Zu viel Marihuana im Jackenärmel

Menden.. Auch wenn dem 28-jährigen Angeklagten aus Menden nicht nachgewiesen werden konnte, dass er einen schwungvollen Handel mit Betäubungsmitteln betrieben hat, verurteilte ihn das Amtsgericht Menden gestern Morgen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zwei Monaten auf Bewährung sowie einer Geldstrafe von 500 Euro. Überdies wird dem Mann, der inzwischen in Potsdam wohnt, während der dreijährigen Bewährungsfrist ein Helfer zur Seite gestellt. In seiner Urteilsbegründung machte Richter Jens Christian Festersen deutlich, dass die Freiheitsstrafe nur deshalb zur Bewährung ausgesetzt worden sei, weil sich der Angeklagte reumütig gezeigt habe.

Bevor sich das Schöffengericht zur Beratung zurückzog, hatte der 28-Jährige unter Tränen gesagt: „Mir tut das Ganze sehr leid. Ich schäme mich dafür.“ Zuvor führte er aus, dass er zu keinem Zeitpunkt daran gedacht habe, einen gewerbsmäßigen Handel mit dem Betäubungsmittel zu betreiben. Das Marihuana habe er nur für den Eigenverbrauch bei sich getragen. Als Grund für den Konsum nannte er seine Perspektivlosigkeit. „Nachdem mein Lehrbetrieb in Konkurs gegangen ist, war ich meine Lehrstelle los. Ich bin daraufhin wieder in meinen alten Trott verfallen“, rechtfertigte sich der Angeklagte vor Gericht.

Das sah die Staatsanwältin differenzierter. Sie warf dem Mann vor, am Abend des 9. März 2011 mit zwei Bekannten auf der Fröndenberger Straße in Menden unterwegs gewesen zu sein, um Marihuana zu verkaufen. Dazu ist es nach Meinung des Gerichts aber nicht gekommen, weil die Polizei die Regie übernahm. Sie kontrollierte das Fahrzeug, in dem sich der Angeklagte mit zwei Bekannten befand. „Das Auto ist uns aufgefallen, weil ein Rücklicht defekt war.“, sagte der Zeuge vor Gericht.

58,2 g Marihuana für Eigengebrauch

Einmal mit der Kontrolle beschäftigt, fanden die Polizeibeamten im Jackenärmel des Angeklagten eine halb gefüllte Küchentüte mit 58,2 Gramm Marihuana, von dem er bereits eine Konsumportion an den ebenfalls im Pkw sitzenden Mitfahrer R. „verschenkt“ hatte.

Eine Untersuchung des Rauschgiftes in Hamm ergab, dass es einen Wirkstoffgehalt von 17,87 Prozent besaß, somit ein Wirkstoffreingewicht von 10,4 Gramm hatte, was 138,6 Prozent der vom Gesetzgeber festgesetzten „nicht geringen Menge“ entspricht und dadurch eine Freiheitsstrafe nach sich zieht.

Als die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer mit Blick auf das Marihuana von einer weichen Droge sprach, zuckte Richter Festersen zusammen. „Wenn Marihuana als weiche Droge bezeichnet wird, dann schauert es mich. Sie müssen sich mal Menschen ansehen, die dieses Rauschgift seit Jahren nehmen. Die sind alle nicht mehr ganz richtig im Kopf.“

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