Awo-Schuldnerberatung - Mülheimer Energieschulden nehmen zu

Hohe Energiekosten bringen viele in die Schuldenfalle.
Hohe Energiekosten bringen viele in die Schuldenfalle.
Foto: Stephan Eickershoff
Menschen mit kleinen Einkommen fällt es in Mülheim oft schwer, die Steigerung der Energiekosten zu stemmen. In die Awo-Schuldnerberatung kommt derzeit jeder dritte mit Schulden beim Energieversorger. Im vergangen Jahr war es jeder fünfte. Viele Hilfsbedürftige kommen jedoch zu spät zur Beratung.

Mülheim.. Das Einkommen ist klein, der Dispokredit schon ausgereizt, Rücklagen sind keine da: Wenn dann noch die Jahresabrechnung des Energieversorgers im Briefkasten liegt, sind immer mehr Mülheimer Haushalte finanziell am Ende.

Hohe Energiekosten, das beobachten die vier Schuldnerberater der Awo seit Jahren, bringen viele in die Schuldenfalle. Wer dann nicht rechtzeitig gegensteuert, steht bald ohne Strom oder Gas da: Jeder fünfte Ratsuchende hatte im Jahr 2013 Schulden bei einem Energieversorger, in 125 Haushalten war der Strom schon abgeklemmt worden. Im laufenden Jahr 2014 kommt schon jeder dritte Ratsuchende mit Energieschulden, 59 Haushalte haben aktuell keinen Strom mehr zu Hause. „Die gestiegenen Energiekosten“, so Awo-Geschäftsführer Lothar Fink, „treffen jene hart, die ohnehin mit jedem Euro knapsen müssen.“

Viele Schuldner kommen zu spät

Der Schritt zur Schuldnerberatung fällt vielen schwer. Daher gibt es in der Woche zwei offene Sprechstundentermine, bei denen jeder erst einmal beraten und niemand weggeschickt wird, der sich endlich ein Herz gefasst hat. Carsten Welp, der die Awo-Schuldnerberatung leitet, würde sich wünschen, dass die Menschen frühzeitig Hilfe suchen: „Leider kommen viele erst zu uns, wenn der Strom schon abgedreht worden ist. Das wird dann schwierig, weil die Versorger erst wieder anschließen, wenn der Rückstand ausgeglichen ist.“

Das kann funktionieren – etwa mit Ratenzahlungsvereinbarungen oder familiärer Hilfe – doch Welp kennt auch Haushalte, die sich ohne Strom arrangieren müssen: Mit Kerzen, Duschen im Schwimmbad, warmen Decken oder einem Holzofen im Winter. „Miete, Strom und Gas – diese Lebenshaltungskosten müssen sichergestellt sein, alles andere macht keinen Sinn“, betont der erfahrene Berater. 55% der Ratsuchenden waren im vergangenen Jahr Empfänger von Sozialleistungen. Der Hauptgrund für eine Verschuldung ist die Arbeitslosigkeit, so Carsten Welp, doch auch eine Trennung oder Scheidung können die Menschen in eine finanzielle Schieflage bringen, vor allem, wenn noch Kredite zu bedienen sind. Das Umschulden eines Dispokredites kann eine einmalige Lösung sein, doch Carsten Welp kennt auch Fälle, bei denen sich auf diese Weise Schuldensummen von bis zu 80.000 Euro auftürmten.

 
 

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