Rudi Düppe befürwortete Radweg auf Bahntrasse

Streitapfel zwischen Menden und Hemer: die Zukunft der stillgelegten Oesetalbahn.
Streitapfel zwischen Menden und Hemer: die Zukunft der stillgelegten Oesetalbahn.
Foto: IKZ

Menden..  Premiere in einer heiklen Angelegenheit: Heute wird Hemers Bürgermeister Michael Esken erstmals einer Mendener Ratsfraktion seine Sicht der Dinge zur Bahnstrecke Hemer-Menden darlegen. Allerdings nicht bei seinen Parteifreunden von der CDU, sondern bei der FDP, die ihn eingeladen hat.

Esken dürfte dort auch noch einmal darlegen, warum er über das Nein der Mendener Rats-Mehrheit zu einem schnellen Gleisabbau (WP berichtete) verärgert und enttäuscht ist. Eine zentrale Rolle dürfte dabei ein Gesprächsprotokoll aus dem Dezember 2008 spielen, das der WP vorliegt. Damals war aus Hemeraner Sicht eigentlich schon klar, dass die Deutsche Bahn, die eine Rückbaugenehmigung bereits in der Tasche hatte, die Gleise so rechtzeitig vor der Landesgartenschau 2010 abbauen würde, dass mit Bundesmitteln dort ein Radweg entstehen würde. Mit ihm sollte die Trasse gesichert werden, so dass zumindest die Möglichkeit erhalten bleiben sollte, dass irgendwann dort wieder Bahnverkehr laufen kann.

Dann kam aber die private Rhein-Sieg-Eisenbahn (RSE), die mit einer Klage erreichen wollte, dass der Rückbau nicht vollzogen wird. Um nicht durch einen langen Rechtsstreit während der Landesgartenschau weder Rad- noch Bahnverkehr zu haben, trafen sich im Dezember 2008 alle Beteiligten zu einem Gespräch. An dem nahm auch der damalige Mendener Bürgermeister Rudi Düppe (CDU) teil. Der Vertreter der Bahn (DB Netz AG) machte laut Protokoll klar, dass man die im September 2008 erteilte Rückbaugenehmigung als wirksam betrachte und jederzeit mit dem Gleisabbau beginnen könne. Wohl aus der Sorge, dass sich dann ein langer Rechtsstreit entwickeln würde, wurde ein anderes Szenario erarbeitet: Die Stadt Hemer kauft der DB Netz AG die auch auf Mendener Gebiet verlaufende Trasse für 420.000 Euro ab (und zahlt für das Hemeraner Bahnhofsgelände noch einmal 800.000 Euro). Die Rhein-Sieg-Eisenbahn versucht dann, dort mit Beginn der Landesgartenschau einen Bahnverkehr zu etablieren. Wenn dies aber nicht erfolgreich möglich sei, so sehe es auch die RSE als sinnvoll an, dort einen Radweg zu bauen, um die Trasse für eine mögliche spätere Reaktivierung zu sichern.

Dass Menden diesen Weg ebenfalls befürwortet hatte, ist aus dem Statement von Bürgermeister Düppe abzulesen: Laut Protokoll sieht er die „als Rückfallebene aufgezeigte Radweg-Option als absolut unverzichtbar an“, um Politik und Bevölkerung in Menden überhaupt mit ins Boot holen zu können. Für Menden wäre der Radweg nach Hemer „ein wichtiger Baustein im gesamten örtlichen und überörtlichen Radwegenetz“. Der Erhalt der Schienenstrecke sei immer das oberste Ziel beider Städte gewesen, es dürfe aber „nicht nur um hin und wieder ein paar Schienenbusfahrten gehen, sondern es müsse um regulären Taktverkehr gehen“.

Eskens Interpretation: Menden sei schon 2008 mit dem Gleisabbau einverstanden gewesen, habe den Kompromiss mit der RSE aber mitgetragen, um einen Rechtsstreit zu verhindern.

Durch den jüngsten Ratsbeschluss gegen einen schnellen Gleisabbau und das Abwarten der Potenzialanalyse (WP berichtete) behindere Menden nun diesen Weg. Unter Kommunen müsse man sich aber auf eine Aussage eines Bürgermeisters verlassen können. Für Hemer gehe es nun mal darum, die 420 000 Euro durch den Weiterverkauf der Trasse an den Bund zu refinanzieren. Wie lange es noch Mittel aus dessen Radwegeprogramm geben werde, sei ungewiss, die Zeit dränge also.

Auf WP-Anfrage dementierte Esken zudem, dass sein Drängen auf einen schnellen Gleisabbau etwas mit dem geplanten neuen Elektromarkt in Hemer zu tun habe, der eine Konkurrenz zu den Mendener Plänen am Nordwall darstellen könnte. Das dortige Problem mit den möglicherweise zu geringen Abständen des Elektromarkts zu den alten Gleisen, sei längst gelöst worden. „Es geht hier nur um die Trasse nach Menden und das Geld, das Hemer dafür investiert hat.“

 
 

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