Vierfacher Vater auf der Anklagebank

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Menden.. Nach kriminologischen Studien wird ein Großteil der Fälle sexuellen Missbrauchs an Kindern im familiären Umfeld begangen. Ein Fall, der seit gestern vor dem Landgericht Arnsberg verhandelt wird, könnte dieses Forschungsergebnis stützen.

Kaum eine Viertelstunde dauert gestern der erste Verhandlungstag vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Arnsbergs, vor der sich ein 43 Jahre alter Mann aus Menden verantworten muss. Der Familienvater soll laut Anklage seine älteste Tochter, heute 19 Jahre alt, zwischen 1999 und 2008 mehrfach vergewaltigt und sexuell missbraucht haben. Als Tatorte listet Staatsanwalt Klaus Neulken in seiner Anklageverlesung auf: ein Campingplatz, Keller und Zimmer der Familienwohnung, eine Tiefgarage und Lkw. In mehreren Fällen sollen sich die Missbrauchs­taten ereignet haben, als die damalige Ehefrau des Angeklagten sich an ihrem Arbeitsplatz befand.

Zum Prozessauftakt will sich der 43-Jährige, der in einer Pflegefamilie aufwuchs, weil seine Mutter Alkoholikerin war, nicht zu den ihm zur Last gelegten Taten äußern. Der nicht vorbestrafte Mann macht lediglich Angaben zur Person, zum Beispiel, dass er seit Mitte des vergangenen Jahrzehnts von seiner Ehefrau geschieden ist, dass er keinen Kontakt mehr zu seinen vier Kindern hat und dass sein Beruf auch gleichzeitig sein Hobby ist: „Das muss nicht jeder verstehen“, sagt der Mendener, der gestern nicht mit der Zeugenaussage des mutmaßlichen Opfers, seiner eigenen Tochter, konfrontiert werden konnte. Deren Anwältin ist wegen eines anderen Gerichtstermins verhindert.

Am nächsten Prozesstag am kommenden Freitag ist die heute 19-Jährige als Zeugin geladen. Vorsitzender Richter Willi Erdmann („In diesem Verfahren ist noch so viel ­offen“) jedenfalls geht von einer schwierigen Wahrheitsfindung im Landgericht Arnsberg aus: „Wenn es um Dinge geht, die sich zwischen zwei Menschen zugetragen haben, ist das immer schwer.“

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