Stadt kommt nicht an Radfahrern vorbei

Radfahren in der Fußgängerzone. Eines vorweg: ich bin kein Mendener und hätte primär keinen Vorteil, in der dortigen Fußgängerzone Rad fahren zu dürfen.

Anders sieht es für viele Schüler und Schülerinnen aus, die nicht per Elterntaxis vor die Schule

gefahren werden, „weil der Schulweg ja so gefährlich ist“. Sie sind die hauptsächlichen

Leidtragenden der Entscheidung des Verkehrsausschusses vom 11. November, sich gegen eine

Öffnung der Fußgängerzone für RadfahrerInn auszusprechen. Wie sollen beispielsweise Schüler aus dem Lahrfeld zum Walramgymnasium gelangen, ohne Elterntaxis und ohne

überfüllte und miefige Busse? Studien haben übrigens ergeben, dass Kinder, die morgens mit dem Rad zur Schule kommen, viel aufnahmefähiger sind als jene, die sich chauffieren lassen. Ich kann die Bedenken gegen eine Öffnung der Fußgängerzone durchaus verstehen. Zu viele Idioten auf Rädern verhalten sich rücksichtslos. Aber was ist mit jenen Radfahrern, die sich vernünftig

verhalten? Sollen sie die bestehenden Radwege nutzen? Mir ist kein Radweg in Menden bekannt,

den sich Rad Fahrende nicht mit Fußgängern teilen müssen.


Letzte Konsequenz aus der Entscheidung des Verkehrsausschusses (Schutz der Fußgänger) muss also lauten: Gehwegbenutzungspflichten für Radfahrer abschaffen und rauf auf die Fahrbahn, wo Fahrzeuge nun mal hingehören. Da viele Menschen aber teils zurecht Angst haben, auf der Fahrbahn zu fahren,

stehen Investitionen an: Objektiv und subjektiv sichere Radverkehrsanlagen und – sicher zum Unmut der Autobesessenen - flächendeckendes Tempo 30 in der City.

Langfristig kommt keine Stadt daran vorbei, etwas für den Radverkehr zu tun, denn dieser ist in. Immer mehr junge Familien, die sich räumlich verändern wollen, suchen sich lebenswerte Städte aus, in denen man die Kinder weitestgehend autonom am Verkehr teilnehmen lassen kann. Will Menden den Einwohnerschwund entgegenwirken, müssen Politik und Verwaltung über ihren

Schatten springen und etwas für den nachhaltigen Verkehr machen.

Zum Abschluss noch ein Eindruck von mir. Ich bin quasi Nur-Radfahrer und nutze dieses Verkehrsmittel unter anderem auch auf Einkaufsfahrten. Menden bleibt dabei aber außen vor. Nicht, weil ich nicht in der FuZo fahren darf (das darf ich in Iserlohn während der Geschäftszeiten auch nicht), sondern weil es keine bis viel zu wenig sichere und gute Abstellanlagen für Fahrräder gibt. Oder bin ich nur zu doof, die Dinger zu finden? Irgendwo hinterm Rathaus soll wohl eine Abstellanlage

versteckt sein.

Karsten Obrikat, Iserlohn