Auf dem Holzweg

Simon Rahm
Ein Radweg ist ein Radweg ist ein Radweg? Nicht unbedingt. Manchmal ist ein Radweg ein Schutzstreifen. Und das führt dann zu Komplikationen.
Ein Radweg ist ein Radweg ist ein Radweg? Nicht unbedingt. Manchmal ist ein Radweg ein Schutzstreifen. Und das führt dann zu Komplikationen.
Foto: NRZ
Anwohner der Holzstraße sind über etwas irritiert, was wie ein Radweg aussieht, was sie für einen Radweg halten - was aber gar keiner ist.

Mülheim. Eine Fahrspur für Radfahrer sorgt für Unmut am Friedhof Broich, genauer gesagt an der Holzstraße. „Wir wurden über Arbeiten an den Gehwegen informiert“, erinnert sich der Anwohner Bernd Krüger. Doch plötzlich seien diese unterbrochen worden, statt dessen wurde auf der Straße eine gestrichelte Linie gezogen. „Erst danach wurden die Arbeiten an den Bürgersteigen zum Abschluss gebracht“, so Krüger.

Eigentlich soll der Radweg den Schülern das benachbarten Schulzentrums (hier liegen die Realschule und das Gymnasium Broich) mehr Sicherheit auf dem Schulweg bieten. Doch in Krügers Augen wurde die Maßnahme vorschnell und undurchdacht durchgeführt. „Die Holzstraße ist ja nicht gerade breit. Durch den Radweg wird sie noch schmaler. “ Fahrzeuge, die sich entgegenkommen, müssten nun über den Radweg ausweichen. Schwierig werde es, wenn sich Busse oder Lkw, die vom in der Nähe gelegenen Steinbruch kommen, treffen. Krüger: „Je nachdem zu welcher Uhrzeit das passiert, ist dann die komplette Straße blockiert und der Verkehr ruht.“ Auch für ältere Anwohner der Holzstraße sei die neue Regelung unglücklich. „Viele fühlen sich bei Überquerung der Straße unsicherer als vorher.“

Wie verbindlich sind Regeln?

Seine Beobachtung: „Den Schülern, die mit dem Rad fahren, ist eine gewisse Verkehrsregelung fremd. Man kennt das ja von früher, wir sind ja selbst nicht hintereinander gefahren, sondern gerne nebeneinander, damit wir uns unterhalten konnten.“ So ergäben sich – neben der daraus resultierenden Blockade – auch unübersichtliche Situationen auf der Holzstraße. „Ich glaube, über all diese Dinge hat sich bei der Stadtverwaltung vorher niemand Gedanken gemacht“, resümiert er.

Doch noch ein weiterer Punkt stört ihn. „Durch den Radweg sind Parkplätze verloren gegangen. Das ist natürlich für uns Anwohner ungünstig, aber genauso für die Friedhofsbesucher.“ Niemand sei im Vorfeld über die Maßnahme informiert worden. „Es wäre schön gewesen, wenn man wenigstens die Möglichkeit gehabt hätte, Einspruch zu erheben.“

Helmut Voß, Fahrradbeauftragter der Stadt Mülheim, versucht, die Situation aufzuklären. Denn es handelt sich an der Holzstraße mitnichten um einen Radweg, sondern um einen so genannten Schutzstreifen. Dieser zeichnet sich durch eine gestrichelte statt einer durchgezogenen Linie aus und darf – im Gegensatz zum Radweg – bei Bedarf gemeinsam von Rad- und Autofahrern genutzt werden. „Die Realschule hat diese Maßnahme gefordert, um den Schulweg für die Schüler sicherer zu machen“, erklärt Voß.

Grünes Licht für den Schutzstreifen

Am 13. September erhielt der Schutzstreifen in der Sitzung der Bezirksvertretung 3 grünes Licht: Beschlossen wurde eine Markierung des Streifens auf der Holzstraße zwischen Prinzeß-Luise-Straße und dem Schulzentrum. Die Kosten belaufen sich auf 6000 Euro für die Fahrbahnmarkierung.

Die einzige Ausnahme bildet die Friedhofsseite der Straße. Voß: „So verhindern wir ein Wegfallen von Parkplätzen, was insbesondere bei Beerdigungen von Vorteil ist.“ Darüber hinaus sieht der Beschluss der BV3 ein Halteverbot zwischen 7 und 8.30 Uhr vor, das in Kürze in Kraft treten soll. „Das hat den Hintergrund, Konflikte zwischen dem Schülerverkehr und dem ruhenden Verkehr zu vermeiden“, so Voß. Da Beerdigungen erst ab 9 Uhr beginnen, sei auch dadurch die Parkplatzsituation nicht beeinträchtigt.

Den Vorwurf der Anwohner, dass durch die neuen Schutzstreifen eher weniger Parkplätze vorhanden sind, weist er zurück. „Vielmehr wurden durch die Anlegung von Parkstreifen durch Baumaßnahmen am Bürgersteig sogar zusätzliche Möglichkeiten geschaffen.“