Beispielhafter Einsatz

Die Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ist stolz auf ihre Heimatstadt, denn in Mülheim funktioniert das ehrenamtliche Engagement für Flüchtlinge beispielgebend, was auch schon in anderen Städten kopiert worden sei. Vorbildlich ist für die Ministerpräsidentin unter anderem das Warenhaus für Flüchtlinge von Willkommen in Mülheim. Sie ist froh, dass sich hier erstaunlich viele Menschen engagieren. Auf Einladung des Kolpingwerkes diskutierte Kraft zwei Stunden lang an der Seite von Sozialdezernent Ulrich Ernst, Superintendent Helmut Hitzbleck und Stadtdechant Michael Jansen mit 300 interessierten Gästen. Einer ihrer Kernsätze fällt gegen Ende der Veranstaltung: „Kein Mensch verlässt sein Land einfach so, ohne dass er dafür gewichtige Gründe hat. Es sind Menschen, die uns brauchen.“ Die positive Stimmung in der Bevölkerung begrüßt auch Ernst. Er sei aber nicht blauäugig. Er wisse, dass es Vorbehalte und Ängste gebe, die man ernst nehmen müsse und nur durch die positive Beispiele aus der Lebenspraxis beseitigen könne. Wichtig für ihn ist: „Die Mehrheit der Mülheimer reagiert positiv auf das Flüchtlingsthema, deshalb ist es auch nicht schlimm, wenn es an den Rändern auch mal zu Irritationen kommt.“

Der Schlüssel für die Integration der Menschen ist für Kraft ganz klar die Sprache. Deshalb seien auch Begegnungen wichtig. Etwa beim Sport, denn die Fußballregeln sind in Deutschland dieselben wie in Syrien oder im Irak. Aber auch für Erwachsene gibt es an der VHS Kurse, die auch angenommen und durchgestanden werden. Kraft erzählt auch von persönlichen Begegnungen, die sie gemeinsam mit Oberbürgermeisterin Dagmar Mühlenfeld bei Flüchtlingsfamilien in der Gustavstraße hatte, die sie sehr bewegt hätten.

„Andere sind nur anders, wenn man sie nicht kennt“, sagt Kraft und erinnert daran, dass in NRW jedes vierte Kind einen Migrationshintergrund („Ich hasse dieses Wort“) hat. Integration sei eine Stärke der Region, das ist auf dem Podium ein mehrfach wiederholter Satz. Aber es ist auch ein zweiseitiger Prozess, „wir müssen sie auch sich integrieren lassen.“ Nicht nur über Flüchtlinge sprechen, sondern auch mit ihnen, wie es einer der Zuschauer meint. Zuhören und beobachten, um den anderen zu verstehen ist da ratsam. Das tut Kraft auch selbst. Sie gibt nicht vor, die Patentrezepte zu besitzen, sondern lauscht aufmerksam den Erzählungen der Ehrenamtler und sagt spontan, als eine Lehrerin von einem Projekt berichtet: „Das möchte ich mir ansehen.“

Es gibt auch wirtschaftliche Interessen. „Viele, die kommen, sind gut ausgebildet. Die können wir auch gut gebrauchen“, sagt sie im Hinblick auf den demographischen Wandel und den sich abzeichnenden Fachkräftemangel. Die Anerkennung von Abschlüssen spielt eine wichtige Rolle. Die Langeweile unter den Flüchtlingen ist groß, einer Beschäftigungsmöglichkeit sind aber enge Grenzen gesetzt. Gemeinsam mit Beschäftigungsträgern versucht Ernst hier, in kleinen Schritten einer Lösung näher zu kommen.

Superintendent Hitzbleck erinnerte daran, dass viele Menschen auf der Welt gar nicht über die Mittel verfügen, um eine Flucht zu organisieren und elendig zugrund gehen, auf dem Weg sterben oder keinen Ausweg aus Not und Unterdrückung finden. Eine Das-Boot-ist-voll-Mentalität sei aus christlicher Sicht inakzeptabel.

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