Rammbock kommt auf Bahnstrecke

Der Bagger für die Arbeiten stand gestern schon am Hassenbruch: Die Oesetalbahn-Aktivisten Birgit und Patrick Ohlrogge sowie Ingrid Ketzscher und Matthias Gast protestieren Foto: Michael Koch
Der Bagger für die Arbeiten stand gestern schon am Hassenbruch: Die Oesetalbahn-Aktivisten Birgit und Patrick Ohlrogge sowie Ingrid Ketzscher und Matthias Gast protestieren Foto: Michael Koch
Foto: WP

Menden/Hemer..  Auf der Bahnlinie Menden-Hemer wird heute mit dem Abbau der Signalanlage begonnen. Zudem wird auf Mendener Gebiet ein Teil der Schiene entnommen und ein Rammbock installiert, der die Strecke dann von der Hönnetalbahn trennt. Der Oesetalbahnverein kritisiert das heftig – ganz im Gegensatz zur Stadt Hemer.

Einen ursprünglich geplanten regelmäßigen Linienverkehr zur Landesgartenschau hatte es auf der seit Jahren stillgelegten Strecke nie gegeben, aber immerhin viele Sonderfahrten. Beim Oesetalbahnverein hatte das die Hoffnung genährt, die Strecke dauerhaft zu reaktiveren. Zumal die Verbindung erst jüngst als „zu untersuchende Strecke“ in den Nahverkehrswegeplan aufgenommen worden war.

Der Abbau der Signale und der Bau des Rammbocks versetzen dem Oesetalbahnverein nun einen heftigen Dämpfer. „Der Signalabbau ist das falsche Signal“, sagen Ingrid Ketzscher und Matthias Gast, die Sprecher des Vereins. Zwar bedeute dies noch nicht, dass die Strecke komplett abgebaut werde – was aus Sicht des Vereins eine Reaktivierung unnötig verteuern würde. Der Zeitpunkt sei aber denkbar unpassend, da der Mendener Stadtrat und der Kreis erst in Kürze über das Schienenrückbauverfahren entscheiden würden. Insofern seien die jetzigen Arbeiten Steuergeldverschwendung.

Hemers Bürgermeister Michael Esken kann die Aufregung hingegen nicht verstehen. Er stellt im WP-Gespräch fest: „Wir haben die Arbeiten zum Signalabbau nicht in Auftrag geben. Das war die Deutsche Bahn.“

Zur Erinnerung: Der Stadt Hemer gehört die Bahntrasse – auch auf Mendener Gebiet. Sie wollte die Strecke aber schon lange an den Bund weiterverkaufen, der dort einen „Bundesstraßen begleitenden Radweg“ bauen sollte – und zwar schon zur Landesgartenschau. Doch dann kam die Rhein-Sieg-Eisenbahn, die einen Gesetzespassus nutzte, den Abbau der Strecke verhinderte und für 2010 eine Betriebserlaubnis erhielt.

„Das Unternehmen hat aber schnell gerechnet, dass ein Dauerbetrieb wirtschaftlich nicht machbar ist“, so Esken. Seine Stadt hat weiter ein großes Interesse, dass der Radweg tatsächlich kommt. Es müsse endlich eine gute Radverbindung zwischen Menden und Hemer geben, so Esken. Aber natürlich treibt ihn auch ein finanzielles Motiv um. Hemer hatte die Trasse im Jahr 2007 für 400 000 Euro gekauft – in der Hoffnung, sie schnell an den Bund weiterverkaufen zu können. Das hat sie bislang aber nicht tun können – muss aber für das damals geliehene Geld weiter Zinsen zahlen. Zudem kostet die Verkehrssicherungspflicht laufend Geld.

Esken: „Dabei weiß jeder, dass in den kommenden Jahren dort kein Zug fahren wird. Und sollte es doch in Zukunft noch einmal zu einem Bahnverkehr kommen, dann müssten die total veralteten Gleise ohnehin erneuert werden.“ Seine Folgerung: Ein Radweg steht einer Reaktivierung der Strecke irgendwann in der Zukunft nicht im Wege. Insofern werde auch nicht das laufende Prüfverfahren für den Nahverkehrsplan torpediert.

Esken sieht es sogar ganz anders: „Mit dem Radweg erhalten wir die Bahntrasse für die Zukunft. Dafür stehe ich mit meinem Wort.“ Die heute beginnenden Maßnahmen habe er aber nicht beauftragt, sie seien vielmehr die logische Folge der abgelaufenen Betriebserlaubnis der Rhein-Sieg-Eisenbahn und dem geplanten Abbau überflüssiger Gleise am Bahnhof Hemer. Dazu müsse die Strecke technisch stillgelegt werden – das tue die Bahn nun, um den Schritt in der kommenden Woche gutachterlich feststellen zu lassen. Das sei im komplizierten Bahnrecht so vorgeschrieben und habe eigentlich schon im Frühjahr stattfinden sollen.

Kritisch sieht Esken weiter Oesetalbahnverein und Mendener Grüne. Sie stellten Forderung für Grundstücke, die ihnen nicht gehörten: „Wer die Trasse haben will: Für 400 000 Euro plus Zinsen kann er sie uns abkaufen.“

 
 

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