Alternative auch für Mülheim?

Alternativlos - das ist ein Begriff, den Werner Helmich nicht besonders schätzt. Und doch muss er ihn ständig hören, ist er doch nach seiner Erfahrung mittlerweile fester Bestandteil des Wortschatzes von Politikern. Nicht nur im Fall der Kanzlerin, er kennt Beispiele aus allen Parteien. Helmich ist deswegen auch schon vor längerer Zeit bei der Grünen wieder ausgetreten, er gehört immerhin zur Gründergeneration vor Ort.

Helmichs Alternative heißt „Bürgerbeteiligung“. Eigentlich auch ein bekanntes Schlagwort aus Sonntagsreden, doch er versteht es ganz konkret. Denn konkret wird es, wenn es um’s eigene Geld geht. Mit dem finanziert Helmich alternative Energie und zwar bei dem Windkraftanlagen-Hersteller Prokon. Mit rund 40.000 anderen Kapitalgebern (die Mindestsumme liegt bei 250 Euro) gehört er zu den sogenannten Genussrechts-Inhabern des Unternehmern. Das heißt: Sie haben dem Unternehmen das Kapital gegeben, nicht die Banken. Im Gegenzug dazu erhalten sie eine Beteiligung am Gewinn. Allerdings haben die Genussrechte-Inhaber, anders als bei Aktien-Beteiligungen, kein Stimmrecht. Für Helmich ein interessantes Modell - das sich vor allem auch rentiert. „In den besten Zeiten lag der Zinssatz bei 8 Prozent, und jetzt immer noch bei 3,5 Prozent. Das ist beachtlich.“

Helmich beflügelt im Moment besonders, dass sich nun auch in einer Krisensituation dieses alternative Finanzierungsmodell bewährt hat. Denn Prokon musste kürzlich Insolvenz anmelden. Die Geschäftsführung hatte sich in zu vielen Nebengeschäften verzettelt. Im Kerngeschäft, also dem Bau von Windkraftanlagen, hatte das Unternehmen hingegen keine Probleme. Vielmehr hatte sich hier ein Know-How angesammelt, das in der ganzen Energie-Branche bekannt ist. So bemühte sich auch der Energieversorger EnBW darum, das Unternehmen zu übernehmen. Doch den Zuschlag bekam nicht dieser drittgrößte deutsche Energiekonzern, sondern Prokon ist nun eine Genossenschaft. Die Genussrechte-Inhaber, unter ihnen auch Werner Helmich, hatten sich in einem eigenen Verein organisiert. Sie stellten auch den Großteil der Gläubiger. Das 550 Millionen-Angebot vom Groß-Investor EnBw schlugen sie aus. „Die ersten zwei Jahre wird es nun zwar keine Gewinnausschüttung geben“, berichtet Helmich. „Dieses Beispiel zeigt aber, dass die alternative Finanzierung erfolgreich sein kann. Denn die Kapitalgeber identifizieren sich mit dem Unternehmen.“

Für Helmich auch eine Alternative für Mülheim, konkreter: für die Medl. Deren Gründung während der schwarz-grünen Koalition hat er damals seitens seiner Partei eng begleitet. Der gerade in den Ruhestand verabschiedete Medl-Chef Hans-Gerd Bachmann hat aus Helmichs Sicht schon die Weichen in die richtige Richtung gestellt: Die Medl-Anleihe in erneuerbare Energie. 2,5 Prozent Zinsen gibt es da, 3,5 Prozent sogar für Medl-Kunden. Die Konsequenz für Helmich wäre, dass Unternehmen, noch zu 51 Prozent eine Tochter der Stadt, ganz in eine Bürgergenossenschaft umzuwandeln. Die MBI hatten das in der Vergangenheit schon einmal gefordert. Doch SPD und CDU standen dagegen. Vielleicht führt nun das Prokon-Beispiel dort zu einem Umdenken. Werner Helmich würde sich freuen: „Das wäre Bürgerbeteiligung im Sinne einer Bürgergesellschaft.“

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