Auf ganz großer Bühne

Am Anfang war eine Idee: Warum nicht auch eine Aufführung im Theater an der Ruhr? Im letzten Winter war die Kinderoper--Inszenierung der Singschule der Petrikirche, „Hänsel und Gretel“, ein großer Erfolg. 27 Kinder und Jugendliche zwischen acht und 16 Jahren wirken in der Oper von Engelbert Humperdinck mit, die von Gijs Burger, dem musikalischen Leiter der Schule, bearbeitet worden ist. Damals fand die Aufführung in der Kirche statt. Dass „Hänsel und Gretel“ nun an diesem Wochenende auch im Theater zu sehen ist, war die Idee von Mathias Kocks. Der Regisseur, im Hauptberuf Lehrer, fragte dort einfach an. Als er dann der Theaterleitung Video-Aufnahmen präsentierte, war die Kooperation perfekt. Profis lassen sich von Professionalität überzeugen „Wir freuen uns, dass viele Kinder und ihre Familien kommen werden. Manche lernen so vielleicht unser Haus zum ersten Mal kennen“, meint Theater-Pressesprecherin Jessica Otten.

Doch bevor sich am Wochenende der Vorhang öffnet, muss noch geprobt werden. Die Bühne ist viel größer, bietet aber auch vielmehr technische Hilfsmittel. „In der Kirche hatten wir eine geringere Auswahl bei der Beleuchtung. Hier gibt es viele unterschiedliche Scheinwerfer. Das bietet tolle Möglichkeiten. Auch haben wir keine Probleme mit Tageslicht, das schimmerte in der Kirche durch“, erklärt Regisseur Kocks. „Hänsel und Gretel“ spielt schließlich im Wald und da ist es dunkel. Das Licht schafft Atmosphäre. „Uns helfen auch die Bühnenarbeiter des Theaters. Sie lesen uns quasi unsere Wünsche von den Augen ab.“

Auf der Bühne wird währenddessen die Abendszene geprobt. Von der Decke hängen die Bäume des Waldes. Nebel zieht auf. Hänsel und Gretel singen das berühmte Lied vom Abendsegen. „Abends will ich schlafen gehen, 14 Engel um mich stehen.“ Und die Engel treten auch auf, jeder mit einer kleinen weißen Laterne in der Hand - aber natürlich erst zum richtigen Stichwort. „Ich kann die Engel schon vorher sehen“, ruft Gijs Burger. Er sitzt vorne rechts neben der Bühne am Klavier. Bei den Aufführungen wird hier ein richtiges kleines Orchester positioniert sein: Flöte, Klarinette und Harmonium. Nächste Anweisung: „Also, noch mal.“

Die Engel beginnen ihren Part von vorne. Burger: „Mehr Körperspannung. Das hört man.“ Die Kinder richten sich auf. „Ja, schon viel besser.“ Seit mittags probt das Ensemble schon, Schluss ist um halb acht. Am heutigen Freitag wieder der gleiche Ablauf. Ganz schön anstrengend. Doch Burger weiß: „Die Kinder schätzen, dass sie gefordert werden. Die wissen, dass das anders nicht geht.“ Mit allen Solisten hat er regelmäßig ihre Lieder einzeln geprobt. „Es ist faszinierend zu beobachten, wie schnell die Kinder sich verbessern.“

Maren Bothur sitzt in der Garderobe vor dem Schminkspiegel. „Hier ist alles viel größer. Aber ich finde es toll, dass wir hier sein können. Das ist ja auch eine Anerkennung“, sagt die Zwölfjährige, die die Gretel spielt. „Ein bisschen aufgeregt bin ich schon. Aber im Text fühle ich mich sicher. Ich freue mich, dass wir das Stück noch einmal zeigen werden.“

Die nächste Kinderoper ist in der Singschule schon fest eingeplant. Wahrscheinlich wird sie 2017 über die Bühne gehen. Dann vielleicht wieder am Theater an der Ruhr.

 
 

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