Arbeiten an der Energiewende

Cäcilia Tiemann
Prof. Dr. Robert Schlögl, Gründungsdirektor des neuen MPI, arbeitet an einer der großen Zukunftsaufgaben: Energiegewinnung.
Prof. Dr. Robert Schlögl, Gründungsdirektor des neuen MPI, arbeitet an einer der großen Zukunftsaufgaben: Energiegewinnung.
Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Kurz gesagt: Es geht um Umwandlung und Speicherung von Energie. Das hat Gründungsdirektor Professor Dr. Robert Schlögl in seinem ersten Vortrag am neuen Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion, kurz MPICEC, anschaulich formuliert.

Es mangelt der Welt also nicht an der Energiemenge, sondern an nachhaltigen, stabilen, lokalen und gut vernetzten Systemen, die gewonnene erneuerbare Energie durch chemische Prozesse mittels Katalysatoren umwandeln und speichern, um sie in energieschwachen Phasen, bei Flaute oder in der Nacht, abrufen zu können. Dazu werden die Untersuchungen der biochemischen Prozesse, wie sie zum Beispiel in der Photosynthese stattfinden, ebenso in die Grundlagenforschung einbezogen wie die nun zu untersuchenden Umwandlungsprozesse.

Effektive und umsetzbare Lösungen

„Schwerpunkt sind dabei chemische Reaktionen, die entweder direkt durch das Sonnenlicht angetrieben werden oder in denen elektrische Überschussenergie gespeichert werden kann – dadurch könnten z. B. aus Wasserstoff speicherbare Energieträger hergestellt werden“, erklärt Dr. Werner Klotzbücher vom CEC. Die Wissenschaftler arbeiten also daran, die Energiewende möglich zu machen. Leider würden laut Prof. Schlögl nach erfolgreicher Grundlagenforschung bis zur Umsetzung sicherlich noch einmal 20 bis 30 Jahre vergehen. Bis die aktuelle Infrastruktur ersetzt sei, würden weitere Jahre ins Land gehen.

Für den Chemiker und Direktor am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft in Berlin ist es also höchste Zeit, effektive und umsetzbare Lösungen zu finden. Schlögl, nun auch Gründungsdirektor des neuen Energieforschungsinstituts in Mülheim und Leiter der Abteilung für Anorganische Chemie/Katalyse, fordert deshalb einen ernsthaften gesellschaftlichen, politischen und wissenschaftlichen Dialog, um die Zielvorgaben für die Energiewende realistisch und nachhaltig zu diskutieren. Er zitiert Max Planck mit „Dem Anwenden muss das Erkennen vorausgehen“ und bedauert, dass es in der Realität oft andersherum läuft.

Führung durchs Haus

Die anstehenden Forschungen am Max-Planck-Institut für Chemische Energiekonversion werden mittelfristig in vier Abteilungen stattfinden, deren Leitungen zum Teil noch besetzt werden müssen. Prof. Dr. Frank Neese ist Direktor der Abteilung Molekulare Theorie und Spektroskopie, Prof. Dr. Wolfgang Lubitz Direktor des Bereiches Biophysikalische Chemie.

Um die einleitenden, doch recht theoretischen Erklärungen zu veranschaulichen, werden an diesem Gründungstag die Besucher durch die verschiedenen Abteilungen des Hauses geleitet. Biochemiker, Chemiker und Physiker, die hier interdisziplinär arbeiten, erklären Aufgabenbereiche, Soft- und Hardwarevoraussetzungen der Großrechner, ihre hoch spezialisierten technischen Geräte, und demonstrieren anschaulich einige Versuche. Unverzichtbar für die Arbeit aller Abteilungen ist der Werkstattbereich, in dem Handwerker arbeiten, die sich mit allen denkbaren Werkstoffen auskennen, um nach genauen Vorgaben und Skizzen der Wissenschaftler hochkomplexe Geräte zu bauen, die man nirgendwo erwerben könnte.