Blick aus der Gondel auf vertraute Orte

Ist am Freitag erstmals mit Passagieren abgehoben: der neue Blimp, der auf den Namen „Theo“ hört.
Ist am Freitag erstmals mit Passagieren abgehoben: der neue Blimp, der auf den Namen „Theo“ hört.
Foto: Essen
Eine Fahrt mit dem Luftschiff lässt Heimatgefühle aufkommen: Blimp „Theo“ zieht seine Kreise über der Stadt. Nach der Zerstörung durch den Sturm „Ela“ können jetzt wieder Passagiere einsteigen.

Mülheim. Blau ist der Himmel über der Ruhr, aber dafür haben die Passagiere, die gleich mit dem Luftschiff abheben werden, erst mal noch keinen Blick: „Zwei steigen aus, zwei ein“, kommandiert Crewchef Klaus Höllmann, während seine Bodencrew – fünf Mann auf jeder Seite – den Blimp an zwei langen Seilen hält, und der Rest der Truppe die Gondel.

Abwechselnd einsteigen über die Leiter müssen die maximal sieben Passagiere, damit das Luftschiff sein Gewicht halten kann. Höllmann hat das mit dem Auftrieb vorher kurz erklärt, Luftschifftechnik für Anfänger quasi, aber jetzt sind erst mal alle froh, dass sie drin sitzen in der Gondel, die innen nicht größer ist als ein Van. Nur viel, viel lauter. Denn die beiden Propeller der Motoren sind gleich neben den hinteren Fenstern, und wer was sagen will, der muss das ziemlich laut tun.

Pilot Frank Luderer zeigt mit dem Daumen nach oben, die Bodencrew lässt fallen, und „Theo“, wie der neue Blimp der WDL-Luftschiffgesellschaft mbH getauft wurde, rollt auf seinem Rad über die Wiese, um sich dann, Nase nach oben, ganz sanft, ganz sachte zu erheben. Seekrank wird man im Luftschiff nicht.

Seit Freitag fährt das Luftschiff wieder im Passagierbetrieb, seit der Zwangspause im Juni 2014, an der „Ela“ schuld war: Das Schiff war damals noch nicht im Hangar, und der Pfingststurm zerfetzte die Hülle, beschädigte Ruder und Gondel, Triebwerke und Propeller. Mit 15 Mann haben sie den Blimp neun Monate lang neu aufgebaut, berichtet Gabriel van der Bol, seit fast vier Jahrzehnten technischer WDL-Direktor. „Theo“ ist sein siebter Blimp. Anders, als etwa der alte „Fliegende Musketier“, an den sich viele Mülheimer und Essener Bürger noch erinnern können, wird „Theos“ Werbebanner (das man übrigens leicht auswechseln kann, weil es auf die Hülle gespannt ist), demnächst von innen her beleuchtet werden.

Die Passagiere, die in der kleinen Gondel sitzen, sehen von dem 60 m langen und fast 20 m hohen Luftschiff fast nichts: Sie sehen unter sich den Flughafen verschwinden, rechts schwingt sich die Ruhrtalbrücke über den Fluss. Pilot Frank Luderer nimmt Kurs auf den Baldeneysee. Wie wunderschön bunt die herbstlichen Wälder sind! Und da hinten sieht man schon die Hochhäuser der Essener Innenstadt. „Wir sind knapp unterhalb der Schallgrenze“, ruft Pilot Luderer gut gelaunt nach hinten auf die Frage, wie schnell „Theo“ denn gerade so ist.

Mit Topspeed von 65 km/h dümpelt das Luftschiff in einer Höhe von 300 Metern über der Stadt. Langsam genug, um vertraute Orte von oben zu betrachten: A 40, Kirchtürme, Ruhrhöhen, Grugapark, Rhein-Ruhr-Zentrum. Man guckt bis Düsseldorf, so klar ist es heute – und da leuchtet auch schon der Wasserturm der Heimaterde gleich hinter Haarzopf. Pilot Luderer hat „Theos“ Nase gesenkt, als er die Lilienthal­straße überquert. Die Bodencrew läuft los und fängt das Luftschiff wieder ein. Das Aufsetzen hat kaum einer gemerkt, und die Erde hat uns wieder. „Glück ab“, sozusagen.

Komplett neue Zulassung für Blimp „Theo“ 

Ein Luftschiff ist kein Allerweltsgefährt. Das gilt für den Bau und für die Zulassung. So dienten Konstruktionspläne des alten Blimps als Vorlage für die neue Hülle. Die ist nicht mehr aus dem silbergrauen Trevira, wie bei dem zerstörten Luftschiff, sondern aus einem reinweißen, inzwischen beschichteten, Polyurethan-Kunststoff und daher durchscheinend. So kann „Theo“ von innen mittels eines LED-Systems beleuchtet werden.

Ein Spezialist aus Augsburg lieferte im Mai die neue Hülle. Vier Tage hat es gedauert, die 6700 Kubikmeter mit Helium zu füllen, einem unbrennbaren Edelgas. Die Leitwerke, die „Flügel“ an „Theos“ Heck wurden natürlich zuvor montiert. Denn einmal „aufgeblasen“, ist der Riesenballon, also das Prallluftschiff, fast 20 m hoch.

„Theo“ hat eine komplett neue Zulassung erhalten, an der die EASA (Europäische Agentur für Flugsicherheit), das Luftfahrtbundesamt und der Regierungsbezirk Düsseldorf beteiligt waren, wie der technische WDL-Direktor, Gabriel van der Bol, erklärt.

Blimp geht noch bis Ende Oktober in die Luft

Noch bis Ende Oktober soll „Theo“ am Flughafen Essen/Mülheim täglich mit Passagieren in die Luft gehen – wenn das Wetter mitspielt. Dann endet die Saison und „Theo“ überwintert bis zum nächsten April in seinem Hangar – natürlich „aufgeblasen“.

Eine rund einstündiger Rundreise über das Ruhrgebiet kostet für Erwachsene 295 € und für Kinder (4 bis 14 Jahre) 195 € pro Person. Maximal sieben Personen passen in die Gondel – plus Pilot. Die Flüge sind buchbar bei der WDL Luftschiffgesellschaft mbH unter der Nummer 0208/37 808 17 oder im Internet unter www.wdl-worldwide.de wo sich auch weitere Informationen finden.

 
 

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