Sportlegenden für die Hönnestadt

Die Sportlegenden Heinz Schlundt und Hans Wever bereicherten Leichtathletik und Huckenohl-Stadion
Die Sportlegenden Heinz Schlundt und Hans Wever bereicherten Leichtathletik und Huckenohl-Stadion
Foto: WP

Menden. Wenn sich bei der Voll­endung des Huckenohl-Stadions in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts etwas als besonders nützlich herausgestellt hat, war es die Aschenbahn. Was war das für ein Trubel, was wurde abends hart aber mit viel Freude trainiert. Was sind doch gewisse Namen bis heute im Gedächtnis geblieben, spricht man immer noch mit Respekt von erfolgreichen Läufern, Springern und Werfern wie Ferdi Ebel, Horst Fischer, Hans-Walter Friedrich. Oder Herbert Schröder, Helmut Klawonn, Wilhelm von Estorff, Burghard Krüper oder Bubi Fischer. Nicht zu vergessen Helga Sträter und sicher noch viele andere, die beim SuS Menden 09 oder dem Nachfolgeverein LAV (Leichtathletikvereinigung) Menden trainierten. Zwei Namen aus jenem Jahrzehnt aber schweben über allen: Heinz Schlundt und Hans Wever. Beide Jahrgang 1922. Heinz Schlundt ist 1994 verstorben, Hans Wever erfreut sich im Jahr 2014 guter Gesundheit.

Wasser vernichtete

das Schlundt-Archiv

Es war ein Glücksfall für Menden und den Sport im gerade erst fertig gestellten Stadion, dass Heinz Schlundt mit seiner Frau Therese und Tochter Ingrid nach Menden zog. Bei der Familie Klüppel am Goldacker fand er ein Zuhause. Zwei Zimmer, mehr war Anfang der 50er Jahre nicht machbar angesichts der allgemeinen Wohnungsnot. Schlundt war nicht irgendwer. Er war 1943 für die SG Berlin Deutscher Meister über 800 Meter geworden. In die Hönnestadt kam er als Trainer. Er wurde ein großartiger, der Mega-Verein ASV Köln verpflichtete ihn einige Jahre später als Cheftrainer. Eine besondere Zeit für ihn am Rhein, er als Meistertrainer, seine Frau Therese bald eine Institution als Hebamme. Überschwänglich gefeiert von der Presse als die Frau, die halb Köln auf die Welt geholt habe.

Ich habe versucht, mehr über Heinz Schlundt herauszufinden, es war nicht von viel Erfolg gekrönt. Der Pressechef des ASV Köln, Stephan Ehritt, wollte helfen, musste aber passen: „Das Archiv war ausgelagert,“ bedauerte er, „dann ist das Wasser darüber gegangen.“ Alles futsch. Nicht futsch ist meine Erinnerung an Schlundts Sportunterricht am Walram-Gymnaium und an seinen unorthodoxen Mutmacher, man müsse keine Angst vor einem Direktor haben. Man müsse ihn sich nur nackt in der Badewanne vorstellen.

Nach 30 Jahren stand

er in der Haustür

Heinz Schlundt führte die Jugend der Mendener Leichtathletik zur Blüte, zu deutschen, westfälischen und Kreismeister-Titeln. Er begeisterte. Ich hatte das Vergnügen, mit Elisabeth Dröscher geb. Klüppel (Jahrgang 1947) sprechen zu können. „Ja, Heinz Schlundt wohnte bei meinen Eltern am Goldacker 28. Und er hat Hans Wever nach Menden geholt. Wever bekam bei uns im Haus ebenfalls ein Zimmer.“ Die beiden zukünftigen Sportlegenden unter einem Dach. Elisabeth Dröscher, deren Mann die LA-Abteilung beim SV Menden führt, erinnert sich, dass Schlundts Tochter Ingrid bei Wind und Wetter raus musste zum Training. Aus ihr ist ja auch eine sehr gute Hürdensprinterin geworden.

Noch jetzt ist sie fasziniert von einem Tag um 1990. Als es plötzlich an ihrer Haustür am Goldacker 28 klingelte und Heinz Schlundt in der Tür stand. Eine Riesenüberraschung nach all den Jahrzehnten. Er erzählte von früher. Alte Zeiten standen auf, so packend und lebendig, dass Elisabeths Kinder, die eigentlich zum Spielen nach draußen wollten, sitzen blieben und mit offenem Mund zuhörten. Als es Abend war, sollte Schlundt zum Übernachten im Haus bleiben, doch er wollte lieber in seinem Campingbus im Wendehammer schlafen.

Wie ein Vater für die

jungen Läuferinnen

„Er war ein guter Trainer,“ sagte Elisabeth Dröscher, „und ein guter Sport-Fotograf. Er entwickelte seine Filme selbst.“ Das Fotografieren hat Heinz Schlundt in der Tat hohe Anerkennung eingebracht. Er machte mit bei einem Olympischen Foto-Wettbewerb, reichte Fotos ein vom Huckenohl-Stadion, vom LAV-Nachwuchs, vom Besuch der Sprinterstars Heinz Fütterer und Manfred Germar. Seine Bilder holten einen 2. Platz und fanden 1956 im „Haus der Kunst“ in München Aufnahme. 784 Amateur- und Berufsfotografen hatten ihre Arbeiten vorgestellt.

