Treuhänder versagt mit 148.000 Flaschen Wein

Dienstag am Amtsgericht Menden verhandelt: Schwere Untreue mit 148 000 Flaschen Wein.
Dienstag am Amtsgericht Menden verhandelt: Schwere Untreue mit 148 000 Flaschen Wein.
Foto: WP
Er war ein seit mehr als 20 Jahren angesehener Geschäftsmann, der auch schon mal mit Wein handelte. Die ihm treuhänderisch anvertrauten 148 000 Flachen Wein verkaufte er nur zum Teil. Das Schöffengericht machte Dienstag einen besonders schweren Fall der Untreue aus.

Menden.. Klaus H. (Name geändert) hatte Beziehungen und einen guten Ruf. Er verfügte über enorm viel Fachwissen in Sachen Wein, war Sachverständiger und Gutachter. In dieser Funktion wurde er Anfang 2009 für einen Insolvenzverwalter in Saarbrücken tätig. Der Mendener taxierte den Marktwert für 240 Paletten mit 148 000 Flaschen Wein aus einer Insolvenzmasse auf etwa 156 000 Euro. „Den Verkauf größerer Mengen habe ich in anderen Fällen schon mehrfach gut hinbekommen“, gab es durchaus auch Beziehungen zu bundesweit tätigen Discounter-Marktriesen und Referenzen. Er erhielt als Treuhänder den Zuschlag.

Ein zu erwartender Erlös aus dem Gesamtgeschäft kam ohnehin wie gerufen. Denn Klaus H. war gerade mit seinem Betrieb in erhebliche Turbulenzen geraten und stand kurz vor der Zahlungsunfähigkeit. „Sie haben also gezockt, obwohl ich diesen Begriff nur ungern verwende“, befand der Vorsitzende Richter Festersen.

Vielleicht hätte es geklappt, ein Loch mit dem anderen zu stopfen. Der Wein jedenfalls wurde nach Menden gekarrt: „Damit Interessenten ihn vor Ort und nicht in Saarbrücken anschauen konnten“, äußerte sich der Angeklagte.

Aufgrund guter Beziehungen zu einer Spedition wähnte er sich sogar in Bezug auf die Transportkosten auf der sicheren Seite. Als jenes Unternehmen jedoch in einem anderen aufging, wollten dessen Chefs nicht noch weitere Monate auf dem Geld für Transporte und Lagerung sitzen bleiben. Pfändungsrecht wurde geltend gemacht, der Wein bei Versteigerungen zumindest teilweise regelrecht verhökert.

War es wirklich nur geschäftliches Versagen? Private Schicksalsschläge mit tragischem Ausmaß kamen hinzu. Klaus H. jedenfalls konnte nicht ansatzweise halten, was er treuhänderisch erledigen sollte. Einzig geringe Mengen des Bestandes verkaufte er. Den Vertrag mit dem Saarbrücker Insolvenzverwalter erfüllte er nur ansatzweise.

Klaus H. verschwieg gestern vor dem Schöffengericht nichts. Was ihm besonders wichtig war. „Eine Gefahr für das Treugut kam nur als Verkettung unglücklicher Umstände zustande, die ich bei Abschluss des Vertrages nicht vorhergesehen habe.“

Der einst so erfolgreiche Geschäftsmann – „Ich lebe derzeit von den Einkünften meiner Frau“ – hat auch seinen Betrieb nicht halten können. Weil er sich in diesem Zusammenhang wegen Insolvenzverschleppung und Unterschlagung bereits vor Gericht verantworten musste, lag das Urteil trotz des kooperativen Verhaltens auch deutlich über dem Mindeststrafmaß von sechs Monaten Freiheitsstrafe.

Das Schöffengericht verhängte 14 Monate, die auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt werden. Zusätzlich sind 200 Sozialstunden in einer Bibliothek abzuleisten.

 

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