Aus der Saat eine reiche Ernte machen

Etappe für Etappe geht es voran mit dem Radschnellweg Ruhr, der einmal die 101 Kilometer überbrücken soll, die zwischen Hamm im Osten und Duisburg im Westen des Ruhrgebiets liegen. 184 Millionen Euro soll die einzigartige Radstrecke kosten. Leider geht es dann doch nie so schnell voran, wie es sich diejenigen wünschen, die sich lieber heute noch als morgen aufs Rad schwingen würden, um ampel- und kreuzungsfrei von einer zur anderen Revierstadt zu radeln. Das Großprojekt braucht Zeit. Viel mehr Zeit, als die Verantwortungsträger in Mülheim einst haben glauben wollen. Der Radschnellweg zwischen Hauptbahnhof und Hochschule in Broich, so versprach zur Präsentation der HRW-Architektur einst Ex-Planungsdezernentin Helga Sander, werde zur Campus-Eröffnung im Jahr 2015 gebaut sein. Selbst die verkraftbaren Verzögerungen beim Bau der Hochschule haben Sanders Wunschtraum nicht in Erfüllung gehen lassen. Nun heißt es: 2018 könnte der Radweg zur Hochschule freigegeben sein. Zu hoffen wäre es. Doch das große Fragezeichen hinter diesem Zeitziel spannt sich über die Ruhr. Die marode Eisenbahnbrücke ist mit Millionenaufwand aufwändig zu sanieren. Das will erst einmal geschafft sein. Also gilt es, die Vorfreude möglichst noch zu zügeln.

Der neue Campus dagegen hat sich prächtig eingeführt in die Stadt. Das riesige Interesse der Bürger an dem neuen Wissenschaftsstandort hat sich beim Campusfest gezeigt. Jetzt muss das Umfeld antizipieren: Da ist was Neues, auch ich muss mich entwickeln. Da wird manches sich wie ein Naturphänomen wandeln und ausbreiten. Alles Wünschenswerte wird aber nicht vom Himmel fallen. Stadtentwicklungspolitik und Wirtschaftsförderung stehen weiterhin vor der großen Herausforderung, aus der Hochschulansiedlung Honig zu saugen, aus der Saat eine reiche Ernte zu machen. Gestern Abend diskutierte der Jugendstadtrat über die Misere, die auch die Studenten beklagen: In Mülheim ausgehen? Wohin denn? Wie die Entwicklung einer studentischen Szene befördert werden kann, ist dabei bedauerlicher Weise immer noch ein stiefmütterlich behandeltes Stadtentwicklungsthema.