Wie sicher sind Daten, warum Bild?

Gab Lesern bei Telefonaktion viele Tipps zur neuen Gesundheitskarte: Reinhard Neitzke
Gab Lesern bei Telefonaktion viele Tipps zur neuen Gesundheitskarte: Reinhard Neitzke
Foto: WP

Menden.. Zahlreiche WP-Leser nutzten Donnerstag die Gelegenheit gern. Sie stellten gleichermaßen kritisch und besorgt Fragen zum Thema elektronische Gesundheitskarte. Im Mittelpunkt dabei: Sicherheit der Daten, aber auch jener Aspekt: „Muss die Karte zwingend mit einem Foto von mir versehen sein?“

Reinhard Neitzke, Bezirksgeschäftsführer der Barmer-GEK, gab zahlreiche Tipps und vermittelte Hintergründe. Thema Sicherheit der Daten: „Vorläufig geschieht in diesem Bereich nichts.“ Denn es gibt derzeit noch keine Möglichkeit, Daten aufzuspielen oder sie gar zu vernetzen. Neitzke: „Diese Optionen sind noch nicht freigeschaltet.“

Gleichwohl, so der Fachmann, sei es mittelfristig politisch gewollt, dass die Karten für Patientendaten genutzt werden. Niemandem würde jedoch eine Entscheidung aufgezwungen. „Jeder Patient verfügt das individuell für sich.“

Welche Daten könnten oder sollten gespeichert werden? Neitzke: „Das könnten zum Beispiel Angaben über Allergie oder Medikamentenunverträglichkeit sein. So etwas wäre sicherlich bei Unfällen denkbar, wenn jemand sich nicht auf Fragen der Ärzte äußern kann.“

Wie sicher werden Daten auf den Karten sein, und werden sie möglicherweise ohne Weiteres Unbefugten zugänglich sein? Neitzke: „Jeder Versicherte bekommt eine eigene Pin-Nummer, der behandelnde Arzt muss im Gegenzug ebenfalls mit seiner besonderen Kennnummer eine Eintragung vornehmen. Vorher geht gar nichts.“

Thema Bild – das einzig der Erkennung dienen soll – auf der neuen Karte. Mehrere Anrufer äußerten Unbehagen. Darf sich jemand verweigern? Neitzke: „Nicht ohne Weiteres. Das Sozialgesetzbuch sieht diesbezüglich eine Mitwirkungspflicht der Patienten vor.“ Gleichwohl lässt der Gesetzgeber einige Ausnahmen zu. Etwa für Kinder unter 15 Jahren, Pflegebedürftige und dauerhaft im Ausland lebende Deutsche. Auch religiöse Gründe könnten geltend gemacht, müssten aber schriftlich begründet werden.

Was geschieht mit den bisherigen Karten? Neitzke: „Sie werden für eine Übergangsphase gültig bleiben.“ Das liegt jetzt vor allem in den Händen der Ärzte als Vertragspartner und am Zeitpunkt, wann sie Lesegeräte für die neuen Karten anschaffen. Neitzke: „Ich rechne damit, dass spätestens im nächsten Jahr die jetzt noch vorhandenen Lesegeräte aus den Praxen verschwinden.“ Somit hätte ein Totalverweigerer des neuen Systems auf jeden Fall Probleme.

Im Laufe der nächsten Wochen werden alle Krankenkasse – ausgenommen private – Formulare für die neue Gesundheitskarte verschicken.

 

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