ZDF-Journalist serviert Jungparlamentariern vergifteten Tee

ZDF-Studioleiter Theo Koll hält auf der Wilhelmshöhe vor dem größtenteils sehr jungen Publikum eine flammende Rede pro Europa.
ZDF-Studioleiter Theo Koll hält auf der Wilhelmshöhe vor dem größtenteils sehr jungen Publikum eine flammende Rede pro Europa.
Foto: WP
  • Europäisches Jugendparlament auf der Wilhelmshöhe eröffnet
  • Bürgermeister begrüßt Jugendliche aus ganz Europa
  • Theo Koll, Leiter des ZDF-Studios in Paris, hält Anti-Brexit-Rede

Menden..  Die Teilnehmer des Europäischen Jugendparlamentes (EJP) sind am Dienstag feierlich von Bürgermeister Martin Wächter auf der Wilhelmshöhe empfangen worden. Anschließend hielt Journalist Theo Koll, der das ZDF-Studio in Paris leitet, eine Rede den seiner Meinung nach größten Verlierer dieses Jahres: Der Brexit stand auf dem Programm. Die jungen Europäer waren am Wochenende vom ganzen Kontinent nach Menden gereist und hatten sich bereits vor Ort umgesehen.

Würden sie nicht alle Englisch sprechen, dann hätte man denken können, dass ein Mendener Gymnasium seine Abiturienten reichlich verspätet ehre: Die jungen Menschen aus allen Ecken Europas hatten sich für die Eröffnungszeremonie auf der Wilhelmshöhe nämlich ordentlich in Schale geworfen mit Anzügen und schicken Kleidern.

Rede auf Englisch übersetzt

Sitzungspräsident Albert Reverendo Mascort ließ es sich nicht nehmen, bei seiner kurzen Einleitung auch Dankesworte an die Stadt zu richten, das Europäische Jugendparlament erhalte beste Unterstützung in Menden, sagte er in gutem Englisch.

Dann war Bürgermeister Martin Wächter an der Reihe. Der setzte im Gegensatz zu den jungen Teilnehmern dann doch auf seine Muttersprache. EJP-Organisatoren hatten seine Rede im Vorfeld auf Englisch übersetzt – mittels Beamers wurden die englischen Worte des Bürgermeisters auf eine Leinwand geworfen. „Ich begrüße sie in einer Stadt, in der der europäische Gedanke gepflegt wird“, begann Wächter seine sehr kurze Rede und verwies auf Mendens zahlreiche Städtepartnerschaften und die hohe Aufnahmequote von Flüchtlingen. Wächters abschließender Appell an die EJP-Delegierten: „Helfen Sie mit, die Begeisterung für Europa zu wecken.“

Bestens vorbereitet

Wesentlich umfassendere Worte hatte ZDF-Journalist Theo Koll für die EJP-Teilnehmer vorbereitet. „Großbritannien hat den vergifteten Tee getrunken“, sagte Koll in seiner gut einstündigen metaphorisch – dabei hätte er selbst doch sein ganzes Hab und Gut darauf gewettet, dass die Briten nicht aussteigen würden.

Wie es sich für einen absoluten Profi gehört, ist ZDF-Korrespondent Koll bestens vorbereitet. Dennoch amüsiert eine leise Stimme aus dem Publikum sich ein bisschen über seine Aussprache des Englischen: „Er hat einen starken deutschen Akzent“, lautet die süffisante Kritik eines EJP-Delegierten – geäußert in feinstem Englisch.

Zum Ende hin mehrten sich die versteckten Blicke auf die Zeitanzeigen der Smartphones bei den jungen Zuhörern. Auch einige Stoßseufzer waren zu hören. Die abschließenden Worte des Ehrengastes reißen das Publikum dann doch zu einem lautstarken Abschiedsapplaus hin: „Der Brexit ist eine Chance für die junge Generation. Seid mutig und kreativ!“

 
 

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