Bärendienst

Herrensitzung

In Ihrem Artikel vom 12. Januar mit dem Titel „Wenn Man(n) in Stimmung kommt“, der sich im ­Internet unter der Rubrik „Brauchtum“ finden lässt, erweisen weniger Sie, lieber Herr Emons, mit Ihrem pfiffigen Artikel als vielmehr die dazugehörige Titel-Bild-Kombination den männlichen Karnevalisten einen Bärendienst: Die Mülheimer Karnevalisten können demnach nur ihrem Frohsinn nachgehen, wenn „Candy“ zwischen Apfelschorle und „alkoholfreiem“ Bier auf dem Biertisch kniend mit den „Sehnsüchten“ der Roten Funken spielt. Da ist offensichtlich das AIDA Prinzip à la BILD-Zeitung kopiert worden – in welcher Zeitung sonst, kann man täglich mit nackter Haut rechnen. Dass ein Faschingsmuffel wie ich am Informationswert des Artikels persönliche Zweifel hegt, ist eh klar. Dass die Mülheimer Lokalredaktion im Zeitalter von Gender-Mainstreaming aber unkritisch mit dieser Titel-Bild-Kombination den männlichen Karnevalisten als triebgesteuerten Biertrinker skizziert und das Funkemariechen zum Sexobjekt degradiert, schockiert mich doch ein wenig.

Vielen Dank, lieber Herr Emons, dass Ihr Text ohne Geschlechterklischees auskommt und damit meinen Schock über dieses Foto relativiert hat. Ich persönlich wäre den Lokalredaktionen dennoch dankbar, wenn zukünftig keine halbnackte Süßigkeit meinen feministischen Puls schon am Frühstückstisch höher schlagen lässt.

Liebe Leserinnen und Leser,

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