Angst vor niedrigen Anmeldezahlen

Die drei Mülheimer Hauptschulen sehen mit bangen Blicken dem 23. und 24. Februar entgegen. An diesen Tagen können Eltern ihre Kinder für das neue Schuljahr anmelden.

Anmeldeverfahren in Duisburg und Bochum haben bereits gezeigt, wo die Reise hingehen könnte. „Es wird finster werden“, fürchtet etwa auch die Dümptener Hauptschulleiterin Ulrike Nixdorff und rechnet mit deutlich weniger Zuspruch als zuvor.

Der Trend, dass Eltern in zunehmendem Maße die Hauptschulen nicht als geeignete Schulform für ihre Kinder ansehen, ist in Mülheim unverkennbar. Zählte die Statistik im Schuljahr 2001/02 noch 1358 Hauptschüler, so verteilen sich aktuell nur mehr 862 Kinder und Jugendliche auf die drei Schulen an der Bruchstraße, in Dümpten und Speldorf; das Minus in acht Jahren beläuft sich auf 37 % – so das Bild aus der üblichen Stichtagserhebung zum 15. Oktober eines jeden Schuljahres.

Für den Anmeldetermin in eineinhalb Wochen dürfte die Statistik noch ein weitaus größeres Minus ausweisen. Der Rückgang von 208 Anmeldungen von Fünftklässlern im Schuljahr 2001/02 auf nur noch 90 für das laufende Jahr, eine Reduzierung um mehr als 50 %, macht noch klarer, dass Hauptschulen immer öfter letzte Wahl sind. Erst wenn aus der Bewerbung anderswo, vor allem an den Gesamtschulen, nichts wird, kommt die Hauptschule infrage.

Anderswo sind die Anmeldeverfahren für 2010/11 bereits abgeschlossen. Die Zahlen sind alarmierend, die Mülheimer Schulen ziehen Rückschlüsse daraus auf das, was sie am Ende des 24. Februars erwartet. In Duisburg sind nur 140 von 4300 Viertklässlern an Hauptschulen angemeldet worden. „Die Situation ist schlimmer als erwartet“, reagierte der Schuldezernent der Nachbarstadt, Karl Janssen. „Die Hauptschule ist tot, die Leute wollen sie nicht mehr.“ Nur durch die zu erwartenden Überhänge an den Gesamtschulen glaubt Duisburg noch in allen seiner 13 Hauptschulen je eine 5er-Klasse bilden zu können. An einer einzigen Hauptschule wurden mehr als die für eine Klassenbildung notwendigen 18 Kinder. Die Situation in Bochum: 42 Eingangsklassen an Gymnasien, hingegen bisher nur 88 Kinder für sieben Hauptschulen. Die an der Fahrendeller Straße zählte gar nur eine einzige Anmeldung.

Mülheims Schuldezernent Peter Vermeulen glaubt zwar, dass sich alle drei Hauptschulen der Stadt „erst mal halten können“, doch er weiß: „Wir haben keine Hauptschule, die sich dem Landestrend bislang widersetzt hat.“ So sind die Schulleitungen skeptisch, etwa Leiterin Else-Maria Schmidt-Geerlings von der Hauptschule Speldorf. Sie glaubt, dass die Bezirksregierung nicht bis zum Herbst stillhalten wird, bis sich eine Eingangsklasse mit Nachzüglern füllt. Wenn nicht frühzeitig vor dem Schulstart im Sommer 18 Fünftklässler bei der Stange sind, fürchtet sie, werde die Bezirksregierung dem Schulträger Druck machen, die Bildung einer Eingangsklasse zu untersagen. Die Schule in Speldorf hat momentan im fünften Jahrgang 23 und im sechsten 26 Schüler. Dieses Jahr könnte es für die kleinste der drei Hauptschulen knapp werden. „Es war ja schon im letzten Jahr eine Zitterpartie“, sagt Schmidt-Geerlings.

 
 

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