Wenn einfach schon das Reden gut tut

Thekla Hanke
Stärken entwickeln wie ein Chamäleon seine bunten Farben.
Stärken entwickeln wie ein Chamäleon seine bunten Farben.
Foto: WP

Menden. Der Caritasverband hat in der Familien- und Erziehungsberatungsstelle ein für Menden neues Angebot ins Leben gerufen. „Chamäleon“ heißt die Gruppe für Kinder von acht bis zwölf Jahren, deren Eltern süchtig oder psychisch krank sind – oder sogar beides. Das Angebot soll sie unterstützen und ihnen dabei helfen, ihre Stärken zu entwickeln.

Joachim Peters, Leiter der Erziehungsberatungsstelle in der Klosterstraße, geht es vor allem darum, den Kindern das Schicksal ihrer Eltern zu ersparen. „Junge Menschen, deren Eltern alkoholabhängig sind, tragen ein sechsfach erhöhtes Risiko, selbst süchtig zu werden“, sagt Peters. In Stress- und Konfliktsituationen übernähmen sie die Lösungsmuster ihrer Eltern. Die Gruppe, für die der Caritasverband mit der Suchtkrankenhilfe Menden kooperiert, soll die Kinder stärken und sie dabei unterstützen, ihren eigenen Lebensweg zu finden.

Die Mendener Diplom-Pädagogin und Heilpädagogin Barbara Pollok leitet die Chamäleon-Gruppe, die sich seit September jeweils mittwochs um 15 Uhr in den Räumen der Erziehungsberatungsstelle trifft. Noch sind es erst wenige Kinder. Barbara Pollok weiß, dass für sie eine feste und verlässliche Gruppenstruktur enorm wichtig ist: „Viele der Kinder erleben zu Hause ständig einen Ausnahmezustand. Sie übernehmen ganz viel Verantwortung und kümmern sich auch um ihre kleinen Geschwister.“ In der Gruppe stehen sie mit ihren Sorgen und Nöten im Mittelpunkt.

Zeit zum Zuhören

Zu Beginn sprechen die Kinder über die vergangene Woche. Manchmal seien es Kleinigkeiten, die zur Sprache kämen, erzählt Barbara Pollok. Vor allem aber hören die Kinder, dass andere zu Hause Ähnliches erleben. Die Pädagogin merkt, dass es den Kindern gut tut auszusprechen, was sie sonst anderen gegenüber stets verschweigen müssen. Aus Scham. Und „weil das kein anderer wissen darf“, erzählen sie Barbara Pollok. Deshalb gilt für die Gruppe: „Was wir dort besprechen, bleibt unter uns.“

Zeit zum Zuhören nimmt sich Barbara Pollok auch während des gemeinsamen Imbisses am schön gedeckten Tisch. Zuvor werden ganz nach Wunsch der Kinder Spiele angeboten. Die Pädagogin berichtet auch von positiven Rückmeldungen der Eltern: „Ich sehe, dass die Mütter sehr glücklich darüber sind, dass ihre Kinder zu uns kommen können.“

In Iserlohn hat der Caritasverband bereits vor einigen Jahren eine Gruppe für Kinder aus suchtbelasteten Familien gegründet, in Hemer folgte eine weitere Gruppe für Kinder, deren Eltern psychisch krank sind. In Menden wird das Angebot in einer weiteren Gruppe nun zusammengefasst. „Wir haben festgestellt, dass die Schwierigkeiten der Kinder ähnlich sind“, sagt Joachim Peters. Das Chamäleon als Gruppen-Symbol habe die Kinder schnell angesprochen. Es kann sich fast unsichtbar machen, aber auch in leuchtenden Farben strahlen.

Der Caritasverband finanziert die Chamäleon-Gruppe ausschließlich über Spenden. „Manchmal können wir mit Theater- oder Kinobesuchen den Kindern Wünsche erfüllen, die in der Familie nicht möglich sind“, sagt Peters. Weitere Spenden sind deshalb willkommen (Caritasverband Iserlohn, BLZ 445 500 45 Sparkasse Iserlohn, Konto 11 12 11). In die Gruppe können noch weitere Kinder aus Menden und Balve aufgenommen werden. Kontakt: 02373/ 959650 (Familien- und Erziehungsberatungsstelle).