Anhalten und die Stadt betrachten

Frank-Rainer Hesselmannund Oliver Müller (Fotos)

Ein Radweg quer durch das Ruhrgebiet ohne störende Straßenkreuzungen. Das war vor mehr als fünf Jahren die Idee. Parallel zum Ruhrschnellweg (heute A 40) ist jetzt der Radschnellweg mit mehreren Hochschul- und zahlreichen Wohquartier-Anschlüssen im Bau – auf einer ehemaligen Eisenbahnstrecke. Eine der spannendsten Etappen mit neuen Einblicken in die Innenstadt entsteht bald in Mülheim.

„Stadtbalkon“ und „Hochpromenade“ nennen die Planer den Teil des kombinierten Fuß- und Radweges, der auf 32 Bögen von der Rampe am Hauptbahnhof bis zur stählernen Bogenbrücke am Ruhrufer führt. Dort wird es einen gläsernen Aufzug an der Nordseite des Radweges geben – in Sichtweite des Krankenkassengebäudes. Der Treppenturm gegenüber des Ruhrquartiers bleibt erhalten. Ob er ein gläsernes Helmdach bekommt, ist noch nicht entschieden.

Seit Monaten läuft die Detailplanung für die Hochpromenade im Technischen Rathaus, unterstützt von Architekten und Stadtgestaltern. Viele Skizzen und Pläne sind in dieser Zeit entstanden. Viele Zeichnungen sind bereits im Papierkorb gelandet. Einige gute Ideen mussten die Planer wieder aus ihren Konzepten streichen, weil sie den Ansprüchen der Verkehrsicherheit nicht genügten. „Andere konnten wir prima übernehmen und werden sie auf der ehemaligen Bahntrasse auch umsetzen“, beschreiben Horst Chluba und Helmut Voß vom Amt für Verkehrswesen und Tiefbau.

Planer, die meisten Politiker und die Stadtspitze sind sich einig. „Der Promenadenradweg gehört zu den Projekten, mit denen die Innenstadt weiter belebt werden kann“, sagte Oberbürgermeister Ulrich Scholten. Für das Vorantreiben des Radschnellweges tritt er kräftig in die Pedale. Gestern tagte der Gestaltungsbeirat hinter verschlossenen Türen. Am Freitag sehen die Mitglieder des Planungsausschusses die neuesten Entwürfe.

„Wir wollen am Freitag die ersten Vergaben für die Sanierung der Bahnbögen sowie für den Bau des Geländers einbringen und setzen auf Beschlüsse des Planungsausschusses“, sagte Horst Chluba, kommissarischer Leiter des Amtes für Verkehrswesen und Tiefbau. „Dann könnten wir die Aufträge ausschreiben und schon Ende Mai mit der Bogensanierung starten.“ Dann komme Bewegung auf die Hochstrecke. Obwohl sie Teil des Radschnellweges ist, wird dieser Abschnitt als Langsamfahrstrecke angelegt. Das war die Voraussetzung, für das Projekt Zuschüsse aus dem Topf der Städtebauförderung zu bekommen. „Durchbrettern ist auf der Promenade nicht erwünscht“, erläuterte Roland Jansen bereits letztes Jahr in der Bezirksvertretung 1.

„Der Radschnellweg hört an der Rampe am Hauptbahnhof auf. Die exzellente Lage auf dem Viadukt hat im Bereich der Innenstadt Promenadencharakter“, betonte der Abteilungsleiter für Straßen und Verkehrsplanung. „Man soll dort auch verweilen und den Ausblick in die Stadt genießen können“, fügte Felix Blasch, stellvertretender Leiter im Planungsamt, hinzu.

Grüne Oasen hinter Zäunen

Das Verweilen und Schauen in die Stadt wird vielen Spaziergängern neue Einblicke bringen: Die Auer- und Löhstraße von oben. Dort verbergen sich grüne Oasen hinter Zäunen. Andere winken den Bewohnern der Häuser an der Heinrich-Melzer-Straße zu. Mit den Jugendstilfassaden an der Friedrich-Ebert-Straße auf Augenhöhe. Diese Häuser sollten einst für eine Brückenkurve zur Konrad-Adenauer-Brücke fallen. Erfolgreiche Bürgerklagen und Gerichtsurteile haben dies verhindert.

Auf der gegenüberliegenden Seite erhält die frühere Bahnstrecke eine Verbreiterung – den neuen Stadtbalkon. „1,50 Meter wird diese Plattform in die Bahnstraße ragen“, beschreiben Sabine Noack und Daniel Bach aus der Stadtentwicklung. Von dort oben haben Besucher das Rathaus, den Rathausmarkt und auch den Parkplatz davor gut im Blick. Ein Teil der Fläche wartet noch auf ihre Umgestaltung. Laufen die Arbeiten auf der Hochpromenade nach Plan, steigt im Frühling 2017 die Eröffnungsfeier.