Geradezu schwärmerisch ist die Erinnerung der heute in Meinerzhagen lebenden Bärbel Bresser verh. Kissing an Heinz Schlundt. „Er war wie ein Vater für uns junge Mädchen. Wir waren alle um 15, 16 Jahre, schon in der Lehre. Wir gingen am Goldacker bei seiner Familie ein und aus,“ sagte sie. Auch schon wegen der gleichaltrigen Tochter Ingrid. Das waren damals wohl noch schwierigere Zeiten. „Wir mussten viel mehr machen, die Laufbahn selbst präparieren, sie freifegen von Schnee, mussten die Anlage auch sauber halten. Aber für den Kerl machten wir alles, da liefen wir bei Wind und Wetter,“ schmunzelt sie. Die Erfolge damals für die Mendener Leichtathletik bis hin zu Deutschen Meistertiteln? Die Presse jubelte: „Ohne den Trainer Heinz Schlundt nicht möglich.“ Und der Erfolg der großartigen Internationalen Sportfeste, die noch Tausende Zuschauer anzogen, auch nicht. Schlundt war es schließlich, der die Größen der Aschenbahn holte.

Hans Wever auch mit

92 noch kerzengerade

Kerzengerade hält er sich, wenn er durch die Stadt geht, um in einem der Straßencafés seinen Cappuccino zu trinken. Sie kennen ihn alle: Hans Wever, dem man die 92 Jahre nicht ansieht. Der gebürtige Hannoveraner, den Heinz Schlundt 1953 nach Menden holte, ist zeitlebens der Leichtathletik treu geblieben. Schlundt und Wever blieben freundschaftlich verbunden, Wever besuchte Schlundt in Köln.

In seiner Blütezeit gehörte Hans Wevers Liebe der Mittelstrecke. Für die LG Bremen wurde er 1950 zusammen mit Karl Kluge und Kurt Bonali Deutscher Meister in der 3 x 1000 m-Staffel. Bei Deutschen und Westfälischen Meisterschaften über 800 m, 1500 und 5000 m holte er hervorragende Platzierungen von eins bis vier. 1955 drei Wochen in die Türkei, 1956 drei Wochen nach Finnland mit der LAV Menden. Wettkampfreisen. Mit Trainer Heinz Schlundt. In Finnland leuchtete das weiße „M“ auf schwarzem Grund besonders hell. Da stellte Hans Wever einen 5000 m-Kreisrekord auf, der zwölf Jahre Bestand haben sollte. Als Heinz Schlundt 1959 zum ASV Köln wechselte, beendete Wever seine Läufer-Karriere und übernahm die Trainertätigkeit in Menden, widmete sich dem Nachwuchs und seine ganze Kraft bis ins hohe Alter diesem Sport im Verein und darüber hinaus, gründete letztendlich eine Alt-Herren-Riege für den Freizeit- und Gesundheitssport.

Ehrenpreis zwischen

selbstgemalten Bildern

Man kann sich fragen, warum die Ehrung der Stadt solange auf sich warten ließ, aber dass sie 2009 erfolgte, dass er aus der Hand des damaligen Bürgermeisters Rudolf Düppe den „Ehrenpreis der Stadt Menden“ erhielt, war mehr als verdient. Hans Wever ist stolz auf diese Sportplakette in Gold, auch wenn er darüber nicht viele Worte verliert. Sie hat einen Ehrenplatz. Stolz kann er auch sein auf die vielen Bilder, die er gemalt hat und die seiner Wohnung an der Lohmühle 4 ein überaus privates, schon intimes Ambiente verleihen. Und wer das Vergnügen hat, in seinen penibel geordneten Foto-Alben blättern zu dürfen, kommt aus dem Staunen nicht wieder heraus. Das ist gebündelte Sportgeschichte.

Die Leichtathletik-Abteilung des SV Menden hat ihn 2005 zu ihrem Ehrenmitglied ernannt. Ich maße mir nicht an, den Menschen Hans Wever zu beurteilen, dafür kenne ich ihn

zu wenig. Aber seine Bescheidenheit und Zurückhaltung ist wohltuend.

Ehrennadeln und

verbrannte Pizza

Heinz Dröscher hat mal aufgelistet, was den „Funktionär“ Hans Wever und seine Tätigkeit bis ins hohe Alter ausmacht: Mitbegründer der LAV Menden, Abteilungsvorsitzender, Geschäftsführer, Sportwart, Aktiven-Sprecher, Übungsleiter, Kampfrichter, Kreisportwart und, und, und. Gelebtes Ehrenamt. Die Goldplakette der Stadt Menden ist eine konsequente Abrundung der Ehrungen, die er erfahren hat: Für seine Verdienste hatte er zuvor schon u.a. die Ehrennadeln in Gold und Silber vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) sowie vom Fußball- und Leichtathletik-Verband Westfalen erhalten.

Hans Wever ist voll konzentriert. Mit 92 Jahren kein bisschen müde. Als ich ihn besuchte, hatte er gerade eine Pizza im Backofen. Er lebt seit fünf Jahren allein, seine Frau ist gestorben. Als ich ging, war die Pizza schwarz verbrannt. Wir haben beide geschmunzelt.

Das Buch „So war es früher“ von Claus-Peter Levermann ist im Klartext-Verlag erschienen und im Buchhandel zu haben. Der Erlös des Buchverkaufes ist für die WP-Benefizaktion für „Mendener in Not“ bestimmt.

 
 

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