Auf zwei Rädern durch Deutschland

Die Dümptenerin Susanne Storck machte auf ihrer siebenwöchigen Süddeutschland-Tour 2007 unter anderem in Kassel halt.
Die Dümptenerin Susanne Storck machte auf ihrer siebenwöchigen Süddeutschland-Tour 2007 unter anderem in Kassel halt.
Foto: NRZ

Mülheim.. Drei Monate Urlaub – das klingt nach mehr als genug Zeit für Entspannung. Für Susanne Storck jedoch war es Zeit für ein Abenteuer. Den südlichen Teil Deutschlands wollte sie kennen lernen und dabei ganz nah dran sein an Land und Leuten. Also radelte sie nur mit 400 Euro in der Tasche auf vielen Umwegen von Mülheim zum Bodensee und zurück. 2716 Kilometer legte sie in siebeneinhalb Wochen auf dem Rad zurück, jobbte hier und dort für Kost und Logis. Eine „einmalige, individuelle Erfahrung“ nennt sie das Erlebte, das sie nun in einem Buch zusammenfasste.

Man mag es naiv nennen oder mutig, aber intensiv trainiert hat Susanne Storck für ihre Extrem-Radtour nicht. Im Gegenteil: Ihre einzige Vorbereitung bestand darin, sich ein robustes Rad zu kaufen. „Vorher“, gibt sie zu, „bin ich nie so geradelt.“ Klar, der Kurztrip zur Ruhr, die eintägige Tour durch die Region waren für sie kein Problem. Aber sieben Wochen und drei Tage dauernd auf zwei Rädern unterwegs zu sein, ist etwas anderes.

Der Bodensee war das erklärte Ziel

Wie anders, das zeigten bereits die ersten paar Meter, die sie zum Abschiedskaffeeklatsch bei der Nachbarin zurücklegte. Denn nun hatte sie 16 Kilo Gepäck dabei, das am Rad zog, das es in der Balance zu halten galt. „Ich dachte, du kommst noch nicht mal zum Bahnhof, geschweige denn zum Bodensee“, gibt die Dümptenerin zu.

Spezial Doch der Bodensee sollte es sein. Er war das erklärte Ziel, ganz im Süden der Republik, den sie hautnah erleben wollte. Deshalb schied auch das Auto als Fortbewegungsmittel aus, da säße man „in seiner Kiste“ und sei abgeschottet. Laufen war schlichtweg zu langsam. Es war also nicht die sportliche Herausforderung, die Susanne Storck reizte, sondern das Erleben. Deshalb steckte sie nur 400 Euro ein, ließ die Geldkarte zu Hause. „Ich wollte darauf angewiesen sein, Leute anzusprechen.“ Und sie wollte in Erfahrung bringen: Geht das überhaupt, ohne Geld durch Deutschland? Sind die Deutschen so gastfreundlich?

Oft spontane Gastfreundschaft erlebt

Sie sind es. „Ich habe oft spontane Gastfreundschaft erlebt“, sagt Susanne Storck, die als Redakteurin bei der WAZ-Mediengruppe arbeitet. Sie berichtet von Menschen, die ihr Stullen schmierten, die sie bei sich zu Hause aufnahmen. „Die Leuten waren oft fasziniert, wenn ich vor ihren Türen stand und sagte ,ich reise mit wenig Geld und viel Gepäck’.“ Auch bei der Jobsuche hat sie „nie Ablehnung erfahren“. So half sie bei der Zucchini- und der Kirschenernte und mistete bei einem Ziegenzüchter Ställe aus. In Kehl feilschte sie mit einem Hotelier. „Am Ende habe ich ein verbilligtes Zimmer und Frühstück bekommen und dafür die Hotelwäsche gebügelt.“

Nur einmal wurden ihr Türen vor der Nase zugeschlagen – und das ausgerechnet in der Domstadt Speyer, wo sie eigentlich geplant hatte, in einer kirchlichen Einrichtung zu übernachten und dafür ehrenamtlich auszuhelfen. Doch Dominikanerinnen, Karmelitinnen und Diakonissinnen wiesen sie ab. „Geschimpft wie ein Rohrspatz“ habe sie da. Die rüden Worte zeigten Wirkung: Zwei zufällig vorbeigehende Damen nahmen sich ihrer an, luden sie zum Essen ein und öffneten ihr ihr Haus.

Immer am Rhein entlang

Für den Hinweg ließ Susanne Storck sich Zeit. Immer am Rhein entlang fuhr sie zum Bodensee und dort angekommen, fühlte sie sich „wie ein Held, ich hätte die ganze Welt umarmen können“. Der Rückweg jedoch war beschwerlich. Die körperliche Arbeit auf Feldern und in Ställen, dazu die unzähligen Stunden auf dem Sattel, steckten ihr in den Knochen. Susanne Storck wollte nur noch nach Hause. „Es ging nur noch ums Kilometer Schrubben. Ich bin an zwei Tagen jede Menge Kilometer gefahren – und im Sauerland habe ich ganz schön geflucht.“

Seit ihrer Tour fährt Susanne Storck öfter Fahrrad, eine derartige Reise hat sie aber nicht nochmals geplant. „Ich bin nicht der Typ, der immer höher, schneller, weiter muss.“ Und überhaupt: „Diese Erfahrung kann man nicht wiederholen und nicht toppen.“

Ihre Erlebnisse fasste Susanne Storck in einem Buch zusammen. „Abgefahren“ ist 123 Seiten stark und im Sportwelt-Verlag erschienen. Einen Einblick gibt sie am kommenden Dienstag, 5. Juni, in der Buchhandlung am Löhberg 4. Eintritt: 12 €. Kartenreservierungen: 0208-740 493 80 oder info@buch-am-loehberg.de

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