Stadt Menden räumt Haus mit 56 gemeldeten Bewohnern

Die Stadt Menden hat am Lenzen Platz Unnaer Straße ein Haus geräumt, weil es massive Verstöße gegen den Brandschutz gab. Ersatzquartiere für die Bewohner gab es in der leeer stehenden Grundschule Bösperde.
Die Stadt Menden hat am Lenzen Platz Unnaer Straße ein Haus geräumt, weil es massive Verstöße gegen den Brandschutz gab. Ersatzquartiere für die Bewohner gab es in der leeer stehenden Grundschule Bösperde.

Menden..  Sie konnte nur das Nötigste mitnehmen. Stephanies Kleidung stapelt sich jetzt auf dem Boden in dem ehemaligen Büroraum der Nikolaus-Groß-Grundschule Bösperde. Die 26-Jährige schlägt auf dem Bett die Zeit tot. Das leerstehende Gebäude ist Übergangsquartier für knapp 20 Personen. In ihr altes Zuhause am Lenzen Platz werden die Familien wohl nicht mehr zurückkehren.

Die Stadtverwaltung hatte das Gebäude an der Kreuzung Unnaer Straße/Am Alten Amt am späten Mittwochabend mit großem Aufwand räumen lassen. An dem Großeinsatz waren auch Polizei, Feuerwehr und Rotes Kreuz beteiligt. Sebastian Arlt, Erster Beigeordneter und Jurist, schildert dramatische Zustände in dem Gebäude: „Eine zuletzt durchgeführte Besichtigung des Mehrfamilienhauses brachte aus unserer Sicht derart eklatante Sicherheitsmängel des Gebäudes im Brandschutz zum Vorschein, dass wir uns als Stadt zum sofortigen Handeln gezwungen sahen.“ Bewohner berichten gegenüber der WP von einem eingestürzten Balkon. Im Haus sollen Abwasserrohre geplatzt sein, Fäkalien aus der Decke tropfen und Ratten durch Wohnungen laufen.

Prüfung dauert noch an

Die Stadt hat nun ein Betretungsverbot für das Gebäude verhängt. Eine Alternative zur Räumung habe es nicht gegeben. Arlt: „Aufgrund akuter Gefahr für das Leben und die Gesundheit der 56 melderechtlich erfassten Bewohner, darunter zahlreiche Familien mit Kindern, musste ich so handeln.“

Längst nicht alle der dort gemeldeten 56 Bewohner waren bei dem Großeinsatz auch anwesend. Für die Stadtverwaltung und die Polizei stellen sich jetzt mehrere Fragen: Können tatsächlich 56 Menschen auf begrenztem Raum und nur drei Etagen menschenwürdig gewohnt haben? War es möglicherweise nur eine Meldeadresse für mehrere Menschen aus bettelarmen osteuropäischen Ländern, um in Menden Sozialleistungen zu kassieren? Arlt mochte sich gegenüber der WP dazu nicht äußern. Gleichwohl kündigte er an: „Da wird noch viel zu prüfen sein. Wir werden alle Bewohner über ihre Rechte informieren.“

Die ausgelagerten, tatsächlich vorhandenen Bewohner sollen in der kommenden Woche neue Wohnungen der Gewoge vermittelt bekommen. Viele freuen sich auf ein neues Zuhause, die wenigsten wollen zurück in das „Horror-Haus“. Der Besitzer des Gebäudes war für die WP nicht zu sprechen.

Glück, dass die ehemalige Grundschule vorübergehend Herberge war. In städtischen Wohnheimen gab es nach zuletzt massiven Flüchtlingszuzügen zu jenem Zeitpunkt keinen Unterkunftsplatz. DRK und Stadtverwaltung konnten noch Mittwochnacht Verpflegungs- und Betreuungsangebote binnen kürzester Zeit sichern. Arlt: „Hilfreich war die Unterstützung durch die Betreiber des Frischemarktes Platte Heide, der dem DRK einen Einkauf von Lebensmitteln außerhalb der Öffnungszeiten ermöglichte.“

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