Allianz für Kinderschutz

Die Initiative kam aus dem Polizeipräsidium in Essen: Schon seit 2008 existiert dort die „Kinderschutz-Allianz“. Unter diesem Dach versammeln sich alle Institutionen und Behörden, die zum Einsatz kommen, wenn Kinder Opfer von Gewalt werden: Kinderärzte und -kliniken, der Kinderschutzbund, Jugendamt oder Staatsanwaltschaft und natürlich auch die Polizei selbst. Regelmäßig treffen sich alle Beteiligten, um sich kennenzulernen und gemeinsam zum Thema fortzubilden. Das letzte Treffen fand in dieser Woche statt.

Da Mülheim mit zum Präsidium Essen gehört, ist auch die Stadt an der Ruhr in diese Allianz integriert. „Wir haben allerdings festgestellt, dass auch schon vorher hier die Strukturen gut ausgebaut waren. Das liegt vor allem auch daran, dass hier alles kleiner und überschaubarer ist als in Essen“, sagt Ulrich Schmitz. Der Kriminalhauptkommissar koordiniert die Allianz. Seine Erfahrung: Menschen von Angesicht zu Angesicht zu sehen, die man sonst vielleicht nur aus Telefongesprächen kennt, sei der Reiz für die meisten, an den Treffen teilzunehmen. So sei es auch bei den 170 Leuten gewesen, die die letzte Fortbildung besucht haben - unter ihnen besonders viele Kinderärzte.

Und natürlich, auch wenn in Mülheim offenbar schon eine gute Vernetzung besteht, die einzelnen Fäden zwischen den Beteiligten können auch immer noch fester gezurrt werden. Das bestätigt auch Annette Kehr. Sie ist Oberärztin bei der Kinderschutzambulanz am Evangelischen Krankenhaus Oberhausen – von Mülheim aus das nächste Hospital mit eigener Kinderklinik. Mit dem Kommunalen Sozialen Dienst fänden regelmäßige Gespräche statt. Dieser wird zum Beispiel tätig, wenn der Verdacht besteht, dass Kinder vernachlässigt werden. „Wir kennen unsere Ansprechpartner dort“, sagt Kehr. Aber grundsätzlich hätte sie auch nichts gegen eine Vertiefung. „Manche Behördenmitarbeiter stellen schon sehr hohe Ansprüche“, erläutert sie. Wenn diese mehr Einblicke in die Alltagsarbeit der Kinderschutzambulanz hätten, dann könnten sie besser nachvollziehen, dass manchmal eben Zeit gebraucht werde, um einen Fall medizinisch endgültig zu beurteilen. „Etwas nicht zu erkennen, ist nämlich genauso schlimm, wie einen falschen Verdacht zu äußern“, betont Annette Kehr. Und fast nie seien die Symptome so eindeutig, dass die Diagnose klar sei. Blaue Flecken zum Beispiel - da existieren viele mögliche Ursachen. Ist das Kind wirklich die Treppe runtergestürzt, wie behauptet wird? Oder liegt doch eine Gewalttat dahinter? Im Zweifel werde auch Rat von der Rechtsmedizin eingeholt.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen