Automobilclub Mülheim beschließt Aus des Winterballs

Foto: WAZ

Mülheim.. Kein Walzer, kein Tango, kein langes Abendkleid, kein Smoking – der Winterball ist abgesagt. Über 50 Jahre galt der Ball als d a s gesellschaftliche Ereignis in der Stadt.

In früheren Jahren kamen über 1000 Gäste in die Stadthalle, stets am zweiten Samstag im Januar. Jetzt hat sich der Vorstand des veranstaltenden Automobilclubs Mülheim im ADAC entschlossen: Wir machen es in diesem Jahr nicht mehr. Das Interesse hat einen Tiefpunkt erreicht, so dass für die Veranstalter ein unkalkulierbares finanzielles Risiko entstanden ist.

„Der Schritt ist uns nicht leicht gefallen“, sagt Geschäftsführer Dominik Steffan. Und der Präsident des Clubs, Bernd Fronhoffs, fügt hinzu: Die Absage müsse nicht bedeuten, dass damit das Ball-Geschehen in Mülheim für alle Zeit Geschichte ist. „Wir werden versuchen, mit Dritten etwas Neues auf die Beine zu stellen.“

Stetig fallende Besucherzahlen

Über die Zukunft des Balls hatten sich die Verantwortlichen schon länger Gedanken gemacht, denn eine gewisse Krise zeichnete sich bereits in den letzten Jahren ab. Die Besucherzahlen gingen stetig zurück. Von rauschender Ballnacht konnte zuletzt keine Rede mehr sein. Waren früher gerade wirtschaftlich gute Zeiten auch gute Ball-Zeiten, so zog auch dies nicht mehr. Gerade mal 350 Gäste kamen zum letzten Ball-Zauber. Die Vorverkaufszahlen für diesen Januar hätten noch Schlimmeres befürchten lassen. Dabei, so Fronhoffs, habe es immer wieder Appelle gegeben: Haltet den Ball!

Doch das Bild täuscht: „Laut Definition ist ein Ball eine gehobene, festliche gesellschaftliche Tanzveranstaltung, für ein meist ausgewähltes Publikum. In vielen Gesprächen haben wir festgestellt, dass eine solche Veranstaltung nicht mehr zeitgemäß ist“, so Steffan. Ist das Ball-Zeitalter vorbei?

„In der Form ja“, glaubt Fronhoffs und verweist auch auf die Nachbarstadt Essen, wo der Landesmedienball ebenfalls zu kämpfen hat und in neuer Form quasi halbiert wurde, und wo der klassische Ball in der Philharmonie ebenfalls abgesagt wurde. Keiner weiß, ob er jemals wieder stattfinden kann. Doch hielten ihn Sponsoren am Leben. „Wir können nur anbieten, wenn keiner mehr will, war es das“, sagt Fronhoffs enttäuscht.

Die Konkurrenz wird immer größer

Möglich, dass vielen auch der Zeitpunkt zu Beginn des Jahres nach all den Feiertagen nicht passte, dass der Winter als zu kalt für einen Ball empfunden wird. Fakt ist, dass die Konkurrenz an Veranstaltungen immer größer und dass der Kostendruck für Veranstalter von Bällen sehr groß geworden ist. Gema und Vergnügungssteuer sind schon beachtlich, sagt man auch bei der Mülheimer Stadtmarketing und Tourismus GmbH, die die Stadthalle vermietet. Auch die MST musste vor ein paar Jahren umdenken und für den Silvester-Ball ein neues Format zu erträglichen Preisen auf den Markt bringen. Auffallend ist: „Viele auswärtige Gäste kommen, die Mülheimer sind eher zurückhaltend“, sagt Heike Blaeser-Metzger von der MST.

Dabei hatte der Automobilclub zuletzt erfreut registriert, dass sich jüngere Leute unter die Ballgäste mischten. Doch damit ließ sich der Schwund insgesamt nicht stoppen. Gerade jene gesellschaftliche Schicht, die das Leben in der Stadt prägt und lenkt, blieb aus. Weder war die Wirtschaft noch die Politik stark vertreten.

"Es allen Recht zu machen ist kaum möglich"

Mancher Ballgast hatte in seine Kritik zuletzt auch eine fehlende Festlichkeit und ein Trend zum Party-Charakter beklagt. „Es allen Recht zu machen“, sagt Fronhoffs, „ist kaum möglich.“ Und mehr Festlichkeit hätte stets auch mehr Geld bedeutet. Ob das die Ballschar vergrößert hätte, wird bezweifelt.

 
 

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