Arien mit Aktionen in der Mülheimer Villa Zsuzsa

Musik kennt keine Grenzen: Das Konzert in 2014 gab das Turkish Chamber Orchestra (Zsuzsa Debré, l.) mit Betin Güneş am Klavier in Herne.
Musik kennt keine Grenzen: Das Konzert in 2014 gab das Turkish Chamber Orchestra (Zsuzsa Debré, l.) mit Betin Güneş am Klavier in Herne.
Foto: Haenisch / waz fotopool
Die Villa Zsuzsa wartet mit einem klangvollen Herbstprogramm auf. Konzerte mit jungen Talenten und Profis. Turkish Chamber Orchestra zum Auftakt.

Mülheim. Als der Anruf von Betin Güneş vor einigen Jahren kam, war es der Konzertgeigerin Zsuzsa Debré im ersten Moment schon etwas mulmig zumute. Der weltweit gefragte Gastdirigent, Pianist und Komponist wollte sie für sein Turkish Chamber Orchestra engagieren. Seither spielt sie in seinem 23-köpfigen Orchester quasi die erste Geige als Konzertmeisterin.

Die Violinistin reist mit dem Ensemble und den Eigenkompositionen von Betin Güneş, der in Köln lebt, quer durch die Lande. Mit einem breiten Repertoire und dem Turkish Chamber Orchestra will Güneş seinen Teil dazu beitragen, „die Welt mit Hilfe von Musik in Ordnung zu bringen“.

Sonst in großen Hallen und Konzertsälen unterwegs, kommt das Orchester in kleiner Besetzung mit sechs Musikern nach Mülheim und spielt in kuscheliger Atmosphäre in der Villa Zsuzsa an der Boverstraße 4a. Für die Mülheimer Geigerin ist das Konzert am Samstag, 10. September, 17 Uhr, ein Heimspiel. Klar, dass Betin Güneş dabei am Klavier sitzt. Auf dem Programm stehen eigene Kompositionen, aber auch die Bearbeitung von Mozarts kleiner Nachtmusik. Mit dem Konzert unter dem Motto „Brückenschlag“ wird die Herbstsaison in der Villa Zsuzsa eröffnet.

Persönliches Programm

Ein eingängiges und persönliches Programm wie zu den guten alten Zeit der Hausmusik erwartet die Gäste bei vier Terminen. So war es Zsuzsa Debré, die aus Budapest stammt, und ihrem Ehemann Erkki Alste, gebürtiger Finne und internationalen Opernagent, ein Anliegen, an den 60. Jahrestag des Volksaufstandes in Ungarn im Jahr 1956 zu erinnern. „Ruralia Hungarica“ ist die Veranstaltung am Sonntag, 23. Oktober, überschrieben: mit einer dokumentarischen Ausstellung (Eröffnung am 14 Uhr), Film (16.30 Uhr) und Zeitzeugenberichten. Beim Konzert um 17 Uhr präsentieren Zsuzsa Debré (Violine) und András Rakosi (Klavier) Stücke von Ernst von Dohnányi, Zoltán Kodály und Béla Bartók. „Teile des Programms spiele ich mit dem Trio Romantique Ende September auch im ungarischen Rundfunk“, sagt die Geigerin.

Bei dem internationalen Workshop für junge Opernsänger, zu dem Erkki Alste im Juli in die Villa eingeladen hatte, „war die Sängerin Aurea Marston aus der Schweiz eine echte Überraschung“, so Alste. Kurzum hat man die Sopranistin für den Liederabend der deutschen Romantik am Samstag, 12. November, gewonnen – begleitet von Cornelia Lenzen am Klavier. Bei der Veranstaltung im Juli kam die szenische Darstellung der Stücke besonders gut an. So wird es auch bei diesem Konzert wieder „Arien mit Action geben“, so Alste.

Der Opernagent, der bei Gesangswettbewerben für die Jury gefragt ist, machte auf Malta eine besondere Entdeckung. Eine Sängerin, 13 Jahre jung, war unter den 20- bis 30-jährigen Teilnehmern des Wettbewerbs. „Und die räumte so richtig auf“, sagt Alste angetan, „ein Naturtalent“. Zu erleben ist die heute 14-jährige Raisa Marie Micallef aus Malta Samstag und Sonntag, 10. und 11. Dezember, wenn sie den Gästen einen „White Christmas“ mit Weihnachtssongs aus der Neuen Welt beschert.

Zsuzsa Debré serviert bei ihren geselligen Kaffeeklatschkonzerten bekannte Melodien aus Operette und Film einmal im Monat immer sonntags um 15 Uhr – dekoriert mit Anekdoten. Beim Kuchen gibt’s jetzt auch eine glutenfreie Variante.

Konzertpaten werden gesucht

Kommunale Kultur – ob Theater oder Konzert – ist vielfach subventioniert. Ein Konzertprogramm privat zu tragen, ist auch finanziell ein heikles Unterfangen. Für die Villa Zsuzsa gibt es einen Förderverein mit mittlerweile 35 Mitgliedern.

Zsuzsa Debré und Erkki Alste sind für jede Unterstützung dankbar. Da sie das Projekt „als unser Baby“ sehen, rufen sie die Mülheimer dazu auf, „Konzert-Paten“ zu werden. „Denn den Eintrittspreise von 19 Euro möchten wir nicht erhöhen.“ Info: Tel: 87 95 64.

 
 

EURE FAVORITEN