Wenn die Tochter sich fast zu Tode hungert

Foto: Philipp Georg

Menden..  Wenn ganze Familien an der schweren Suchterkrankung eines Angehörigen schier zu zerbrechen drohen. Frau B. hat nahezu hilflos miterleben müssen, wie sich ihre Tochter regelrecht zu Tode hungert. Der medizinische Name der Krankheit: Anorexia nervosa. Der Volksmund spricht von Magersucht.

Bereits für die betroffenen Erkrankten ist es schwierig, qualifizierte therapeutische Hilfe zu erhalten. Selbst bei schweren Verläufen dauert es mitunter Monate, bis ein Platz in einer stationären Einrichtung frei wird. „Es war eine Zeit härtester Prüfungen für uns “, blickt Frau B. gegenüber der WP zurück.

Trügerische Wahrnehmung

Es ist vielfach eine extrem verzerrte Wahrnehmung bei den Betroffenen, die immer mehr abmagern, sich aber selbst für viel zu dick halten. Der Blick in den Spiegel wird immer trügerischer. Die Waage wird zum Maß aller Dinge. Gute Tage, falls es die überhaupt gibt, sind nur diejenigen, an denen wieder Gewicht reduziert werden konnte.

Bei den Angehörigen ist es die extreme Sorge um das geliebte Kind in den Fängen der Sucht, aber auch nicht minder die eigene Hilflosigkeit. Und immer wieder die quälenden Gedanken. „Geht das nur mir so? Wie werden andere Familien damit fertig?“

Der geschilderte Fall könnte gut ausgegangen sein. Nach einer langen Therapiezeit konnte das Gewicht der jungen Mendenerin stabilisiert werden. Eine Rückfallgefährdung bleibt jedoch – wie bei anderen Suchterkrankungen – ein Leben lang bestehen. Denn was Gesunde kaum verstehen können: Magersüchtige werden auch nach den Therapien kaum jemals wieder Lust-betont Nahrung zu sich nehmen können.

Frau B. hat zuletzt auch immer wieder in der Region nach Selbsthilfegruppen recherchiert, wurde aber nicht fündig: „Für uns Angehörige gibt es nirgendwo Hilfe.“ Aus diesem Grund möchte sie eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Kranken mit Essstörungen gründen. Ein erstes Treffen ist für Montagabend, 19 Uhr, in den Räumen der Suchtberatungsstelle Menden, Westwall 19, geplant. Interessierte können bereits jetzt Kontakt aufnehmen. Die E-Mail-Adresse: selbsthilfe-menden@gmx.de

Gruppentreffen werden zukünftig regelmäßig jeweils am ersten Montag eines Monats stattfinden.

Anmerkung der Redaktion: Die Initiatorin der neuen Gruppe hätte nichts dagegen gehabt, dass für den WP-Bericht ihr Name genannt wird. Mit Rücksicht auf ihre Tochter und weitere Angehörige ist das nach Absprache unterblieben.

Die meisten Erkrankten nehmen sich trotz zunehmenden Untergewichts als zu dick wahr. Ihr Selbstwertgefühl hängt extrem stark davon ab, das Körpergewicht kontrollieren zu können. Die Gedanken der betroffenen Patienten sind extrem eingeengt. Es geht vornehmlich nur noch um die Themen Ernährung und Körpergewicht.

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