Amtsende der Mülheimer OB stößt auf Bedauern

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Im Rathaus wird Dagmar Mühlenfeld als gute Chefin gelobt. Die SPD sieht in ihr eine exzellente Vertretung der Stadt nach außen. MBI kritisieren: Unter ihr sind die Probleme immer größer geworden.

Mülheim.. Auf den Fluren im Rathaus machte am Dienstag Bedauern die Runde. Die Chefin hört auf, tritt nicht mehr bei der OB-Wahl im September an, nach zwölfeinhalb Jahren trägt die Lebensplanung nun die Überschrift „Familie“. Viele, auch enge Wegbegleiter, haben mit dieser Entscheidung von Dagmar Mühlenfeld nicht gerechnet. „Ich habe gedacht, ich trau’ meinen Augen nicht, als ich das gelesen habe“, verrät Bürgermeisterin Margarete Wietelmann.

Wie ihr erging es vielen, auch in der Partei: „Die Entscheidung ist zu respektieren, zu verstehen, aber man hätte sie sich noch gut ein paar Jahre im Rathaus vorstellen können“, sagt Wietelmann. Der Job der Oberbürgermeisterin, das hat Dagmar Mühlenfeld immer betont, lebe auch vom Zuspruch der Bürger, und den habe sie all die Jahre intensiv spüren können. Doch es gab und gibt Gegenwind, in Mülheim vielleicht noch heftiger als anderswo.

Schuldenkrise verfolgt sie Tag und Nacht

Ruhrbania hat die Stadt gespalten, die Mülheimer Bürgerinitiativen haben ihr selten Ruhe gegönnt, das Aus für die „Zukunftsschule“ traf sie hart, die Schuldenkrise verfolgt sie Tag und Nacht. Noch weitere fünf Jahre 16 Stunden Tage – sie wollte es nicht mehr.

„Die Beschäftigten verlieren eine gute Chefin“, sagt Dirk Neubner, Vorsitzender des Personalrates. Sie habe viel für die Arbeitnehmer getan. Neubner nennt die Gesundheitsprogramme oder auch das Bündnis „Ausbildung, Beschäftigung und Konsolidierung“ als Beispiele. Mühlenfeld habe immer ernsthaft mit allen nach einer Lösung gesucht, sagt Neubner.

„Sie hat in der Stadt für eine neue Offenheit gesorgt"

Am Tag nach der Entscheidung kommt viel Lob für die Amtsinhaberin zusammen. Dieter Wiechering, Fraktionschef der SPD, bescheinigt ihr einen großen Fleiß: „Sie hat unheimlich viele Projekte angestoßen und umgesetzt.“ Constantin Körner, neben ihr auch stellvertretender Parteivorsitzender, führt die Bürgeragentur als typisch für sie an: „Sie hat in der Stadt für eine neue Offenheit gesorgt, hat diese Amtsstuben-Mentalität ein ganzes Stück beseitigt.“ Doch jene Offenzeit sprechen ihr wiederum die Grünen ab, haben aber auch ein Lob parat: „fair“.

War sie nun „gut für die Stadt“, wie Wiechering sagt? Keiner hat sie in all den Jahren so kritisch beäugt wie Lothar Reinhard – bis vor Gericht. Ihr Wunsch nach mehr Zeit fürs Leben kann er gut nachvollziehen, bedauert auch sogleich, dass dieser Wunsch nicht schon zur Kommunalwahl im vergangenen Jahr aufgekommen sei. So habe die Stadt ein Jahr verloren. Denn unter Dagmar Mühlenfeld, so Reinhard, hätten sich in Mülheim Probleme angehäuft wie in kaum einer anderen Kommune.

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