Alles nicht nur Fassade

Foto: STEPHAN GLAGLA PHOTO.DESIGN / WA

Von wegen Licht rein und gut ist – Fensterglas ist eine ganz schön komplizierte Sache. Geworden. Schichten, die nur bestimmtes Licht durchlassen, Schichten für Wärme. Der Mülheimer Diplomingenieur Hans Zimmermann könnte ein Buch darüber schreiben, denn er gilt als Pionier auf dem Gebiet der Fassadentechnik. Aktuell arbeitet er nicht nur an internationalen Großprojekten, sondern ebenfalls an einem bekannten Mülheimer Gebäude: der neuen Hochschule.

„Die Entwicklung von Glas war die Geburtsstunde für die Fassadentechnik“, sagt Zimmermann. Seit 1988 hat er sich mit der Gestaltung und Entwicklung von schmucken Gebäudehüllen selbstständig gemacht, die längst keine alleinige Frage der Optik, sondern „fürs Wohlfühlen zuständig ist.“

Vor seiner Selbstständigkeit hat Zimmermann als Maschinenbauer den Schallschutz gemessen – etwa in Kneipen. Technologien zur Energiegewinnung, optimale Ausnutzung von Licht und Wärme, Sicherheitsaspekte kamen in den Jahren danach hinzu. Das zeigt Zimmermann an einem Muster: Brechungen im Glas streuen Sonnenstrahlen an die Decke und bis in die letzten Winkel eines Raumes. „Man will das Licht ja nicht nur in einem Drittel des Zimmers haben“, meint Zimmermann.

Die Mitarbeit als Pionier auf dem Terrain der Fassadengestaltung macht sich heute doppelt bezahlt, denn Zimmermanns jahrzehntelange Erfahrung ist gefragt. „Anfangs waren wir zu dritt“, sagt er, nun arbeiten sieben Menschen für seine „Ingenieursgesellschaft“ an der Troost­straße. Sein Büro plant an deutschen und internationalen Bauprojekten im Wert von 350 Millionen Euro. „Meist gehen sie über drei Jahre.“ Zimmermann sanierte die Fassade der deutschen Botschaft in Washington und Kiew, des „4 Elements“ in Düsseldorf, der Stadtsparkasse in Mülheim und auch die umstrittene des Duisburger Museums Küppersmühle. Die Hülle liegt zwar bereit, verrät Zimmermann – leider im Lager.

Er ist Sachverständiger der IHK weit über das Dreistädteeck Mülheim, Essen und Bottrop hinaus. Er hält Vorträge an Universitäten und ist in Prüfungsausschüssen.

Im Augenblick profitiert auch Mülheim von seinem Fachwissen: Zimmermann entwirft die Fassade der neuen Hochschule Ruhr-West. Die Projektleitung hat Diplomingenieur Jens Giesen. Einzig, dass die ambitionierten Ideen einer auch baulich hoch technisierten Hochschule dem Rotstift zum Opfer fielen, bedauert Giesen: Man hätte viele innovative Ideen umsetzen können, die eine moderne technisch Hochschule ,veredelt’ hätten. Etwa Sonnenenergie effizient zu nutzen, schlägt er vor. „Wir sind aber im Budget geblieben, und die besondere Optik der Hochschule wird gehalten. Auch das ist wichtig.“

 
 

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