Beirat unzufrieden mit Ruhrbania-Investor

Der Gestaltungsbeirat der Stadt Mülheim bei einer Ortsbegehung auf dem Ruhrbania Gelände.
Der Gestaltungsbeirat der Stadt Mülheim bei einer Ortsbegehung auf dem Ruhrbania Gelände.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim.. Äußerst schwer tat sich gestern die Stadt mit einer Stellungnahme zur Qualität des ersten Ruhrbania-Baus, den Investor Kondor Wessels zwischen Hafenbecken und Rathaus hochgezogen hat und in absehbarer Zeit komplett freigeben dürfte. Erst hatte Baudezernent Peter Vermeulen dem Gestaltungsbeirat Stillschweigen auferlegt, später dann ließ er selbst eine schriftliche Stellungnahme versenden.

Geheimbund Gestaltungsbeirat? Tatsächlich traf das mit externen Fachleuten und Vertretern der Ratsfraktionen besetzte Gremium am Montagnachmittag unter Ausschluss der Öffentlichkeit zusammen, um zu befinden, ob sich Kondor Wessels auf Baufeld 1 an alle einstigen Absprachen zur Gestaltung gehalten hat. Auch bei der Baustellen-Begehung wollte die Stadt die Presse ausdrücklich nicht dabei haben. Einen Spaziergang der Medienschaffenden auf öffentlichem Grund freilich ließ sich nicht verhindern. So traf Ruhrbania-Architekt Matthias Pfeifer bei einem „Zusammentreffen“ die vielsagende Aussage, er sei „nicht fröhlich“, was die Bauausführung aus seinen Entwürfen gemacht habe.

Keine Stellungnahme des Gremiums

Und der Gestaltungsbeirat? Deren Vorsitzende, die Düsseldorfer Architektin Prof. Ursula Ringleben, hatte ursprünglich für Montagabend eine im Gremium abgestimmte Stellungnahme angekündigt, rührte sich aber nicht mehr. Der WAZ sagte sie dann gestern Mittag, das Gremium habe sich in der Sache Stillschweigen auferlegt. Verordnet haben soll dies nach WAZ-Information Vermeulen, was dessen Referent Klaus Beisiegel wiederum entschieden zurückwies – um dann doch eine schriftliche Stellungnahme zu verschicken.

Darin hieß es, der Gestaltungsbeirat habe „gestalterische Schwächen“ an der zum Hafenbecken gewandten Fassade ausgemacht. „Dazu gehört die vereinfachte Farbgebung sowie die Ausführung der Fallrohre, Brüstungsgitter und Fenster.“ Dies sei indes im Vergleich zur Gesamtbaumaßnahme als „eher untergeordnet“ anzusehen. Die Stadt sieht keine Möglichkeit, Kondor Wessels zu Nachbesserungen zu zwingen. Kritisierte Elemente seien weder Bestandteil des städtebaulichen Vertrages noch der Baugenehmigung.

Während der Beiratssitzung soll sich die Projektleitung von Kondor Wessels die laut einem Teilnehmer „relativ scharfe Kritik am Detail“ gleichwohl notiert haben. So mancher im Gremium hofft, dass sich noch was tut. SPD-Fraktionschef Dieter Wiechering gar mag „nicht auf Samtpfoten daherkommen“. Er forderte Dezernent Vermeulen auf, bei Kondor Wessels mit Nachdruck auf Veränderungen zu drängen. Es sei nicht hinzunehmen, „sich dieses exponierte Projekt vermiesen zu lassen“. Kondor Wessels, dessen Vertreter nach der Kritik im Beirat „wie begossene Pudel dagesessen“ haben sollen, ließ einen schriftlichen Fragenkatalog der WAZ unbeantwortet.

 
 

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