den Sound von Geldof inzwischen ergänzt, stimmlich ist er kratziger, blueslastiger geworden – was auch den Songs von damals gut tut. Denn die überwiegend Älteren im ausverkauften Schloss haben noch die ,guten alten’ Boomtown Rats vor Augen, und werden auch nicht enttäuscht: „Banana Republic“ hielt ein wütender Geldof den Iren in den 1980er Jahren unter die Nase, weil sie die Rats nicht auf der Insel auftreten lassen wollten. Heute münzt der Musiker und engagierte Brexit-Gegner den Song auf England um. In „Scream in Vain“ mixt er dagegen afrikanische, Dub- und Hip-Hop-Rhythmen mit Einträgen aus seinem Tagebuch, die er bei einem Afrika-Besuch schrieb.

Die politischen Aktionen waren „Band Aid“-Gründer Geldof eben immer genauso wichtig wie die Musik. Er setzte sich für Afrika und gegen Hunger und Armut ein. „Armut ist nicht romantisch oder glorreich“, sagte er mal in einem Interview. Für sein Engagement erhielt er etliche Auszeichnungen und angeblich sogar die Anwartschaft auf den Friedensnobelpreis. Musikalisch hingegen hat er in den vergangenen 30 Jahren gerade einmal fünf Alben auf den Markt gebracht. „Ich erinnere mich noch gut an ,I don’t like Mondays’ und das ,Band Aid’-Projekt aus den 80ern. Aber das ist wirklich das erste Konzert, das ich von Geldof je gesehen habe“, meint Manfred Happe. Und wie ist der Zwischenstand? „Völlig geil, auch der Sound ist klasse“, gibt der Mülheimer einen Daumen nach oben.

Und dass „so einer in Mülheim spielt“ findet eine Essenerin am Bierstand geradezu beachtlich. „Die Schloss-Atmosphäre ist toll. Ich finde vor allem gut, dass das Konzert zwar ausverkauft ist, aber trotzdem noch Raum da ist, um es entspannt zu genießen“, geht das Lob an die Veranstalter der MST.

Gut zwei Stunden zieht Geldof das Publikum in seinen Bann - „are you pissed yet?“ - seid ihr schon abgefüllt?, raunt Bob mit kratziger Stimme bevor er, fast zum Abschied, seinen Hit „I don’t like Mondays“ zieht. Endlich, kommentiert eine Frau, „darauf habe ich den ganzen Abend gewartet“.

MST: Knapp 3000 Besucher bei allen drei Veranstaltungen

Für die dreitägige Veranstaltung „Ruhrbühne“ zieht das Mülheimer Stadtmarketing (MST) positive Bilanz: Insgesamt feierten knapp 3000 Besucher am Wochenende am Schloß Broich.

Rund 700 Gäste feierten bereits mit den Heimathelden am Freitag. Zu Bob Geldof am Samstag kamen laut MST 1850.

Auf das Musical „Ritter Rost“, nach den Büchern von Jörg Hilbert, durften sich die Kleinsten am Sonntag freuen. 300 Besucher lauschten den Abenteuern von Burgfräulein Bö, dem Feuerdrachen Koks und dem ängstlichen Burggespenst.

 
 

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