Auf den Spuren der Stadtplaner

Osterspaziergänge waren schon zu Zeiten von Goethes Faust Tradition. Die Tour, die wir in groben Zügen hier erläutern, gibt aber weniger Aufschluss über das Wesen des Menschen als über den Stand der Stadtentwicklung, das Erreichte und die Perspektiven. Im Blick stehen daher stärker die Etappen als der Weg dorthin. Bei dem vorhergesagten unbeständigen Osterwetter kann man froh sein, dass sich zahlreiche Einkehrmöglichkeiten entlang der Strecke befinden, die auch eine Entdeckung sein können. Startpunkt ist die Dröppelminna, deren Neugestaltung der Fahrplan der Stadtreparatur für das kommende Jahr vorsieht. Da lohnt es sich noch einmal, sich die ungeordnete Situation direkt vor dem Rathaus vor Augen zu führen. Weiter über den Rathausmarkt, mit dem die Reparatur in diesem Jahr beginnt, gehen wir hoch zur Bahntrasse der rheinischen Bahn, wo in den vergangenen Tagen in Höhe der Löhstraße vorbereitende Bauarbeiten zu sehen waren.

Auf diesem Stadtbalkon liegt uns die Ruhrpromenade zu Füßen. Der Weg Richtung Hauptbahnhof ist noch mit einem Zaun abgetrennt, der aber nicht für jeden ein Hindernis bedeuten sollte. Dann lässt sich gut ausmalen, wie es sein wird, hier künftig im Obergeschoss der Bahnstraße zu flanieren und den Blick auf die Stadt zu genießen. Auf der anderen Ruhrseite zwingt ebenfalls ein Zaun, den Weg durch die Müga zu gehen. Am Ringlokschuppen und der Camera Obscura vorbei, gelangen wir wieder auf den künftigen Rad- und Gehweg, passieren die Halle 5 der MVG, um deren Zukunft es derzeit noch ein Fingerhakeln zwischen Politik und Verkehrsbetrieb auf der einen Seite und dem Denkmalschutz auf der anderen Seite gibt. Eigentlich herrschte Einvernehmen darüber, dass die Halle abgerissen werden könne, da sie für die mit einem großen Defizit ringende MVG nur eine immense Kostenbelastung darstellt, ihr Denkmalwert im Gegensatz zu anderen Betriebshallen aber bezweifelt werden kann. Denn in Laufe der Zeit hat die Halle zahlreiche bauliche Veränderungen und entstellende Erweiterungen erfahren. Das geschützte Ensemble des Eisenbahnausbesserungswerks existiert nach schmerzhafteren Einschnitten ohnehin nicht mehr. Ein Glücksfall ist dagegen die benachbarte Alte Dreherei, die durch den unermüdlichen ehrenamtlichen Einsatz gerettet und Stück für Stück zukunftssicher gemacht werden konnte

Das Loch am Kassenberg

Die Arbeiten sind auf der Zielgeraden und ein Blick ins Innere immer einen Besuch wert. Ein gewaltiger unförmiger Klotz ist dagegen die benachbarte Feuerwache, deren Ausmaße immer noch überraschen. Ähnlich funktional ist das gegenüberliegende Harbecke Baustoffzentrum. Über den Campus der Hochschule kann man noch nicht schlendern, aber auch als Zaungast kann man staunen über das, was hier in den vergangenen Monaten entstanden ist. Entweder den Weg zurück oder entlang der Duisburger, wo das Café Einhorn im Apotheken-Ambiente oder die „Mölmschen Leckereien“ zur Einkehr einladen.

Über den Fossilienweg zu schlendern, ist immer wieder schön. Es bietet sich an, einen Blick auf die jungen Bäume am Schloßberg und auf das große Loch am Kassenberg (Alternative Gerbersteg) zu werfen. Projektentwickler Ten Brinke, der sich auch um den Bau von Rewe-Märkten in Saarn und Speldorf bemüht, realisiert hier auf dem Pampus-Gelände 23 Wohnungen mit Ruhrblick, die zwischen 106 und 206 Quadratmeter groß sind. Ende 2016 sollen die Wohnungen bezogen werden. Auch eine Tiefgarage wird gebaut.

