Von Menden fährt kein Zug mehr in die Metropole

Der Förderverein Oesetalbahn lud am Samstag zum letzten Mal zu Sonderfahrten von Hemer nach  Dortmund ein.
Der Förderverein Oesetalbahn lud am Samstag zum letzten Mal zu Sonderfahrten von Hemer nach Dortmund ein.
Foto: WP

Menden/Hemer..  Regelmäßige Fahrten von Mendens Bahnhof aus in die nächste Großstadt sind selten. Seit Mai veranstaltet der Förderverein Oesetalbahn Sonderfahren,d ie zeigen sollen, wie attraktiv und nachgefragt die Strecke ist. Doch Ende Oktober erlischt die Betriebserlaubnis des Vereins.

Um 9.47 Uhr, so stand es im Plan, sollte er losfahren, der Zug nach Dortmund. Schon um kurz nach neun am Morgen tummelte sich die Menge auf dem schmalen Bahnsteig. Hemer stand auf dem Schild. Von dort direkt ins Ruhrgebiet, ohne umzusteigen, das alles in einer knappen Stunde – die Oesetalbahn hat es möglich gemacht. Am vergangenen Wochenende jedoch möglicherweise zum allerletzten Mal.

Die Diskussion ist bekannt: Die Strecke Hemer – Dortmund, die auch über den Bahnhof Menden führt, sie ist derzeit kein offizieller Schienenabschnitt im Sauerlandnetz. Und das heißt, regelmäßige Fahrten in die nächste Großstadt, aber auch zwischen den Nachbarstädten Hemer und Menden, existieren im Fahrplan nicht. Der Förderverein Oesetalbahn will das ändern. Seit Mai veranstaltet er Sonderfahrten, die zeigen sollen, wie attraktiv und vor allem nachgefragt die Verbindung ist. Am vergangenen Wochenende hieß es noch einmal „Abfahrt“, denn am 31. Oktober erlischt die Betriebserlaubnis des Vereins.

Die Verantwortlichen sind sich sicher: Das Wochenende hat gezeigt, dass die Bevölkerung die Strecke ebenso will. Allein in den ersten drei Fahrten Dortmund – Hemer – Dortmund, transportierten die drei Waggons der Prignitzer Eisenbahn 600 Passagiere. Das kostenlose Angebot war da, die Nachfrage sehr groß. „Der Kostenfaktor ist nicht allein ausschlaggebend. Viele wären auch bereit gewesen, eine Fahrkarte zu kaufen“, sagt Matthias Gast vom Förderverein. Nun sei es an der Stadt Hemer, auf all die Signale zu reagieren.

Stadt muss sich für den Erhalt aussprechen

Denn ohne die Stadt kann der Verein Sonderfahrt um Sonderfahrt anbieten, ausrichten kann er damit nichts: Alle acht Jahre schreibt der ZRL, der Zweckverband Ruhr-Lippe, das Streckennetz neu aus. Das nächste Mal 2013. „Wir als Verein haben keinen Einfluss darauf. Die Stadt muss sich, wie Menden das auch schon getan hat, für den Erhalt aussprechen und es dem ZRL signalisieren“, so Gast.

2013, das Jahr ist das große Ziel des Fördervereins. Bis dahin will er ein Umdenken der Politik bewirkt haben und setzt bei diesem Vorhaben auch auf die Bevölkerung. „Die Stadt argumentiert damit, dass diese die Verbindung nicht will. Aber wir haben gezeigt, dass das nicht stimmt“, berichtet Vereinsmitglied Ingrid Ketzscher.

Im Zug selbst einmal nachgehorcht sind die Stimmen tatsächlich positiv. „Ich arbeite in Hemer und komme aus Menden. Mit einer direkten Verbindung zwischen den Städten würde ich auch auf das Auto verzichten“, verrät eine Mutter, die die Fahrt am Wochenende für einen Ausflug nutzte. Ihr Mann stimmt zu: „Der Verkehr muss ordentlich getaktet sein, dann lohnt sich die Strecke. Schon wegen der Pendler und mancher Schüler.“

Nicht die einzigen Argumente der Fahrgäste: „Für ältere Menschen ist die Verbindung ein klarer Vorteil. Es wird diskutiert, dass Ältere den Führerschein abgeben sollen, aber Alternativen gibt es nicht.“ Und ein ganz praktischer Grund, der die Großstadt betrifft: „Manch einer steht in Dortmund 50 Minuten vor dem Parkhaus und wartet. So ist er direkt in der Innenstadt.“ Für Mendener und Hemeraner ist die Alternative zum Umstieg in Fröndenberg wichtig. „Es geht darum, eine Region zu entwickeln. Das funktioniert nur mit guten Verbindungen“, so die deutlichen Worte eines Reisenden.

Erst einmal bleiben die Schranken nun aber oben. Der Verein muss eine neue Betriebserlaubnis beantragen. Wie es mit der Oesetalbahn weitergeht, bleibt vorerst offen.

 

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