Angst vor noch mehr Krach

Foto: Christoph Reichwein
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Foto: WAZ FotoPool

Mülheim. Seit 40 Jahren währt nun schon der Kampf von Anwohnern am Hafen gegen viel zu hohe Schwermetall-Belastungen in der Luft, gegen massive Erschütterungen des Boden, gegen einen Höllenlärm, manchmal von früh bis spät. Ihr Kampf gegen die Schrottverarbeitung im Gebiet an der Weseler Straße wird weiter gehen. Auch nach dem Einschreiten der Bezirksregierung fürchten Horst Buchmüller und Winfried Wenzek, Sprecher der Anwohner: „Es könnte noch schlimmer kommen.“

Schlimmer, weil noch lauter. Denn der öffentlich-rechtliche Vertrag, den die drei Schrott verarbeitenden Betriebe mit der Regierungspräsidentin abgeschlossen haben, beinhaltet auch die Möglichkeit, die Schrottschere noch länger arbeiten und noch größere Mengen verarbeiten zu lassen. Statt 75 Tonnen am Tag, 150.

Aussagekräftige Lärmmessungen gefordert

„Wir brauchen dringend aussagekräftige Lärmmessungen“, fordern Anwohner und schlagen drei Standorte vor. Auf ihren Grundstücken haben sie selbst Messungen vorgenommen und sind mehrfach auf Werte von über 80 Dezibel gekommen. Unerträglich, sagen sie und verweisen auf die Grenzwerte, die deutlich niedriger (55 dB) liegen, sie verweisen auf die Nähe zu den Gewerbebetrieben. 500 Meter müssten heute zwischen Wohnbebauung und Gewerbe liegen, an manchen Stellen sind es an der Hofackerstraße gerade mal zehn.

Die Probleme sind allen bewusst. Dass die zulässigen Nickelwerte zeitweise um 60-fache höher lagen, dass die hohen Nickel- und Chromwerte in der Luft im schlimmsten Fall Krebs auslösen können, dass die Häuser durch die Erschütterungen längst gezeichnet sind. Doch alle Versuche, eine einvernehmliche Lösung für Unternehmen und Anwohner zu finden, sind gescheitert. Der Wunsch des Unternehmens nach einem alternativen Standort konnte nie erfüllt werden. Die Hoffnung liegt nun in dem Vertrag mit den Firmen Paul Jost GmbH, Jost Stahlschrott GmbH und Rohstoff Recycling Dortmund.

Halle soll gebaut werden

Der Asphalt, auf dem Material umgeschlagen wird, soll nun mit einer wasserdurchlässigen Decke beschichtet werden; drei Mal in der Woche sollen Saugkehrmaschinen das Gelände abfahren; Schleifspäne, Schleifstäube, Schlacken, die staubförmig sind, sollen nur noch in geschlossenen Behältern gelagert werden; eine Befeuchtungsanlage soll sichtbare Staubemissionen verhindern; es gibt Beschränkungen für das Brennen von Schrott – und eine 1000 Quadratmeter große Halle soll gebaut werden, um brisante Stoffe erst gar nicht in die Umwelt zu lassen. Das Vertrauen in die Wirkung der Auflagen ist gering.

Es gibt Politiker in Mülheimer, die sagen: „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas überhaupt über so lange Zeit möglich ist.“ Hubert Niehoff von den Grünen gehört dazu, der Vorsitzende des Umweltausschusses. Er gesteht aber auch ein, dass er wie die meisten die rechtliche Situation kaum durchblicke. Die Mülheimer Bürgerinitiativen reagieren empört, sie hätten sich endlich einen radikalen Schnitt in dem jahrzehntelangen Streit gewünscht. „Die bedenkliche Nähe zur Wohnbevölkerung wie bei keinem anderen Hammerwerk in Deutschland, die Lage im Trinkwasserschutzgebiet und die Spitzenwerte bei Schwermetallen in der Luft seit Jahren – all das führte wieder einmal zu keinen wirklichen Konsequenzen“, Lothar Reinhard.

Vorübergehende Stilllegung der Falltürme

Auch die vorübergehende Stilllegung der Falltürme, beruhigt die Bürger nicht. „Es ist eben nicht endgültig.“ Und viele fragen sich: Wie will die Bezirksregierung das alles überwachen? Paul Jost selbst wollte auf WAZ-Anfrage sich nicht zu dem Vertrag äußern. Die Politiker hätten gern einen Vertreter der Bezirksregierung heute im Ausschuss befragt. Verschoben auf März. . .

Was tun? Viel Zeit und Lebensenergie haben Buchmüller und Wenzek bereits in ihren Kampf gegen die Schrottberge investiert. Es geht weiter, solange morgens um 6 Uhr die Sattelschlepper aus halb Europa neu anliefern.

 
 

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