Bernadette La Hengst feiert mit „Bedingungslosem Grundeinsingen“ Premiere

Cäcilia Tiemann
Bedingungsloses Grundeinsingen mit Bernadette La Hengst im Ringlokschuppen.
Bedingungsloses Grundeinsingen mit Bernadette La Hengst im Ringlokschuppen.
Foto: Björn Stork

Mülheim. Den Begrüßungssekt hätte das Publikum kaum benötigt, so rasant wird es von der bedingungslosen Chorleiterin und Theatermacherin Bernadette La Hengst zum Mitsingen des ersten Kanons „Wir singen zur Senkung der Arbeitsmoral“ animiert. Ein Jubiläum wird in der Performance „Bedingungsloses Grundeinsingen“ am Samstagabend im Ringlokschuppen gefeiert. Fünf Jahre sei es her, dass jedem Mitglied des aus zehn Mülheimer und Bochumer Männern und Frauen bestehende Chor im Rahmen eines fiktiven Pilotprojektes 1000 Euro monatlich gezahlt wurden – einzige Bedingung sei das gemeinsame Singen.

So definieren sich die Mitglieder der Gruppe mit diesem Grundeinkommen neu – berichten dem Publikum über neue Freiheiten, aber auch Fehlentscheidungen: Der IT-Spezialist arbeitet nur noch für Menschen, die sich seine Dienste sonst nicht hätten leisten können, eine Sängerin ist überfordert von der Möglichkeit zur Selbstverwirklichung, Bernadette La Hengst übernimmt nur noch zwei statt vier Aufträge, ist seither seltener krank und hat „mehr Zeit für Sex“. Der Organist spielt nur noch, wenn er Lust hat, die Immigrantin arbeitet so viel wie nie zuvor, der ehemals unterbezahlte Statist kann sich nun sogar eine Eintrittskarte für das Theater leisten.

Utopie und Realität verschwimmen

Utopie und Realität verschwimmen in der musikalischen Performance die, entsprechend ihrer Ankündigung, mit „Gospel & Tanz; Sketchen & Besinnlichem und Heiterkeit & Innehalten“ prall gefüllt ist. Zwei Moderatorinnen und ein Moderator, Betty, Claudi und Gode, führen durch den Abend, verwandeln sich in die konkurrierenden und kopulierenden Herr Dr. Arbeit, Frau von Zeit und Manfred Penny („Ihr könnt auch Manni zu mir sagen. Manni makes the world go round!“) – keiner kann und will ohne den anderen.

Die Festgemeinde wartet auf die namibische Projekt-Schirmherrin, die sich verspätet. Die Performance bezieht sich, bei aller Fiktion, auf ein reales Projekt zu bedingungslosem Grundeinkommen. In dem namibischen Dorf Otjivero soll das ab 2008 für zwei Jahre realisierte Projekt positive Auswirkungen gehabt haben. Die Frauen der Gemeinde seien durch die monatliche Zahlung von 100 Namibischen Dollar zu Wohlstand gelangt, konnten sich emanzipieren, die Sozialstruktur habe sich verändert. Der vergnüglichen Show ging am Freitag ein „Diskotierabend“ voraus: Auch bei uns sei ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziell machbar. Schließlich leben sechs von zehn Menschen in Deutschland nicht von ihrem Gehalt, die Transferleitungen seien enorm. Manni Penny sagt: „Ich bin da, was soll ich tun?“