A40-Sperrung - Mülheims Handel bleibt gelassen

Kristina Mader
Direkt an der A 40 gelegen: Das Rhein-Ruhr-Zentrum will Besucher mit Gewinnspiel-Aktionen locken.
Direkt an der A 40 gelegen: Das Rhein-Ruhr-Zentrum will Besucher mit Gewinnspiel-Aktionen locken.
Foto: Hans Blossey
Es ist ein Alptraum von Einzelhändlern: Massenhaft Kunden werden in ihren Wagen auf dem Weg zum Einkaufen von Baustellen ausgebremst – und drehen um. Doch so weit wird es während der A 40-Sperrung vom 7. Juli bis 30. September nicht kommen, da sind sich Mülheimer Einzelhändler sicher.

Mülheim. Dieses Bild dürfte der Alptraum eines jeden Händlers sein: Massenhaft Kunden werden in ihren Wagen auf dem Weg zum Einkaufen von Baustellen ausgebremst – und drehen um. Doch so weit wird es während der A 40-Sperrung vom 7. Juli bis 30. September nicht kommen, da sind sich Einzelhändler sicher. Im Gegensatz zu ihren Essener Kollegen machen sich die Mülheimer Händler kaum Sorgen um die dreimonatige Baustellenphase. Im Gegenteil: Mit Aktionen sollen die Menschen abgefangen werden, die sonst zum Einkaufen nach Essen fahren.

Seit Wochen bereitet man sich im Rhein-Ruhr-Zentrum auf den Ausnahmezustand vor der Haustür vor. Schließlich kommen 80 Prozent der Kunden mit dem Auto in das Einkaufszentrum – viele von ihnen über die A 40. Fast 40 Prozent davon sind Essener, 25 Prozent der Kunden kommen aus Mülheim, „der Rest aus Städten wie Ratingen, Velbert oder Heiligenhaus“, erklärt Centermanager Sascha Schönherr.

Doch: „Die meisten der Essener Kunden kommen aus der anderen Richtung, den südlichen Stadtteilen wie Haarzopf oder Kettwig und sind von der Sperrung daher nicht betroffen.“ Diese nutzten die A 52 oder kleinere Straßen, um ins RRZ zu gelangen. Zudem sei die Umleitung aus den nördlichen Essener Stadtteilen gut ausgeschildert. Kein Grund zur Sorge also? „Wir hatten Bedenken, sind aber gut vorbereitet“, sagt Sascha Schönherr.

Anreize für Kunden schaffen

Mit zwei großen Gewinnspiel-Aktionen sollen die Kunden trotz Vollsperrung den Weg ins RRZ finden. „Eines der Gewinnspiele richtet sich speziell an Autofahrer“, erklärt Schönherr. Tankgutscheine im Wert von mehreren 1000 Euro werden jeden zweiten Samstag im Monat gleich fünfmal am Tag verlost. „Das ist ein Anreiz, mit dem wir Kunden locken wollen.“

Ein weiterer Anreiz zum Geldausgeben sei Gewinnspiel Nummer zwei: „Ab einem Einkauf von 20 Euro bekommen die Kunden Bonuspunkte, die sie sammeln und mit denen sie Preise gewinnen können.“ Am Ende müsse man schauen, wie viele Menschen sich an den Aktionen beteiligt haben und diese Werte mit denen aus anderen Gewinnspielen vergleichen. „Dann sehen wir, ob es Verluste gab.“ Oder Zuwachs. Denn Kunden, die sonst zum Einkaufen nach Essen gefahren sind, könnte es nun ins RRZ verschlagen.

Gelassen schaut auch Heinz Wilhelm Paschmann der Baustellenphase entgegen. Der Vorsitzende der Mülheimer Einzelhändler und Betreiber mehrerer Edeka-Märkte in der Stadt meint: „Man sollte die Sperrung nicht überbewerten.“ Denn: „Der Handel in der Innenstadt oder am Heifeskamp wird davon nur marginal betroffen sein.“ Auch wenn etwa 15 Prozent der Kundschaft am Heifeskamp aus Oberhausen kommen, 10 Prozent aus Essen. „Die meisten kommen aus anderen Richtungen.“ Staus oder Verkehrschaos dürften so weit von der Sperrung entfernt nicht auftreten. Probleme sieht Paschmann eher auf seine Mitarbeiter zukommen. „Viele werden wohl auf Bus und Bahn umsteigen müssen.“

„Kunden werden andere Wege finden, um zu den Händlern zu gelangen“

Marc-André Heistermann, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Ruhr, zu dem auch Mülheim zählt, befürchtet ebenfalls mehr Schwierigkeiten für den Essener als für den Mülheimer Einzelhandel. „Es ist ein Ausnahmezustand.“ Heistermann ist sich aber sicher: „Kunden werden andere Wege finden, um zu den Händlern zu gelangen.“ In einem Punkt sind sich alle einig. „Es ist gut, dass die Arbeiten in einem Rutsch gemacht werden“, sagt Sascha Schönherr. „Besser ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“, findet auch Heistermann.

In der Nachbarstadt Essen sieht man der Sperrung nicht so gelassen entgegen. Dort haben sich Händler, Verkehrsbetriebe und IHK zu Arbeitskreisen zusammengeschlossen, um Wege aus dem Stau zu finden. Dort prüft die Via-Verkehrsgesellschaft auch, ob ein vergünstigtes Baustellen-Ticket angeboten werden könnte.