„Südwestfalen muss das Dach sein“

Menden..  Franz-Josef Lohmann, im Jahr 2000 Begründer und seither Geschäftsführer der Wirtschafts-Initiative Nordkreis (WIN), wird am kommenden Montag in Iserlohn feierlich aus dem Amt verabschiedet, kurz vor seinem 80. Geburtstag. Wir baten „Mr. WIN“, wie der frühere Mendener Stadtdirektor in Unternehmerkreisen respektvoll genannt wird, um ein Interview. Und erhielten prompt die Einladung ins Haus der Lohmanns an der Werringser Straße.

Herr Lohmann, wenn Sie heute zurückblicken: Was sind aus Ihrer Sicht die drei größten Erfolge der WIN?

Franz Josef Lohmann: Wir haben die Zusammenarbeit der Städte Iserlohn, Menden, Hemer und Balve deutlich verstärkt und viel Kirchturmdenken abgebaut. Wir haben geholfen, unternehmerisches Denken in die Verwaltung zu tragen. Und wir haben mit einem gemeinsamen Städteplan, mit Konzepten zur Verkehrsentwicklung, einem interkommunalen Gewerbegebiet und vielen anderen Projekten auch selbst immer wieder neue Anstöße gegeben.

Was war seinerzeit der Anlass, die WIN überhaupt zu gründen?

1994, damals noch als Stadtdirektor, saß ich am Schreibtisch und dachte: Menden kann die Probleme der Zukunft nicht allein lösen. Da man die kommunale Neugliederung von 1975 nicht wieder anfassen mochte, mussten andere Lösungen her. Zunächst galt es, vor Ort eine Vernetzung von Politik und Wirtschaft hinzubekommen. Aus diesem Gedanken heraus entstand der Initiativkreis Mendener Wirtschaft. Dessen Initiatoren hießen Lohmann, Ott-Heinrich Plote, Karl-Heinz Katzenbach, Franz-Josef Schulte, Hans-Joachim Künzel und einige andere.

Und wie kam es zur WIN?

Das war der nächste Schritt: Wir wollten die Nordkreis-Initiativen zusammenbringen. Und um zu verhindern, dass Iserlohn in einem Städtenetz optisch dominierte, kam Balve dazu. Das hat sich im Nachhinein als kluge Entscheidung erwiesen. Dafür, dass wir das alles überhaupt geschafft haben, bin ich meinen Freunden Sigurd Pütter und Gustav-Dieter Edelhoff besonders dankbar.

Wie sieht die Aufteilung heute aus?

Was die Beiträge angeht, haben wir damals als Schlüssel für Iserlohn 45, für Menden 27, für Hemer 18 und für Balve 10 Prozent genommen. Das sollten auch Stimmanteile sein, aber das war überflüssig. Wir waren meist einer Meinung. Und wir kommen bis heute mit einem Jahresbeitrag von 5500 Euro aus, auch wenn uns das kaum einer glaubt. 2002 kam dann das Städtenetz des Nordkreises dazu, durch Ratsbeschlüsse aller vier Städte.

Trotz dieser Einigkeit ist in den bisherigen 16 WIN-Jahren auch nicht alles gelungen.

Richtig, aber es hätte schlimmer kommen können. Zum einen ist das Kirchturmdenken hartnäckig. Hinzu kommt bei manchen Bürgermeistern eine verständliche Neigung zur Selbstdarstellung. (schmunzelt.) Und es gibt Ideen, die sind dermaßen gut, dass sie schon von daher undurchführbar sind. Das Projekt des interkommunalen Gewerbegebietes scheiterte daran, dass das Land die Mittel dafür – mitten in der Entwicklungsarbeit – anderweitig einsetzte. Der Lückenschluss der A46, für den wir uns immer eingesetzt haben, oder die Sanierung der kommunalen Finanzen, zu denen wir mit Prof. Junkernheinrich den Wissenschaftspapst dieser Disziplin einladen konnten, haben sich als Dauerläufer erwiesen.

Wie sieht die Zukunft der Vernetzung in der Region aus?

Das muss natürlich weitergehen. Wobei sich die Zusammenarbeit in Notzeiten immer besonders bewährt. Lassen Sie mal das Zinsniveau wieder steigen, dann steht manche Stadt vor finanziellen Problemen, von denen sie heute noch gar nichts ahnt.

Wie kann die Fortführung der Kooperationen konkret aussehen?

Heute muss Südwestfalen das Dach bilden. Allerdings ist das schwierig, denn zum einen braucht es dafür herausragende Persönlichkeiten an der Spitze, und die sind für mich im Augenblick nicht erkennbar. Das zweite Problem liegt darin, dass wir heute viele Organisationen haben, die unkoordiniert an ähnlichen Dingen arbeiten. Da ist die Südwestfalen-Agentur, da ist Sauerland Initiativ, da ist der Marketingclub Südwestfalen, um nur einige zu nennen. Die sollen alle ihre Identität behalten, ebenso wie die Städte. Aber dieser tolle Landstrich, die stärkste Wirtschaftsregion in NRW und drittstärkste in Deutschland, hat EINE wirksame Vertretung verdient. Da muss es hingehen!

 
 

EURE FAVORITEN