Wen drehende Kräne faszinieren, der kann auch weiter Richtung Dorf Saarn gehen, wo am Rande des Kusankoski-Parks (heißt der nach der Umbenennung der finnischen Partnerstadt eigentlich immer noch so?) der Erweiterungsbau von Aldi bestaunt werden kann. Zurück geht’s über die Ruhrauen und die Schleuseninsel vorbei am ehemaligen Standort der Musikschule, wo das Wohnhaus von Göntgen-Immobilien auch fast fertig ist.

Ähnlich zugeknöpft wie der Discounter sind auch die Investoren, die die Jugendherberge in Eigentumswohnungen umgewandelt haben, die von den Ruhrauen auf der gegenüberliegenden Ruhrseite zu sehen ist. Sie sind wiederholten Anfragen nach einer Baustellenführung und einer detaillierten Vorstellung der Pläne stets negativ oder ausweichend begegnet. Obwohl viele Mülheimer gespannt wären zu erfahren, was aus dem Ort geworden ist, den sie mit so vielen Erinnerungen verbinden. Auf dem Weg könnte auch noch ein Schlenker zur Troostschen Weberei eingeschlagen werden, die von einem Investor gerettet werden sollte. Ob es tatsächlich geschieht, ist aber wieder ungewiss, nachdem die in Rheinberg ansässige Markus Pionke GmbH wie berichtet Insolvenz anmelden musste. Einen Investor zu finden, der in die bestehende Planungen einspringt und den B-Plan zu Ende führt, scheint jedenfalls äußerst unwahrscheinlich. Sorgen sind angebracht.

Weiter geht es dann Richtung Dohne und Wilhelmplatz und geradeaus weiter über den Fußweg, den Scharpenberg querend bis zur Ludwig-Wolker-Straße hinauf durch die Wasserrinne zum Max-Planck-Institut. Überraschend ist für Spaziergänger hier die Kleingartenanlage in wunderbarer Lage. Der Erweiterungsbau des MPI für chemische Energiekonversion ist allerdings noch Zukunftsmusik. Was bereits fertig ist, sind an der Lemkestraße die 14 Wohnungen (85 bis 120 Quadratmeter) für Mitarbeiter des Instituts für Kohleforschung. Teilweise sind sie sogar schon bezogen. Geplant wurden die Häuser vis à vis des neuen Hörsaalgebäudes vom Düsseldorfer Büro HPP. Es ist noch einmal eine gute Gelegenheit sich ein Bild zu machen, ehe teilweise alte neuen Gebäude weichen müssen. Voraussichtlich 2018 soll das neue Institut für 35 Millionen Euro fertiggestellt werden, wenn alles reibungslos läuft. „Das ist ein durchaus sportliches Budget“, sagt Projektleiter Willi Schlamann.

Gegenüber den ersten Plänen hat es einige Veränderungen gegeben, die auch den Sorgen und Bedenken der Nachbarn nachkommen. Sie sollen noch einmal in einer Bürgerversammlung präsentiert werden, kündigt Planungsamtsleiter Jürgen Liebich an. So seien die Höhen reduziert und der Erweiterungsbau ist derzeit auch nicht mehr in Planung. Vom Tisch ist unter anderem auch die Fassadengestaltung, mit der das Münchner Büro Nickl & Partner optisch glänzen wollte. Doch die gedrillten Bleche stießen schon bei der Jury auf Skepsis. „Wir werden eine verputze Ziegelfassade realisieren“, sagt Schlamann und betont, dass es ein offener Campus mit Café werden solle. Das habe auch preisliche Vorteile. Er geht davon aus, dass in den Bereichen, für die es keinen Bebauungsplan gibt, zur Jahreswende mit Bauarbeiten losgehen könne.

Zurück Richtung Innenstadt geht es über den Catho-Wenzel-Weg und die Freilichtbühne. Rechts befindet sich der Wohnpark Dimbeck, der nicht gerade eine gestalterische Glanzleistung ist. Letzter Punkt auf dem Spaziergang ist das Petrikirchenhaus, das im Vorfeld für große Diskussionen gesorgt hat, sich aber an die historische Bebauung anlehnt. Nun kann man sich ein Bild davon machen, wie groß die Abstände zur Kirche einerseits und zur Mausefalle auf der anderen Seite tatsächlich sind. Ungewohnt ist das natürlich, aber beengt? Da ist es an der Dimbeck enger.

Darüber kann man dann in einem der zahlreichen Cafés in der Innenstadt nachsinnen.

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