Anwohner wehren sich gegen Abriss

Malte Schiefer (vorne) und seine Mitstreiter der Bürgerinitiative kämpfen für den Erhalt des Wohnraums an der Wissollstraße.
Malte Schiefer (vorne) und seine Mitstreiter der Bürgerinitiative kämpfen für den Erhalt des Wohnraums an der Wissollstraße.
Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTOGRAPHIE / WA

Mülheim.  Malte Schiefer und seine Freunde lieben das Leben im hintersten Speldorf. An der Wissollstraße 55 haben sie sich in einer Wohngemeinschaft eingerichtet, seit fast zehn Jahren schon. Auch mit den Nachbarn in den angrenzenden Häusern verstehen sie sich gut und sind zum Teil befreundet. Diese Wohnzufriedenheit sehen Schiefer und seine Nachbarn nun bedroht. Sie haben Angst, dass die Eigentümerin, die Tengelmann Immobilienverwaltung, einen Abriss plant. Mit einer Bürgerinitiative wollen die Anwohner das verhindern.

Zwischen Klimamarkt und Tengelmann-Verwaltung stehen die drei ca. 120 m² großen Häuser, in denen Malte Schiefer und seine Mitbewohner seit etwa acht Jahren wohnen. Unter der dicken Efeuschicht schimmert die graue Fassade hindurch, ihre über einhundert Jahre sieht man den Gebäuden durchaus an. Hinter der Fassade trifft sich der Freundeskreis rund um den WG-Küchentisch. Die Anwohner sind verunsichert, wissen nicht, was Tengelmann vor hat. „Im April 2012 kündigte die Hausverwaltung an, dass drei Häuser der Wohnsiedlung abgerissen werden müssen“, erklärt Malte Schiefer. Der Grund? „Baufälligkeit.“ Nach einem Wasserschaden im Eckhaus, Nr. 51, sei den Mietern dort nahegelegt worden, sich eine neue Wohnung zu suchen. Die Familie zog schließlich aus. Seitdem steht das Eckhaus der Dreierreihe leer. Malte Schiefer sagt: „Unser Haus, Nr. 55, wurde nie begutachtet.“

„Wir wären sehr traurig, wenn wir hier raus müssten“, sagt Mitbewohner Niklas Oberheid. Nicht nur wegen des günstigen Wohnraums. Dafür nehmen sie das Wohnen in den teils sanierungsbedürftigen Räumen hin. Viel wichtiger sei: „Dass wir hier in einer gut funktionierenden Nachbarschaft leben“, findet auch Nina Lock aus Haus Nummer 39. Gerade für Familien sei das Wohnen in den Häusern der Wissollstraße attraktiv. „Wo findet man sonst ein großes Haus mit Garten, das bezahlbar ist.“

70 Unterschriften haben die Freunde nun gesammelt, teilweise auch von ehemaligen Bewohnern der Häuser, die nun woanders leben. „Die haben wir an Tengelmann übergeben. Nun würden wir gerne gemeinsam an einen Tisch, um nach Lösungen zu suchen“, meinen die Freunde.

Das Unternehmen bestätigt in einer Stellungnahme, dass „die Eigentümergesellschaft zurzeit verschiedene Optionen prüft“. Doch: „Die Überlegungen sind noch nicht abgeschlossen, mit einer Entscheidung ist in diesem Kalenderjahr nicht mehr zu rechnen.“ Die Hausverwaltung sei bestrebt, eine sozialverträgliche, einvernehmliche Lösung zu finden.

Tengelmann feiert 100-jähriges Standortjubiläum

An der Wissollstraße baut Tengelmann zurzeit eine Veranstaltungs- und Ausstellungshalle auf dem Gelände der Hauptverwaltung. Diese ist allerdings nur für die interne Nutzung bestimmt.

Im Oktober feiert Tengelmann sein 100-jähriges Standortjubiläum an der Wissollstraße, wo 1912 die Schokoladenfabrik in Betrieb ging. Geplant ist ein Fest für die Mitarbeiter, bei dem die Halle eingeweiht wird.