Sylvia Wallasch ist seit 100 Tagen Feuerwehrchefin in Menden

Seit gut 100 Tagen ist Sylvia Wallasch, hier vor der Feuerwache, Chefin der hauptamtlichen Feuerwehr.
Seit gut 100 Tagen ist Sylvia Wallasch, hier vor der Feuerwache, Chefin der hauptamtlichen Feuerwehr.
Foto: WP

Menden.. Gut 100 Tage ist Sylvia Wallasch nun Feuerwehrchefin in Menden. Die 37-Jährige fühlt sich gut aufgenommen von „ihren“ gut 60 Mitarbeitern in der hauptamtlichen Feuer- und Rettungswache am Ziegelbrand. Zeit für eine erste Bilanz.

WESTFALENPOST: Sie sind als Feuerwehrchefin erst die zweite Frau in Nordrhein-Westfalen, die dieses Amt übernommen hat. Wie waren die ersten Wochen?

Sylvia Wallasch: Ich bin hier gut aufgenommen worden. Die Herren haben es mir leicht gemacht. Zudem gab es ähnlich wenige Frauen in meinem Studium der Sicherheitstechnik: Von 200 Studenten waren zwei Frauen. Und als ich als Sicherheitsingenieurin bei Thyssen in Duisburg gearbeitet habe, war das ebenfalls eine männerdominierte Welt. Das ist also nichts Neues für mich.

Sind Sie in Menden die einzige hauptamtliche Feuerwehrfrau?

Nein, es gibt noch eine weitere Feuerwehrfrau.

Vielleicht ist eine Frau an der Spitze der Feuerwehr eine Motivation für junge Mädchen, sich stärker für diese Branche zu interessieren?

Ich weiß nicht, ob das tatsächlich andere Frauen motiviert. Wer in den mittleren Dienst will, muss eine handwerkliche Ausbildung abgeschlossen haben. Und wer in den gehobenen Dienst möchte, muss ein naturwissenschaftliches oder ingenieurwissenschaftliches Studium absolviert haben. Das reduziert den Kreis der Bewerberinnen schon erheblich.

Haben Sie Menden und die Mendener schon etwas kennen lernen können?

Die meiste Zeit verbringe ich naturgemäß auf der Wache. Hinzu kommen aber auch zahlreiche Gespräche, um die Menschen hier kennen zu lernen. Als gebürtige Solingerin kann ich sagen, das die Charaktere der Menschen im Bergischen Land und der Sauerländer so unterschiedlich nicht sind. Und wenn ich die Zeit dafür habe, gucke ich mich natürlich gerne in Menden um, damit ich die Stadt immer besser kennen lerne.

Sie haben bislang im Solinger Stadtteil Gräfrath gewohnt. Haben Sie schon eine Wohnung in Menden gefunden?

Ja, ich ziehe zum 1. November um.

Bislang sind Sie noch nicht Chefin der Freiwilligen Feuerwehr. Wann wird dieser Schritt folgen?

Zur Freiwilligen Feuerwehr gehören in Menden knapp 300 Leute. Ohne die Freiwilligen ginge hier überhaupt nichts, das System würde zusammenbrechen. Vor einer Wahl möchte ich zu jeder Gruppe in Ruhe gehen, möglichst auch mehrmals. Ich habe bislang nur zwei der Löschgruppen besser kennen lernen können. Mehr hat zeitlich noch nicht geklappt. Der genaue Termin für die Wahl steht noch nicht fest. Ich denke, Anfang kommenden Jahres ist ein realistischer Zeitpunkt.

War das Feld, das Sie übernommen haben, gut bestellt?

Die Feuerwehr Menden hat einen guten Grundstock und muss sich nicht verstecken. Es gibt aber mit Sicherheit Sachen, die man verbessern kann. Das sieht man oft als Externer schneller als wenn man schon viele Jahre hier arbeitet. Wichtig ist mir, nicht herzukommen und alles anders machen zu wollen. Ich möchte die Leute auf dem Weg mitnehmen.

Beim Personal gibt es kein Sparpotenzial

Welche Baustellen sehen Sie für die nähere Zukunft?

Eine Baustelle ist beispielsweise die Aus- und Fortbildung, die mir sehr am Herzen liegt. Ob Hauptamtliche oder Ehrenamtliche – wir müssen alle in der Lage sein, das Gleiche zu machen.

In den vergangenen Monaten ist viel darüber diskutiert worden, dass die Feuerwehr eine halbe Million Euro Kosten einsparen soll. Ist das ein realistisches Ziel?

Wenn man bei der Feuerwehr sparen will, dann geht das dauerhaft nur über Personal. Aber da sehe ich in Menden überhaupt keine Luft. Ich weiß nicht, wo ich hier streichen könnte. Die Tendenz geht deshalb meiner Ansicht nach eher dahin, interkommunal mit Hemer und Iserlohn stärker zusammenzuarbeiten. Das kann beispielsweise im Bereich der Aus- und Fortbildung oder auch bei der Beschaffung von Einsatzkleidung oder der Ausschreibung für einen neuen Rettungswagen der Fall sein. Durch interkommunale Zusammenarbeit könnte man effektiv Kosten sparen – aber keine 500 000 Euro.

Gibt es hier schon Ergebnisse?

Es gibt erste Annäherungen. Aber das Ganze braucht Zeit, das geht nicht von heute auf morgen. Erst mal muss auch abgeklärt werden: Ist das politisch gewollt?

Der Brandschutzbedarfsplan ist politisch schon diskutiert worden. Wie ist hier der aktuelle Stand?

Der Brandschutzbedarfsplan ist immer noch nicht durch. Zurzeit bessert der Gutachter noch mal nach. Ich hoffe, dass der Brandschutzbedarfsplan im November fertig ist und dann Anfang des Jahres noch mal in die Politik kommt.

Menden ist eine der wenigen Städte, die noch eine Einsatzzentrale vor Ort haben. Bleibt das so oder landen die Anrufer künftig nicht mehr in Menden, sondern bei der Leitstelle in Lüdenscheid?

Die Nachrichtenzentrale zu halten, wird schwierig sein. Die Tendenz geht eindeutig zur Kreisleitstelle. Hinzu kommt, dass unsere Zentrale technisch umgerüstet werden müsste, wenn der Digitalfunk kommt. Damit wären auch noch mal Kosten verbunden.

Wenn Mendener mit ihren Notrufen künftig in Lüdenscheid landen würden: Dauert es länger, bis die Hilfe vor Ort ankommt?

Die Disponenten am Telefon müssen natürlich so geschult sein, dass alle wichtigen Informationen für den Einsatz vorliegen. Dennoch ist die Nachrichtenzentrale vor Ort unschlagbar in Sachen Geschwindigkeit. Der Zentralist hier kann sofort eine Durchsage machen und die Kollegen damit zum Einsatz schicken. Bei der Kreisleitstelle in Lüdenscheid ist der Weg umgekehrt: Der Zentralist muss erst die Informationen ins PC-System einpflegen.

 
 

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